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Eine Dose Red Bull für Die Roten Bullen - (C) noelsch CC0 via Pixabay.de Eine Dose Red Bull für Die Roten Bullen - (C) noelsch CC0 via Pixabay.de

RB Leipzig nach dem Spiel gegen den SV Sandhausen

In Leipzig wurde der RB Leipzig am Freitag brutalsmöglich auf den Boden der Tatsachen geholt. Der Aufstieg ist vorbei. Der Trainer auch? Es wurden schon die eigenwilligsten Kommentare dazu abgegeben. Coach Achim Beierlorzer wäre nun für den RB Leipzig erledigt. Man wolle jetzt eine große Lösung. Und so weiter und so fort. Die Frage ist, ob so eine Diskussion denn sein muss, so kurz vor dem Abschluss der ersten Zweitliga-Saison in der Geschichte des Vereins zu einem Zeitpunkt, an dem es sowieso nur um die goldene Ananas geht.

Ja, RB Leipzig hat verloren. Am Freitag schepperte es die höchste Zweitliga-Niederlage dieser Saison für den Verein. 0:4 verlor die Elf von Achim Beierlorzer vor knapp 19000 Zuschauern gegen den kleinen Club aus der Kurpfalz, den SV Sandhausen. Das ist der Verein aus dem Dorf südlich von Heidelberg, der 2005 nach Plänen von Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp und unter freudiger Erwartung der Deutschen Fußball-Liga mit dem FC Walldorf Astoria und der TSG 1899 Hoffenheim zum FC Kurpfalz Heidelberg fusionieren sollte. Alle drei Vereine werden mehr oder minder stark von Hopps SAP gefördert.

Jedenfalls kam der kleine Dorfclub – ohne jemandem zu nahe treten zu wollen – in die große Stadt Leipzig zum von Red Bull geförderten RB Leipzig. Und sie wollten zeigen, dass große Namen nicht bedeuten, dass man große Siege einfährt. Man ist ja in der Kurpfalz in der beneidenswerten Situation, dass man niemandem etwas beweisen muss: Man unterstellt dem Verein gern geringe Möglichkeiten, was bei dem Hintergrund rund um Dietmar Hopp nicht ganz stimmen kann. Und in der zweiten Bundesliga steht man irgendwo im Nirgendwo im Mittelfeld. RB Leipzig hingegen gilt als die Enttäuschung der Saison schlechthin, und man stand unter Druck, doch noch irgendwie in das Aufstiegsrennen eingreifen zu können.

Gerade nach der Niederlage gegen den Hamburger Kiezclub FC St. Pauli hatten viele auch eine Art Aufbäumen von den Leipzigern erwartet. Und vor dieser Erwartungshaltung waren viele der Meinung, dass der „große“ RB Leipzig den „kleinen“ SV Sandhausen locker in die Tasche stecken würde. Ich glaube zwar nicht, dass diese Haltung bei der Mannschaft vorherrschte. Aber irgendwie haben die Heidelberger Vorort-Kicker den Großstadt-Fußballern mal gezeigt, wo der Hammer hängt. Und der Rotebrauseblogger hat dazu den Kommentar geäußert, der den Spielverlauf in aller Kürze so wiedergibt, er sich vielen darstellte:

Erwartet wurde deshalb eine Mannschaft, die ohne Druck noch mal Wiedergutmachung leisten will und gegen Sandhausen gewinnt bzw. zumindest ein gutes Spiel abliefert. Heraus kam vor knapp 19.000 Zuschauern eine historische Heimpleite, bei der RB Leipzig im Spielverlauf in alle Einzelteile zerfiel und auch in der Höhe durchaus verdient verlor.

Das Einzige, was man RB Leipzig als Entschuldigung durchgehen lassen könnte, wäre die Tatsache, dass Achim Beierlorzer die Mannschaft umbauen musste. Hallligalli-Torwart Coltorti verletzt, Abwehrchef Sebastian gesperrt, Teigl und Rodnei ebenfalls verletzt. Somit hatte Beierlorzer nur eine Rumpf-Abwehr zur Verfügung, die dann auch noch während der ersten Halbzeit umgebaut werden musste. Offensiv hingegen hatte man die volle Kapelle. Und vielleicht war die Devise, vor eins mehr zu schießen als hinten zu fangen. Dazu müssen aber die vielen offensiven Kräfte ja auch mal treffen.

