RB Leipzig Krise – Oder: Fährnisse im Sport

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Da schreibt der Uhle kaum noch über den Club, und dann kommt der gleich mal mit einer merkwürdigen RB Leipzig Krise um die Ecke. Geht’s dem denn noch ganz gut? Wir haben nun Spieltag 9 der Bundesliga hinter uns gelassen, und da darf man schon mal schauen, was das nun mit Trainer Nagelsmann und der erneuerten Truppe so ist. Ich muss das einfach mal aufschreiben, was ich so denke.

Ist wirklich bei RB Leipzig Krise angesagt?

Ob die internationalen Plätze – also die Futtertröge des professionellen Ballsports – erreicht werden können, ist nicht ganz klar. Dabei fing alles so vielversprechend am Cottaweg an. Nach 10 Jahren nach Vereinsgründung hat man sich neu erfunden. Mit Markus Krösche gewann man einen neuen Sportdirektor. Und Julian Nagelsmann wurde Trainer.

Und irgendwie sah das auch ganz gut aus. Man verpflichtete gute Spieler, u.a. Christopher Nkunku von Paris St. Germain, Wunschspieler und Heilsbringer Ademola Lookman vom FC Everton oder Hannes Wolf vom FC Red Bull Salzburg. Aber letzterer ist zum Beispiel verletzt. Und “Lookie” Lookman kommt nicht wirklich zum Zug. Noch dazu hat Nagelsmann angefangen, ein neues Spielverständnis zu etablieren.

Und das macht der Mannschaft immer mehr zu schaffen. Statt des überfallartigen Hurra-Fußballs setzt der junge Trainer auf Ballbesitz. Dazu muss man aber auch den Ball besitzen können. Nicht wie am Samstag, als Diego Demme sich in Schuljungen-Manier den Ball wegnehmen ließ. Da waren andere die Kaputtmacher, nicht der kleine Herforder.

Ballbesitz kannst du doch eigentlich nur durchsetzen, wenn du das entsprechende Personal im Mittelfeld hast. Nur sind mir Demme, Haidara, Forsberg und Sabitzer nicht als Spieler bekannt, die Ballbesitz leben. Ist das dann aber eine RB Leipzig Krise? Ich bin mir da nicht so ganz sicher.

Es ist doch noch alles gut soweit

Nach 9 Spieltagen hat das Team von Julian Nagelsmann 15 Punkte auf dem Konto. Und in der Champions League stehen sie an der Tabellenspitze in einer Gruppe mit Olympique Lyon, Zenit St. Petersburg und Benfica Lissabon. Insofern darf man schon mal sagen, dass man da auf verdammt hohem Niveau jammert. Aber es ist eben auch gefährlich.

Ich war am 08. Spieltag in der Red Bull Arena, als der Club VfL Wolfsburg empfing. Obwohl Deniz Aytekin einige nicht ganz nachvollziehbare Entscheidungen traf, war es doch der VW-Club aus Niedersachsen, der bestimmt eine ganze Halbzeit lang das Spiel dominierte. Ich würde sagen, dass lediglich die halbe Stunde zwischen 1:0 und 1:1 von RB Leipzig geprägt war.

Und das ist irgendwie zu wenig. Beim Auswärtsspiel in Freiburg jedoch fand die komplette RB Leipzig Krise statt. Luftleer, orientierungslos, ziellos war das, was da im Breisgau ablief. Sinnbildlich – ich erwähnte es bereits – dafür steht der lächerliche Ballverlust von Diego Demme vor dem 2:0. Es ist noch alles gut, aber bei dem Spiel zeigt sich die Fragilität der Situation.

Man sah auch, dass die Stimmung in der Mannschaft einigermaßen gereizt gewesen sein musste. Man brachte sich lieber gegenseitig die Flötentöne bei, statt nach einer Lösung zu suchen. Und das ist wohl immer schon die RB Leipzig Krise gewesen: Wenn es mal nicht läuft, fällt das Kartenhaus komplett in sich zusammen.

Hätte es denn Lösungen gegeben?

Wie oft hieß es in der Vergangenheit, dass man mehr auf den Nachwuchs bauen will? Ich kann mich gut an Ausraster des – inzwischen – früheren Trainers und Sportdirektors Rangnick erinnern, der mehr Engagement vom Nachwuchs verlangt hatte. Und was ist passiert? Nichts. Ich kann mich an 5 Pflichtspiel-Minuten eines Nachwuchsspielers erinnern.

Erik Majetschak hatte meiner Meinung nach die Möglichkeit, in Leipzig so etwas wie ein zweiter Kai Havertz werden zu können. Beide zentrales Mittelfeld, beide in der Jugend groß geworden, beide Sinnbild für einen neuen Anstrich. In Leipzig hat man wie so oft die Chance nicht genutzt. In Aue, wo der Bad Lausicker jetzt spielt, bekommt er seine Chance.

