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RB Leipzig gegen FC Schalke 04 – Dosen gegen Malocher

Timo Werner macht den Arjen Robben, Sead Kolasinac macht den Bruce Lee: Mehr Spitzenspiel ging gestern Abend irgendwie nicht in der Red Bull Arena. Der Club, der von Malochern gegründet wurde, kam zum Club, der eine Dose performt. Zudem trafen gestern die beiden Teams aufeinander, die unterm Strich die erfolgreichsten waren. Und so war gestern ordentlich Feuer in der Bude. Und das vor ausverkauftem Haus in Leipzig. Das war doch was.

Ralph Hasenhüttl schickte RB Leipzig so aufs Feld: Gulacsi im Tor, Schmitz, Ilsanker, Orban und Halstenberg in der Verteidigung, Demme und Keita im defensiven Mittelfeld, Sabitzer und Forsberg im offensiven Mittelfeld und Poulsen und Werner im Sturm. Der Malocher-Club lief mit Fährmann im Tor, Höwedes, Naldo und Nastasic in der Abwehr, Schöpf, Goretzka, Geis, Bentaleb, Kolasinac, Meyer im Mittelfeld und Choupo-Moting im Sturm auf. Und gleich in den ersten Sekunden war Feuer drin, was das Spiel komplett auf den Kopf stellte.

Der erste Angriff von RB Leipzig. Und Timo Werner fiel im Strafraum direkt neben Keeper Fährmann. Schiedsrichter Dankert zeigte ohne Zögern auf den Elfmeter-Punkt, Werner lief an und traf. Aber: Es war kein Elfmeter. Auf jeden Fall keiner, den Fährmann verschuldet hatte. Das hatte Timo Werner auch so im Interview gesagt. Allerdings hatte er auch gesagt, dass Naldo ihn gehalten hätte. Das stimmt wohl auch. Aber ich habe so meine Zweifel, dass dadurch Werner gefallen ist. Fährmann erhielt Gelb. Und Dankert gab nach dem Spiel zu, dass das Alles eine Fehlentscheidung war.

Wie dem auch sei, es war ja noch die ganze Spielzeit zu beackern. Und so besannen sich beide Teams aufs Fußball-Spielen. Aber es war Gift in der Partie. Kurz nach dem vielleicht unberechtigten Elfmeter (und dabei sollten wir es bewenden lassen) hätte es schon 2:0 für die Hausherren stehen können, als Werner außen durch war und auf Poulsen passen konnte. Der scheiterte allerdings aus nächster Nähe am guten Fährmann und am Pfosten. Da war er also wieder: Der Hurra-Fußball, für den RB Leipzig bekannt – und auch gefürchtet – ist.

Ab dem Zeitpunkt entwickelte sich ein hochklassiger Fight. Im Vorfeld war ein rasantes Spiel erwartet worden. Und das war es dann. Nicht umsonst war dies das Spitzenspiel des Spieltags, bei dem die Bayern nur zuschauen durften. Man lief den Gegner an, war robust, war schnell. Das gilt für beide Teams. Aber vieles fand eben auch im Niemandsland des Mittelfeldes statt. Und das trotz der Kung-Fu-Einlage von Kolasinac gegen Benno Schmitz, der in der Folge ausgewechselt werden musste.

Schmitz war derart benommen, dass er in der Folge nichts sehen konnte. Hasenhüttl hat aber keine Optionen mehr auf der rechten Außenverteidiger-Position. Dominik Kaiser (offensives Mittelfeld) half aus und wurde rechts hinten eingewechselt. Neben den ebenfalls aushelfenden Stefan Ilsanker (defensives Mittelfeld). Und in diese Verlegenheisschnittstelle stach Goretzka und kam zum Schuss. Und hinter Kaiser stand Torschütze Kolasinac frei. Ausgleich in einer hochklassigen Partie.

Die folgende Viertelstunde bis zur Halbzeit wurde von den Knappen dominiert. Und es hätte sich niemand wundern dürfen, wenn RB Leipzig hier in Rückstand geraten wäre. Alles in allem ging das 1:1 bis dahin in Ordnung, trotz des möglicherweise unnötigen Elfmeters, denn RB Leipzig war in den ersten 20, 25 Minuten das bessere Team, Schalke dann den Rest der Zeit lang.

