RB Leipzig gegen FC Bayern München im DFB-Pokal

Der Vizemeister empfing gestern den Meister. Es war irgendwie ein Kampf der Giganten, der dummerweise durch den Schiedsrichter maßgeblich beeinflusst wurde. Aus einem echten Pokal-Gipfel wurde zwischenzeitlich eine diskussionswürdige Nummer. Aus dieser gingen die Bayern am Ende als der etwas glücklichere Sieger heraus. Und darüber müssen wir einfach mal kurz reden. Ich will das nicht zu sehr ausdehnen. Aber angesprochen werden muss das Thema.

Rotation für den Erfolg

Vor ausverkauftem Haus in Leipzig liefen beide Mannschaften etwas verändert auf. Trainer Hasenhüttl ließ zunächst Klostermann, Konaté, Demme und Werner draußen und ließ Gulacsi im Tor, Bernardo, Orban, Upamecano und Halstenberg in der Abwehr, Kampl und Keita im defensiven Mittelfeld, Forsberg und Sabitzer im offensiven Mittelfeld sowie Poulsen und Augustin im Angriff ran.

Jupp Heynkes wiederum ließ Ulreich im Tor, Kimmich, Boateng, Hummels und Alaba in der Abwehr, Tolisso und Vidal im zentralen Mittelfeld, Robben, Thiago und Coman im offensiven Mittelfeld sowie Lewandowski im Angriff auflaufen. Der recht ausgedünnte Kader des Rekordmeisters bot dann doch einige große Namen. Und beide Mannschaften schenkten sich nichts.

Knifflige Szenen

Schiedsrichter Felix Zwayer hatte kein einfaches Spiel zu leiten. Er ist bekannt für eine sehr kleinliche Auslegung der Szenen. Ob so ein Schiedsrichter bei so einem Spektakel, was gestern angesetzt war, unbedingt aufgestellt werden muss, muss der DFB für sich selbst bewerten. Eine großzügigere Auslegung hätte dem Spiel gestern durchaus gut getan. Und so nutzten die Bayern dieses kleinliche Pfeifen konsequent aus.

Problematisch war bei Zwayer ja, dass er keine wirklich konstante Linie aufweisen konnte. Mal ließ er Fouls einfach mal durchgehen, mal pfiff er weniger grobe Aktionen ab und bestrafte diese mit einer Karte. So kam es, wie es kommen musste. Heißsporn Naby Keita lieferte ein starkes Spiel ab, obwohl ihm wahlweise Corentin Tolisso oder Arturo Vidal das Leben schwer machten und ihm konsequent in die Knochen fuhren. Im Gegensatz dazu waren zwei unproblematische Szenen von Keita gut genug für Zwayer, um ihm zweimal die gelbe Karte zu zeigen und ihn somit mit Gelb-Rot vom Platz zu stellen.

Überhaupt war man geneigt zu sagen, dass die Bayern bevorzugt wurden. Vidal und Tolisso konnten „um sich treten“, wie sie wollten, was Zwayer manchmal nicht einmal abpfiff. Ein Foul an Emil Forsberg rund um die Strafraumlinie wurde erst als Elfmeter gewertet, aber nachdem der ehemalige Leipziger Joshua Kimmich auf den Linienrichter eindiskutierte, überstimmte der 30 Meter entfernt stehende Assistent seinen Chef Zwayer, der vielleicht 5 Meter entfernt stand, und der entschied dann auf Freistoß. Der Assistent konnte unmöglich erkannt haben, dass das Foul am Schweden tatsächlich Zentimeter vor dem Strafraum stattfand.

Ein ähnliche Situation etwas später brachte Jean-Kevin Augustin zu Fall, was (glaube ich) nicht einmal abgepfiffen wurde. Dafür dann nach der Halbzeit-Pause ein Noch-nicht-mal-Foul von Jerome Boateng an Yussuf Poulsen, was allgemein dann als „Mutter der Konzessionsentscheidungen“ durchgehen konnte. Und so lief dieses Spiel unter großer Regie durch Felix Zwayer. Am Ende der Verlängerung stand es 1:1 durch Tore von Forsberg (Elfmeter) und Thiago. Die Bayern waren durch Keitas Platzverweis ein Spieler mehr. Böse Zungen behaupten, dass die Bayern mit Zwayer sogar zwei Mann mehr waren. Das war ein starker Auftritt von RB Leipzig.

Elfmeter-Krimi in aller Kürze

Mann des Spiels war für mich gestern Torwart Gulacsi. Der hielt in der regulären Spielzeit und in der Verlängerung alles, was man halten konnte. Er sah für mich weitaus stabiler aus als sein Gegenüber Ulreich. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass die Bayern-Spieler einfach besser die Elfmeter geschossen haben. Und wenn es schon für Timo Werner derzeit nicht so richtig rund läuft, dann verschießt er auch noch den entscheidenden Elfmeter.

Die Bayern kamen höchst glücklich weiter. Sie hätten sich auch nicht beschweren dürfen, wenn sie ausgeschieden wären. Denn bis zum Platzverweis war die Truppe um Kapitän Orban mindestens gleichwertig. Nach dem Platzverweis hatte man sich auf Schadensbegrenzung konzentriert. Und man musste übertriebene Nachspielzeiten durchstehen, deren Gründe ich nicht nachvollziehen konnte. Somit war es nicht nur ein Kraftakt für die Leipziger, das Spiel durchzustehen. Es war auch eine psychische Höchstleistung, sich nicht noch durch die Entscheidungen von Zwayer aus der Ruhe bringen zu lassen.

Das Elfmeter-Schießen entschied einen wahren Pokalkracher. Es hätte vielleicht gestern Abend auch anders ausgehen können, wenn der Schiedsrichter konstanter gepfiffen hatte. Die Bayern waren unterm Strich bei weitem nicht immer überlegen. Und RB Leipzig hat vielleicht durch diese überragende Leistung etwas an Sympathie zugelegt. Einen Spielbericht kann man durchaus hier lesen. Und was manche als Erklärung für die eine oder andere Entscheidung von Felix Zwayer hernahmen, kann man gern mal hier nachlesen.

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