RB Leipzig: Keine Mentalitätsmonster in Sicht

RB Leipzig hat ein Mentaliätsproblem. Das bekommt man als Außenstehender ziemlich gut mit. Und dazu bedarf es nicht einmal tiefgehender Analysen. Aber woher kommt denn dieses Problem? Das kannte man ja bisher nicht vom ehemaligen deutschen Vizemeister, der von seiner Form so weit entfernt ist wie die Sonne vom Mond. In allen Fächern, die der sächsische Klassenprimus belegen kann, schneidet RB Leipzig teils mehr als deutlich viel schlechter ab als in der letzten Saison. Warum ist das so? Und noch viel spannender: Wie kommt man dann wieder aus diesem Loch heraus?

RB Leipzig hat keine Top-Mannschaft

Wenn man RB Leipzig als Top-Mannschaft ansehen wollte, muss sich das Bundesliga-Team mit anderen Vereinen messen lassen. Wenn ich mir anschaue, was so bei anderen abgeht, kann ich nur sagen: Das ist doch niemals eine Top-Mannschaft, die da in Leipzig spielt. Das mag vielleicht den Einen oder Anderen verwundern, aber es ist meine Meinung. Vergleicht man die Bundesliga-Truppe aus Leipzig mit der aus München (denn das ist ja der Anspruch), dann fällt auf:

  • Die Mannschaft ist im Gegensatz zu den Bayern nicht geschlossen. Es bilden sich immer stärker die Grüppchen.
  • Nicht ein Mentalitätsmonster ist in Sicht. Die Bayern haben mit Hummels, Robben, Vidal und Müller gleich ein paar davon.
  • Die Bayern zwingen dem Gegner das System auf. RB Leipzig lässt sich diktieren.
  • Es gibt kein festes System. Hasenhüttl probiert im Gegensatz zu Heynckes immer wieder herum.
  • Der Kader ist viel dünner besetzt als bei den Bayern, Ausfälle können so nicht kompensiert werden.
  • Aus dem Nachwuchs kommt aufgrund der fehlenden Qualität nichts nach, wodurch eine Verbundenheit zum Verein hätte wachsen können.

Das Alles führt zu manchem merkwürdigen Verhalten bei der Bundesliga-Mannschaft. Man feiert zwar eigene Tor-Erfolge. Aber irgendwie dribbelt immer die Angst mit, dass ein Gegentor fallen könnte. Und sobald das fällt, ist es vorbei mit “Taramm tataramm, Hacke, Spitze, eins, zwei drei”. Da steht niemand auf dem Feld, der dann mal die Truppe antreiben könnte. Auch Kapitän Willi Orban bläst mit in das Trübsal-Horn, obwohl gerade er jetzt voran gehen müsste.

Mir kommen Spiele von RB Leipzig oft genug so vor wie: Wir werfen mal 10 Feldspieler und einen Torwart auf den Platz und gucken, was der Gegner daraus macht. Das klappte in den letzten Jahren eigentlich nur beim Nagelsmann’schen System in Hoffenheim. Und auch da nur bedingt und auch nur anfangs. Und wenn die gestandenen Profis Feuer unterm Hintern brauchen, dann muss denen auch mal ein “Jungspund” vor die Nase gesetzt werden. Von denen hat aber niemand auch nur halbwegs Qualität. Und deshalb hat RB Leipzig eben kein Top-Team.

Der Vizemeister ein Versehen?

Wenn wir uns das also so anschauen, dann kommen wir doch eigentlich zu dem Schluss, dass der 2. Platz in der Vorsaison eigentlich nur ein Versehen sein konnte. Aber war das wirklich der Fall? Ich meine, was RB Leipzig in der Debüt-Saison gespielt hatte, war unbekümmert und war auch zu schnell für viele Gegner. Von dem ehemaligen Überfall-Fußball und der gnadenlosen Abteilung Attacke ist nicht mehr viel übrig. Mittlerweile versucht man sich im Ballbesitz, spielt mit drei Spielgestaltern und baut immer wieder das defensive Mittelfeld um. Eine klare Linie ist das nicht wirklich.

Am vergangenen Wochenende konnte man sich auch wieder zusammen puzzlen, ob man ein Fünfer-Mittelfeld mit drei Spielgestaltern sieht oder ob mit viel Fantasie Lookman oder Bruma so etwas ähnliches wie eine hängende Spitze neben Augustin mimen sollten. Und die gesamte Mannschaft wirkt irgendwie immer mehr wie ein Flickenteppich. Das darf einfach nicht passieren, will man als Spitzenteam gelten. Teams wie Schalke 04 sind auch immer wieder auseinander gedriftet. Und speziell in Gelsenkirchen hörte das erst auf, nachdem Tedesco dort Trainer wurde.

Vizemeister wurde man nicht aus Versehen. Und sicher ist die zweite Bundesliga-Saison immer die schwierigste. Dass man als Zuschauer, Fan, Begeisterter aber das Gefühl nicht los wird, die Mannschaft weiß nicht, wohin die Reise geht, ist schon etwas verstörend. Man könnte meinen, das Team ist kein “Wir”, sondern mehr eine Ansammlung vieler individueller “Ichs”. Und das fehlende Wir-Gefühl ist es, was derzeit viel kaputt macht. Mich würde es nicht wundern, wenn das in den Zuständigkeitsbereich des Trainers fallen würde. Also kann man den auch mit verantwortlich machen.

Probleme gibt es viele

Eitel Sonnenschein ist schon länger nicht mehr bei RB Leipzig. Die Mannschaft gibt sich nicht wie ein Top-Team. Und sie spielt auch nicht wie ein Top-Team. Immer lauter wird das Aufrufen einer handfesten Krise. Und irgendwie meine ich, auch schon eine Trainer-Diskussion als zartes Pflänzchen wachsen zu sehen. Es ist nun einmal so, dass neben der Mentalität und des Wir-Gefühls eben auch die zündende Spielidee aus der letzten Saison fehlt. Das Alles sorgt dann dafür, dass Führungen nicht erfolgreich ins Ziel gebracht werden und Spiele sogar nach Führungen noch verloren gehen.

Man kann diese Probleme weiter klein reden. Aber dann muss man sich eben auch mit Platz 10 oder so zufrieden geben. Der Anspruch von RB Leipzig jedoch ist ein viel höherer. Man möchte in absehbarer Zeit den deutschen Meister vom Baum der Versuchung ernten. Mit so einer zerrissenen Mannschaft ist das allerdings nur noch schwer vorstellbar. München, Dortmund, Schalke und Frankfurt stehen nicht umsonst dort, wo sie jetzt stehen. Denn dort stimmt die Mentalität und der Zusammenhalt eben wesentlich besser als in Leipzig. Und das muss man eben konsequent angehen.

Leider klappt es momentan auch nicht so wirklich, dass von der Vereinsführung her Ruhe reinkommt. Man setzt sich einem öffentlichen Diskurs aus, den man vermeiden könnte. Schon wird wieder über eine Tuchel-Immobilie im Raum Leipzig diskutiert. Die Unzufriedenheit ist enorm hoch bei der Gefolgschaft, was sich dann darin äußert, dass tausende Plätze in der sonst zu kleinen Red Bull Arena inzwischen leer bleiben. Der Club muss aufpassen, dass man sich nicht verzettelt. Und bei der Mentalität fängt das Alles schon mal an.

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