Die zweite Halbzeit aber zeigte dem fußballinteressierten Hingucker, warum die Rotweißen und die Blauweißen die Teams der Stunde sind. Mehr Überfall-Fußball ging eigentlich nicht, vor allem nicht auf Leipziger Seite. Immer wieder hakten Forsberg oder Sabitzer oder wer auch immer ein und nahmen den Königsblauen den Ball ab. Und dann ging es immer rasend schnell. Alles in allem ließen beide Teams die Visiere herunter. Aber die Vorteile lagen eindeutig auf der Seite der Hausherren.

Und so kam es, dass die Leipziger es unbedingt wollten, schnell wieder in Führung zu gehen und damit ein Stück weit die Gelsenkirchener Abwehr überforderten. Der beste Leipziger, Emil Forsberg, schlug scharf einen Freistoß nach innen, wo er seinen Abnehmer in Schalkes Hauptakteur, Sead Kolasinac fand, der relativ zielsicher Fährmann überwand. Kurz darauf hätten Forsberg und Keita sogar noch die Chance gehabt, das Ergebnis zu erhöhen. Das 2:1 war sozusagen das, was das Spiel entschied. Nicht der Elfmeter zu Beginn, über den es hunderte Wortmeldungen gab.

Leipzig machte fortan das, was sie immer machen: Anrennen, hoch pressen, den Gegner zu Fehlern zwingen und dann überfallartig angreifen. Es ist lediglich der Chancenverwertung zu verdanken, dass Schalke nur ein Tor zurück lag. Daran änderte sich auch nichts mehr, als kurz vor Schluss Timo Werner durch Oliver Burke ersetzt wurde. Und auch Rani Khedira, der dann fast zum Schluss den heiß gelaufenen Emil Forsberg ersetzte, änderte nichts mehr an der Situation. Es blieb am Ende bei einem 2:1 für RB Leipzig, was – Elfmeter hin oder her – dann doch verdient war.

Aber was war das für eine Aufregung bei Twitter! „Werner, du Drecksau!“ oder so etwas. Wegen einer mutmaßlichen Schwalbe! Die Werner auch noch halbwegs zugegeben hat. Als ob das das erste Mal vorgekommen ist. Es hat ja noch niemand vorher eine Schwalbe fabriziert. Oder doch? Es gab sogar mal eine ganze Serie von Fotomontagen mit Arjen Robben, der das Thema Schwalbe eigentlich perfektioniert hat. Wie dieses Beispiel hier zeigt. Aber es war ja „Legionär Timo Werner beim Dosenclub“, der einen eher fragwürdigen Elfmeter herausgeholt hatte. Und das ist das Ende der Welt.

Ich denke, am Ende dürfen wir alle mal die Kirche im Dorf lassen. Jeder Profi hat schon mal eine Schwalbe versucht. Was Timo Werner da gemacht hat, ist die Andreas-Möller-Gedächtnis-Schwalbe gewesen, die er mit der Arjen-Robben-Verdienst-Medaille in Gold belohnt bekommen hat. Aber dieser Fehltritt war nicht spielentscheidend. Da waren ganz andere Dinge wesentlich relevanter.

Was ist zum Beispiel mit Benno Schmitz? Der hat eine Schädelprellung von Kolasinac verpasst bekommen. Ohne diesen rüden Zusammenstoß hätte Schmitz den Raum zwischen Ilsanker und ihm vor dem Ausgleich wahrscheinlich geschlossen. So hat Vertreter Kaiser das getan, was er dachte. Ohne jegliche Verteidiger-Erfahrung. Und es war auch spielentscheidend, dass Kolasinac ohne Not das Eigentor fabrizierte, das Schalke bis zum Schlusspfiff beschäftigt hatte.

Der Elfmeter war es jedenfalls nicht. Aber die ganze Nacht durch hat er die Gemüter beschäftigt. Dabei gab es wirklich den Zupfer von Naldo. Wenn jemand so Vollgas geht wie Werner, dann bringt das den Stürmer schon mal aus dem Tritt. Ohne das Halten – oder Zupfen – wäre Werner durch gewesen und hätte vermutlich so oder so eine sensationelle Schussposition gehabt. Und so, wie er derzeit drauf ist, hätte es dann vielleicht eh 1:0 gestanden. Ich denke, das Hauptproblem waren seine unbedachten Äußerungen nach dem Spiel. Aber meine Güte, der Bengel ist 20. Da fehlt noch Erfahrung.

