RB Leipzig und der Schaum vorm Mund

Gestern fand etwas unglaubliches rund um den ambitionierten RB Leipzig statt. Dietrich Mateschitz, Milliardär und mit Red Bull Mäzen von RB Leipzig, wurde von der Leipziger Volkszeitung exklusiv zur Deutschen Fußball-Liga befragt. Die hatte nämlich den Einspruch von RB Leipzig gegen Lizenz-Auflagen abgelehnt.

Da die LVZ mit dem Interview exklusiv unterwegs ist, findet man es derzeit nur auszugsweise im Internet. Ich weise darauf hin, dass mir die Zeitung mit dem vollständigen Interview derzeit nicht vorliegt. Ich stütze mich bei meinem folgenden Text auf Auszüge, die ich vorliegen habe, und auf eine Einschätzung vom Rotebrauseblogger.

Wie bekannt ist, gab es Auflagen der Deutschen Fußball-Liga, die der RB Leipzig zur endgültigen Erteilung der Lizenz für die 2. Bundesliga zu erfüllen hat. Einmal handelt es sich um eine ominöse Logo-Anpassung, zu der es ausschweifende Kommentare gibt, warum diese Forderung unsinnig ist. Zum zweiten handelt es sich um die Anzahl der Mitglieder im Verein, die laut DFL-Regeln größer 7 sein muss und bei RB Leipzig 9 ist. Und es handelt sich um die Mitgliedsbeiträge, die beim Verein tatsächlich unglaublich hoch sind, was aber laut Regelwerk völlig in Ordnung ist.

Der Verein hat erwartungsgemäß dagegen widersprochen, und gestern soll nun Post gekommen sein, dass dieser Widerspruch abgewiesen wurde. Und das brachte Dietrich Mateschitz derart auf die Palme, dass er in einem Interview mit der LVZ tollwütig und mit Schaum vorm Mund und hufescharrend drauflos geschimpft hat. Das ist taktisch unklug, das ist alles andere als clever, das bringt nur die Widersacher des Vereins auf den Plan.

Angeblich verlangt man von Red Bull nun, völlig auf das Mitspracherecht im Verein zu verzichten. Dies würde ja darauf hindeuten, dass der komplette Vorstand, bestehend aus Red Bull Mitarbeitern, ausgetauscht werden müsste. Das ist eine durch nichts zu begründende Forderung der Deutschen Fußball-Liga. Mateschitz lehnt dies natürlich ab. Er wirft im Interview der DFL Unsittlichkeit vor. Dass das Vorgehen von Red Bull das für ihn einzig richtige ist, zeigt dabei sein Vergleich mit dem Red Bull Racing Team. Ich weiß nicht, aber irgendwie sind das ja doch ein paar verschiedene Schuhe, oder liege ich da falsch?

Die Ablehnung des Widerspruchs brachte Mateschitz auf die Idee, offen vom „Aus“ für RB Leipzig zu reden. Und das, obwohl es gerade sportlich so gut läuft und auch der Verein in der Stadt angenommen wird. Und falls mich jemand gerade für den zweiten Aspekt auslachen möchte, dem sei gesagt: Wieso wohl kamen zum letzten Heimspiel 43000 Leute ins Stadion? Und kommen Sie mir bitte nicht mit dem unsinnigen Märchen mit den Freikarten.

Recht hat Mateschitz aber mit der bevorstehenden oder bereits begonnenen Kaderplanung. Dieses Hin und Her zwischen RB Leipzig und DFL gefährdet die komplette Planung. Nichts kann vorwärts gehen. Sollte keine Lizenz gewährt werden, würde ein weiteres Jahr 3. Liga drohen, was Mateschitz mit seinem Red Bull nicht mitmachen würde. Das stimmt schon, aber das ist ja nun nicht zwingend das Problem der DFL.

