RB Leipzig gegen Heidenheim – Schön ist anders

Gestern fand das Topspiel der Dritten Liga statt. Der RB Leipzig, zweiter der Liga, empfing den Spitzenreiter 1. FC Heidenheim. Mehr Spitzenspiel geht also gar nicht, wenn der 2. den 1. empfängt. Das zeigte sich auch an den Zuschauerzahlen. 25.312 waren in der Red Bull Arena. Es war also angerichtet. Und dann passierte das, was immer bei solchen Spitzenspielen passiert: Nicht genug, um einen Wow-Effekt zu erzeugen.

Der RB Leipzig begann recht gut. Man war lange Strecken in der ersten Halbzeit mindestens gleichauf mit dem Spitzenreiter. Das zeigte sich auch kurz vor dem Halbzeitpfiff, als die Leipziger nicht unverdient durch Yussuf Poulsen in Führung gingen. Das Tor war zwar etwas glücklich, da man die direkte Aktion davor von Anthony Jung auch als Abseits hätte werten können. Aber insgesamt ging die Führung in Ordnung.

In der zweiten Hälfte muss man aber wirklich sagen, dass der rotweiße Prestige-Club aus Leipzig Glück hatte, das Spiel nicht noch zu verlieren. Die gesamte linke Abwehrseite war immer wieder löchrig wie ein Schweizer Käse. Fast alles konnte Benjamin Bellot im Tor korrigieren oder parieren. Einmal aber nicht. Anthony Jung, der auf der linken Abwehrseite völlig überfordert vom Heidenheimer Wittek stehen gelassen wurde und nur dem Ausgleichstreffer von ihm noch nachschauen konnte, war am gestrigen Abend etwas glücklos.

Der RB Leipzig war in der zweiten Halbzeit sehr oft zu spät, zu ungenau, zu unmotiviert. Trainer Alexander Zorniger war alles andere als zufrieden und schob vieles auf das kräftezehrende Spiel seiner Männer. Aber andererseits hat es der 1. FC Heidenheim auch sehr clever angestellt, sie haben sich ihre Kräfte besser eingeteilt, haben sich besser abgesprochen und haben viel probiert.

Man kann also zusammenfassen: Die erste Halbzeit geht an RB, die zweite an den FCH. Somit geht das 1:1 Unentschieden durchaus in Ordnung. Aber das eigentliche Ziel, nämlich den Verfolger Darmstadt 98 mehr auf Distanz zu halten, ist nicht erreicht worden. Die Hessen werden die Sachsen weiterhin vor sich hertreiben und am Ende vielleicht noch der lachende Dritte sein.

Es sind gerade einmal 3 Punkte Abstand zum Relegationsplatz, auf dem Darmstadt derzeit thront. Das ist nicht sehr viel für ein beruhigendes Polster. Und in die Relegation wird man nicht ernsthaft marschieren wollen. Denn da lauert nach derzeitigem Stand die SG Dynamo Dresden, mit der es sicherlich zu einigen Animositäten auf der Fanseite kommen könnte.

Das Spitzenspiel hatte im Großen und Ganzen den Charakter eines Spitzenspiels: Geballte Emotionen trafen auf viel Können. Beides auf beiden Seiten. Dazu war das Stadion rekordverdächtig gefüllt. Und es wurde in großen Strecken des Spiels um jeden Zentimeter erbittert gekämpft. Was es nicht brachte, war einen souveränen Gastgeber mit RB Leipzig, wenn die Kräfte nachlassen. Was es auch nicht brachte, war einen souverän agierenden Tabellenführer, der die zeitweilige Schwäche der Rotweißen eiskalt ausnutzt.

Jetzt gilt es, in den restlichen Spielen der Saison die Hinterbacken zusammenzukneifen, damit Darmstadt sich nicht doch noch erfolgreich am RB vorbei robben kann. Oder was meinen Sie?

Bildquelle: Altes Logo von RB Leipzig – (C) RB Leipzig e.V.

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3 Kommentare

  1. Also jetzt nichts gegen Leipzig im Allgemeinen oder Leipziger Fußball im Besonderen, aber Litfaßsäulen von Großkonzernen haben wir im Profifußball eigentlich genug. Es wird dem Fußball nicht guttun, wenn in einigern Jahren Volkswagen, Gazprom, T-Com, SAP und RedBull die Meisterschaft unter sich ausmachen. Einzige Motivation für die Vögel ist doch, möglichst mit Barcelona als Zugpferd sein Firmenlogo in der CL spazierenzutragen. Sobald die auch da unter sich sind, interessiert sich keiner mehr dafür. Was ist denn eigentlich aus dem VfB Leipzig geworden? War immerhin der erste dtm Meister.

    1. Also die Fußball-Infrastruktur in Leipzig war derart kaputt, das wäre ohne den Einsatz eines Großinvestors nie und nimmer aufzubauen gewesen. Das darf man nie vergessen, wenn man über Red Bull in Leipzig schimpft. Es mag richtig sein, dass man das kritisiert, aber man darf eben nie vergessen, wie hier im Jahr 2008 noch die Bedingungen waren: 2 marode, von der Pleite bedrohte Fußball-Vereine irgendwo im sportlichen Nirgendwo, die auch beide mit fragwürdig agierendem Fan-Potential zu tun haben / hatten. Man wollte beide nicht weiter oben sehen, damit nicht ganz Deutschland mitbekommt, was hier in Leipzig abgeht. Es musste etwas neues her. Klar, Red Bull war da nicht glücklich, aber wer hätte diese Mammut-Aufgabe denn sonst stemmen können?

      Und was mit dem „ersten deutschen Meister“ ist, kann ich dir genau sagen: Die Geschichte in Kurzform ist VfB Leipzig -> SG Probstheida > BSG Erich Zeigner -> SC Rotation > SC Leipzig -> Lok Leipzig -> VfB Leipzig -> Auflösung > Neugründung als Lok Leipzig 2003. Also Lok Leipzig, der Verein, der nahezu immer pleite ist, ist der Nachfolgerverein des VfB Leipzig. Der Verein spielt in der Regionalliga Nordost und hängt dicke im Abstiegskampf mit zu wenig Geld.

      1. Ich wollte eigentlich gar nicht schimpfen. RB ist halt irgendwie ein Extrembeispiel. Hätte Cottbus 500T-Einwohner und ein Stadion, dann wären die da hin, könnte man gleich noch in Polen mitvermarkten. Naja, das ist wohl der Lauf der Welt. Vielleicht normalisiert sich das Umfeld ja und es wird irgendwann tatsächlich was mit ein wenig lokaler Identifikation. Wäre halt schön, wenn da nicht der nächste Verein in Liga 1 kommt, der nur 150 Leute zum Auswärtsspiel mitbringt. Das ist schon irgendwie langweilig im Stadion…

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