Ballverteiler im offensiven Mittelfeld war Joshua Kimmich, der sonst immer den Ballverteiler im defensiven Mittelfeld spielt. Mit dem Wechsel der Position kam er schlecht bis überhaupt nicht zurecht. Und bei einer so zentralen Position ist das schon spielentscheidend. So ging es aber vielen RB-Spielern in diesem denkwürdigen Spiel. Letztlich spielte so gut wie niemand auf Normalniveau. Ob es nun das Pressing war oder der Spielaufbau, der Spielwitz oder die Abwehr – was den RB Leipzig sonst auszeichnet, fand fast generell nicht statt. Man kann sagen, dass dieses Spiel eins der schlechtesten Spiele der Vereinsgeschichte war.

Welche Konsequenzen zieht man denn nun daraus? In den sozialen Netzwerken wurden sofort Personaldiskussionen gefochten. Klar, in den restlichen zwei Spielen geht es um nichts mehr, wie auch schon in den zwei Spielen davor. Und deshalb denkt man schon an die nächste Saison. Es hieß zum Spiel, dass dies das Abdankungsschreiben von Beierlorzer war. Es hieß als Aufarbeitung, dass man gefühlt zweidrittel der Mannschaft abstoßen müsste, damit das in der nächsten Saison nicht nochmal passiert.

Nun ja, problematisch ist, dass man die gesamte Saison nun infrage stellt. Ja, ein „Es war nicht alles schlecht“ ist zwar richtig, aber unsinnig an der Stelle. Es kann sein, dass die Mannschaft am Freitag wirklich nur einen gebrauchten Tag erwischte. Die gesamte Saison war aber zu bemerken, dass die Konstanz fehlte. Mal ein gutes Spiel, mal ein so-lala-Spiel, mal ein mieses Spiel. Das bringt mich auf den Gedanken, dass vielleicht die Chemie in der Mannschaft nicht stimmt. Denn die Leistung und das Können kann ja niemand infrage stellen.

Wiegt es möglicherweise doch schwerer, dass Kapitän Daniel Frahn so von der Vereinsführung weggemobbt wurde? Wiegt es möglicherweise doch schwerer, dass Sportdirektor Rangnick Aufstiegsdruck aufbaute? Wiegt es möglicherweise doch schwerer, dass man U23 und U19 weniger einspannte? Wer weiß, vielleicht war es niemandem von den Spielern klar, wie hart es für das deutsche Hassobjekt Nummer 1 in der „besten zweiten Liga der Welt“ werden würde. Wenn dann noch Druck aufgebaut wird und aus dem Nachwuchs kein Zufluss stattfindet, können sich Spieler vielleicht auch allein gelassen vorkommen.

Damit hat aber im Nachhinein Alexander Zorniger weiterhin Recht: Der hatte immer davor gewarnt, das Aufstiegsgespenst umgehen zu lassen. In der zweiten Bundesliga ankommen – das wollte er. Ein „linientreuer“ Trainer wie Beierlorzer hat stattdessen nur das ausgeführt, was Rangnick per Dekret erlassen hatte. Damit wurde vielleicht sogar der Mannschaft geschadet. Das heißt nicht, dass nun Beierlorzer kein guter Trainer ist. Aber Zorniger war nun mal ein anderer Mensch, der sich wohl auch mit Rangnick in den verbalen Boxkampf begab. Wer weiß, vielleicht ist ja das Problem weder die Mannschaft noch der Trainer. Vielleicht ist ja der Sportdirektor das Problem.

Sei es drum. Wie es mit  RB Leipzig letztlich weitergeht, hat nur untergeordnet etwas mit dem Spiel am Freitag zu tun. Der SV Sandhausen hat freilich dem RB Leipzig die Grenzen aufgezeigt. Aber letztlich ist es doch irgendwie ein instabiles Gefüge bei den „Roten Bullen“. Hier sollte man sich Gedanken machen. Und da bin ich eher dafür, dass dem Trainer ganz klar und in aller Öffentlichkeit der Rücken gestärkt wird und er die Chance bekommt, die Mannschaft für die nächsten 1, 2, 3 Jahre zu entwickeln. Und zwar ohne Druck. Dann kommen die Erfolgserlebnisse, die man sich wünscht, von ganz allein.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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