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RB Leipzig – Das rotweiße Schreckgespenst

Es war einmal ein Fußballverein aus Leipzig. Der wurde im Jahr 2009 gegründet, nachdem aus einem Stadtrand-Verein die 1. Herrenmannschaft herausgelöst wurde und ein großer Investor eingestiegen ist. Seitdem vergeht kaum eine Woche, in der nicht über das rotweiße Schreckgespenst aus Leipzig gewettert wird.

Leute, entspannt euch! Drüben gibt’s Kaffee und Kuchen. Und außerdem hat der Getränkebringdienst heute Blasentee und stilles Mineralwasser. Es ist doch nicht zu fassen, was da immer über den RB Leipzig erzählt wird.

Fakt 1: Die Erb-Blamage

Es ist blamabel für eine Stadt wie Leipzig, so lang keinen Fußballverein im professionellen Fußball gehabt zu haben. Auf der einen Seite gibt es da den 1. VfB Lokomotive „Erich Zeigner“ Leipzig, bei dem man gar nicht oft genug die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte. Auf der anderen Seite den „Rest von Leipzig“ mit all seinen grünweißen Auswüchsen und Grabenkämpfen, die gar nicht stattfinden müssten.

Seit der politischen Wende 1989 / 1990 ging es mit dem Verein aus dem Leipziger Südosten, also Lok Leipzig, immer weiter bergab. Sie hießen mal so wie der Ursprungsverein, also VfB Leipzig. Aber die Tradition, die seit dem Niedergang gepflegt wurde, hatte nichts mehr mit Fußball zu tun. Damit wurde der Verein dann 2003 neu gegründet und hat sich seitdem bis in die Regionalliga Nordost vorgearbeitet, wo ihm derzeit gründlichst die Grenzen aufgezeigt werden.

Die grünweißen Vereine sind sogar noch abstruser unterwegs. Die haben sich in den Neunzigern aufgespaltet. Und der Ursprungsverein ist aus dem Vereinsregister gelöscht und wird nun von gleich zwei Vereinen – öhm – vertreten. Davon hat sich einer – in guter Leipziger Tradition in der Zeit im kapitalistischen Deutschland – schon wieder umbenannt.

Bei beiden Lagern ist es schlichtweg undenkbar, dass diese die Traditionsstadt des deutschen Fußballs, die Gründungsstadt des DFB, Leipzig, professionell repräsentieren können. Das gelingt dem Schreckgespenst schon um einiges besser. Und der Investor Red Bull wird nicht ewig die erste Geige auf der Einnahmenseite spielen. Also alles nicht schlimmer als bei den angeblichen Traditionsvereinen, die genau genommen nur unmerklich älter sind als das Schreckgespenst.

Fakt 2: Fußballfans sehen die Chancen

Was habe ich nicht alles gelesen! „Eventfans“ laufen zu tausenden wegen „Freikarten“ ins Stadion. Da ist angeblich kein einziger Fußballfan dabei. Ist klar, nicht wahr?

Deshalb brüllen sich regelmäßig über 10000 Zuschauer bei Heimspielen in der Red Bull Arena die Seele aus dem Leib. Deshalb gibt es ja auch Fanclubs. Deshalb fahren die angeblichen Eventfans mit Sonderzügen und Bussen zu Milchkanne 07, Entschuldigung: SV Elversberg, Wacker Burghausen etc. Alles Eventfans, klar.

Es ist sogar nachgewiesen, dass der RB Leipzig als Aufsteiger in „die stärkste dritte Liga der Welt“ einen fast so hohen Zuschauerschnitt hat wie der durch Lizenzentzug zwangsabgestiegene MSV Duisburg. Die Leipziger Eventfans kommen aber alle wegen den Freikarten. Klar, es werden für jedes Heimspiel über 70000 € verschenkt. Sicher.

Fakt 3: Andere sind auch nicht besser

Man wirft dem RB Leipzig immer vor, ein Retortenclub zu sein. Das macht man immer an dem Engagement von Red Bull fest. Aber Entschuldigung, der TSV 1899 Hoffenheim, der VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen sind nicht besser. Und ohne das finanzielle Engagement großer Konzerne wären auch Bayern München, Borussia Dortmund und so viele andere Vereine in Deutschland nicht überlebensfähig.

Und wie lese ich denn immer wieder, dass RB Leipzig vom Sport- und Bäderamt Leipzig bevorzugt werden würde? Wie war das denn in München? Jahrzehntelang hatten die „Löwen“ das Heft in der Hand. Dann kamen aber in den 70ern die Herren Beckenbauer und Hoeneß zum Geschäftlichen bei den Bayern. Und plötzlich lief alles anders. Aber DER Traditionsverein in der bayrischen Landeshauptstadt ist nun mal der TSV 1860 München.

Ich stehe dem RB Leipzig nicht nahe genug

Es gibt sicherlich noch eine ganze Menge weiterer Fakten, die man auf den Tisch hauen kann. Man könnte jetzt auch mit solchen Sprechchören kommen wie „RB Leipzig – Tod des Fußballs“. Mal ehrlich, ein Fußball ist ein Ding. Der Fußball hat nie gelebt. Wenn es um den Sport geht, so wird der Sport namens Fußball in Leipzig seit 2009 erst wiederbelebt. Schaut euch doch mal in Leipzig um, was in den letzten Jahren entstanden ist! Von Pleitegeiern wie bei Lok oder Chemie und nur von Tradition, die nicht mal das Papier, auf der sie stehen soll, wert ist, kann man kein Sportinternat, keine Sportinfrastruktur, kein gar nichts bauen. Das hat Red Bull finanziert und wird es dann irgendwann zu fairen Bedingungen der Stadt Leipzig – nicht etwa dem Verein – übergeben. Wo ist das also „Tod des Fußballs“?

Ich stehe dem RB Leipzig nicht nahe genug, um mich als Fan bezeichnen zu können. Das gilt dann auch, wenn man mich aufgrund dieses Artikels beschimpfen sollte. Ich habe hier meine Meinung aufgeschrieben. Und die hat als Quintessenz: Der großen, stolzen Stadt Leipzig konnte nichts besseres als dieser RB Leipzig passieren, allen Unkenrufen zum Trotz.

Ich habe es schon oft genug aufgeschrieben, dass ich das Ganze, was mit RB Leipzig passiert ist, sehr, sehr positiv sehe. Es muss nicht immer bis an die Grenze der Existenz gehen wie bei Rot-Weiß Essen oder den Kickers Offenbach. Es kann auch mal mit einem Finanzpolster gehen. Der RB Leipzig wird irgendwann mal mehr Tradition haben, als man jetzt denkt. Und einige Vereine, die man jetzt noch als große Traditionsvereine hinstellt, werden vielleicht nicht mehr existieren. Denn Tradition allein schießt keine Tore und finanziert keine Sportinfrastruktur.

Und jetzt habe ich genug aufgeschrieben. Ich denke, ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte hat sich der Rote-Brause-Anhänger jetzt verdient. Ich werde dazu noch einmal den tollen Artikel bei „Passives Abseits“ lesen, der mich zu diesem Artikel inspiriert hat.

Bildquelle: Bildquelle: Altes Logo von RB Leipzig – (C) RB Leipzig e.V.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

One thought to “RB Leipzig – Das rotweiße Schreckgespenst”

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