Und diese Majetschak-Nummer steht wie so vieles stellvertretend für die unterschwellig immer lodernde RB Leipzig Krise. Man will doch der Liga und dem Profi-Fußball Feuer unter den Arsch machen. Dann braucht man doch auch Mut. Wenn offensiv nichts geht wie in Freiburg, wieso dann nicht defensiv stabilisieren und meinetwegen Stefan Ilsanker bringen?

Was mich an der ganzen Aufstellung der Mannschaft so extrem stört, ist der fehlende Wille zu einem stabilen defensiven Mittelfeld. Die “6” war ja schon mal ein Problem. Und als Naby Keita den Club verließ und Kevin Kampl kam, rieb man sich auch erstmal die Augen. Das hat aber funktioniert. Ob das mit Haidara auch so gut klappen kann, hinterlässt bei mir zumindest leise Zweifel.

Ja, es hätte Lösungen gegeben, um in Freiburg Sicherheit ins Spiel zu bringen, nämlich Ilsanker. Und für die Variabilität im Mittelfeld hätte es auch Lösungen gegeben, indem man sich mehr um Majetschak bemüht hätte. So wirkt doch das zentrale und defensive Mittelfeld ziemlich dünn. Vor allem jetzt, da Kevin Kampl auch mal krank ist.

Der Trainer erreicht die Mannschaft nicht mehr!!1!

Also mindestens gegen Wolfsburg und gegen Freiburg war das nix. Wenn man diese beiden Spiele exklusiv betrachtet, könnte man denken, Julian Nagelsmann wäre dann doch der falsche Trainer inmitten der größten RB Leipzig Krise der Weltgeschichte. Es gab allerdings auch ein unbedeutendes Details: Dazwischen kam Zenit St. Petersburg in der Champions League.

Man war dominanter als die Russen, spielte sicherer die Pässe und hatte deutliche Überhand beim Ballbesitz. Warte mal, Ballbesitz und RB Leipzig geht auch in erfolgreich? Ja, und wie. Mit einem komplett anderen defensiven Mittelfeld. Statt Haidara und Demme spielten da Konrad Laimer und Kevin Kampl. Und das funktionierte. Trotz Rückstand.

Man kann also keineswegs behaupten, dass Trainer Nagelsmann die Mannschaft nicht erreichen würde. Ich denke aber, dass gerade im enorm wichtigen defensiven Mittelfeld aufgepasst werden muss, wer da mit wem zusammen spielt. Vor allem bei einem so flexiblen Gegner wie es der SC Freiburg am Samstag war.

Meiner Meinung nach hat sich zwar Nagelsmann vercoacht und hätte auf eine echte 3/5-Kette mit Ilsanker in der Mitte setzen sollen, wenn er schon ein labiles Mittelfeld hat. Zumindest hätte er aber mal etwas wagen können. Deshalb ist er aber noch lange nicht die falsche Wahl für den Posten. Das Gespann Krösche – Nagelsmann – Krauß funktioniert für mich.

Mund abputzen

Jetzt gilt es, den Mund abzuputzen. Denn am Mittwoch ist schon wieder der VfL Wolfsburg der Gegner. In der Volkswagen-Arena geht es im DFB-Pokal zur Sache. Das ist immer eine andere Nummer als Bundesliga. Und wer weiß, vielleicht sollte man einfach mal dem einen oder anderen überdrehten Spieler eine Pause gönnen.

Es ist eine verrückte Idee, aber wieso sollte man nicht mal Ethan Ampadu einsetzen? Und muss immer Peter Gulacsi im Tor stehen? Wie ich oben meinte: Julian Nagelsmann darf sich gern mal was trauen. Ja, ich weiß, gegen so eine Mannschaft wie Wolfsburg einen unerfahrenen Innenverteidiger wie Ampadu zu bringen, ist Unsinn. Darüber nachdenken sollte man aber schon.

Mir hat anhand der Fernsehbilder am Samstag und anhand meiner eigenen Beobachtung gegen Wolfsburg gewaltig die Spielfreude und die positive Energie gefehlt. Und das ist sehr wohl die Aufgabe des Trainerstabs und der Betreuer. Und die müssen sich dann einfach auch mal verrückten Ideen öffnen, wenn so ein bisschen der Wurm drin ist.

Das ist ja alles nicht schlimm. Man hat 15 Punkte. In der letzten Saison hatte man 1 Punkt mehr. Man war 5., jetzt halt nicht ganz. Das liegt aber auch daran, weil die Mannschaften eng beieinander liegen. Das Problem ist daher eher ein mentales. Darum helfen vielleicht ein paar verrückte Ideen, um der RB Leipzig Krise zu begegnen. Aber was weiß ich schon?

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