Gegründet von Kumpeln und Malochern – so sieht sich Schalke 04 gern. Das stimmt ja auch. Die Legende besagt, dass sich 14, 15 Jahre alte Jungs sich in einem Hinterhof vom Schalker Markt zum Fußballspielen trafen. Jedenfalls ist erwiesen, dass Schalke ein durch die Zeche Consolidation geprägtes Dorf war, bevor es nach Gelsenkirchen eingemeindet wurde. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Ein Gas-Gigant und ein Wurst-Gigant stützen Schalke, sodass unendliche Millionen investiert werden können. Von Malochern ist da nicht mehr viel zu sehen.

Gegründet von einer Dose – so wird RB Leipzig gern gesehen. Das stimmt auch, zumindest was den Dosen-Giganten betrifft. Fußball gab es aber immer schon hier, in der Stadt des Handels und der Dienstleistung. Nur interessiert sich kein Handels- oder Dienstleistungsunternehmen für Clubs, deren Fans Verbrechen begehen. Deshalb gibt es außer RB Leipzig keinen Profi-Fußball hier. Um den Knoten zu lösen, bedurfte es der Unterstützung von außen. Und das war nun einmal Red Bull. Das kann man mögen oder lassen, es ist nicht viel anders als in Gelsenkirchen.

Nun steht fest, dass RB Leipzig wieder von oben nach München grüßt. Die Serie von Schalke ist dagegen gerissen. Und noch einmal: Nicht wegen des Elfmeters. Sondern wegen Sead Kolasinac. Sie haben es im Text gelesen: Der Bosnier hat Benno Schmitz umgehauen und darauf hin den Vorteil für den Ausgleich genutzt, aber er hat auch das Eigentor fabriziert. Alles in allem ist er mehr Star des gestrigen Abends, als es Timo Werner gewesen sein konnte. Da das aber eine gefallene Dose war, war er natürlich der Schuldige. Verrückte Welt, oder?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 thoughts to “RB Leipzig gegen FC Schalke 04 – Dosen gegen Malocher”

  1. Diese Analyse ist derart einseitig und parteiisch, daß es einem erstmal die Sprache verschlägt!
    Der Elfer war nicht spielentscheidend? Schalke musste insgesamt 75 Minuten einem Rückstand hinterher rennen, was nicht nur viel Kraft kostet, sondern auch die gesamte Spielstrategie über den Haufen geworfen hat und der Spielanlage der Hausherren entgegen kam! Ohne den unberechtigten Elfer hätte Schalke, bei der schlechten Chancenverwertung der Leipziger, wahrscheinlich nicht eine Minute in Rückstand spielen müssen, einige der Einschußgelegenheiten wären ja bei der ursprünglich angedachten Taktik der Schalker womöglich gar nicht entstanden und auch Kolasinacs Eigentor wäre nur der Ausgleich gewesen und hätte Schalke keineswegs zum Aufgeben seiner Vorgaben gezwungen! Wie kann man überhaupt auf die Idee kommen, ein ungerechtfertigtes Tor wäre im Falle eines 1-Tor-Sieges nicht spielentscheidend?
    Es gab weder eine Kung-fu-Einlage Kolasinacs (die beiden Spieler gehen in hoher Geschwindigkeit aufeinander zu und Schmitz nimmt sehr ungeschickt den Kopf runter), noch einen Zupfer Naldos, sondern nur einen kurzen Kontakt mit der Hand an der Schulter, der keinerlei Impuls auf Werner ausgeübt hat, der ihn auch nur ansatzweise aus dem Gleichgewicht gebracht hätte, er ist ja schließlich auch noch mehrere Schritte unbeirrt weitergelaufen! Außer dem RBL zugewandten Radikalrelativierern hat auch bei Naldo niemand ein ahndungswürdiges Vergehen gesehen, die TV-Bilder waren eindeutig!
    Nich die Schwalbe an sich, sondern der Umgang damit auf RBL-Seite macht den Vorfall so ekelerregend!

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