Wie lange gab es die Warnungen, dass es schwierig mit der Lizenz werden könnte? Die Debatten dazu gab es doch die gesamte Saison immer wieder. Und immer wieder hat man gesagt, dass RB Leipzig Anpassungen im Verein vornehmen muss. Man hat in meinen Augen etwas sehr lang gewartet. Die DFL ist nun einmal eine wüste Ansammlung von Funktionären, bei der nichts ohne Beziehungen läuft. Dort sind Leute im Amt, denen man auch zumindest eine gewisse Nähe zu Sponsoren und Investoren nachsagen kann. Vielleicht wollen die einfach nicht, dass die Investoren von RB Leipzig dort ein Mitspracherecht haben. Das ist reine Spekulation, aber wohl nicht ganz abwegig.

In einem Interview des MDR während des Spiels gegen Saarbrücken hatte Sportdirektor Ralf Rangnick das einzig Sinnvolle zur Thematik gesagt, als er meinte, dass die Lizenz-Geschichte intern bei den richtigen Leuten in guten Händen wäre. Und er hatte gesagt, wenn ich mich recht erinnere, dass trotz vereinsinterner Arbeiten ein Einspruch / Widerspruch der DFL zugesandt wurde. Wer weiß, vielleicht sind da wirklich gerade diverse Dinge im Gange, von denen auch ein Dietrich Mateschitz nichts weiß?

Jedenfalls hat sich der Red Bull Oberhäuptling denkbar ungeschickt aufgeführt. In der DFL sitzen Menschen. Und wenn man sich denen gegenüber über Dritte im Ton vergreift, könnten die sich dann eben auch stur stellen. Natürlich ist das Blödsinn, was die DFL aktuell fordert. Denn kein Sponsor in einem Fußball-Verein hält sich völlig aus den Geschicken raus. Ich meine jetzt Hauptsponsoren. Oder glauben Sie, dass sich Gazprom bei Schalke 04 aus Vereinsangelegenheiten völlig heraushält? Dass Telekom und Allianz bei den Bayern kein Mitspracherecht haben? Zudem ich nicht glaube, dass in den DFL-Regeln hierzu irgendwas zu finden ist.

Es geht bei diesem Zickenkrieg zwischen RB Leipzig und der Deutschen Fußball-Liga eigentlich nur um „formales Trallala“, wie es der Rotebrauseblogger in einer brillanten Analyse genannt hat. Der Wutausbruch von Mateschitz liest sich ganz stark nach der Das-Tischtuch-ist-zerschnitten-Sprecherei, der dann doch im Normalfall nicht wirklich etwas endgültiges folgt. Aber gerade in dieser Zeit der Lizenzverhandlungen etc. ist ein solcher Wutausbruch denkbar ungünstig.

Ich hatte auch am Anfang meine Bauchschmerzen ob des Engagements von Red Bull in Leipzig. Mir wäre ein „normaler“ Sponsor auch lieber gewesen als ein Investor. Aber in den sportlichen Sphären, in denen der RB Leipzig sich anschickt mitzuspielen, kann man wohl bei kaum einem Sponsor-Verein-Verhältnis von „normalem“ Sponsoring reden. Wenn die DFL nun bei RB Leipzig einen solchen Tanz aufführt, dann dürften in meinen Augen auch die Hannover 96 GmbH & Co. KGaAA, die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaAA, die TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH, die FC Bayern München AG, die FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH oder die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA von dem Tanz nicht verschont werden.

Ich denke, unterm Strich zielt es die DFL auf die 50+1-Regel ab. Ich sehe mal davon ab, dass die bei einem eingetragenen Verein, der der RB Leipzig e.V. nun einmal ist, gar nicht zutrifft. Man gaukelt der Welt vor, dass die DFL des Sports wegen so herum eiert. Aber eigentlich dürfte der DFL die Abschaffung der 50+1-Regel zupass kommen. Man eiert mit dem Begriff Mitspracherecht herum, doch eigentlich will man sich nur mit Red Bull darüber streiten, wer die dicksten Eier hat. Etwas anderes ist das Ganze in meinen Augen nicht.

Wie geht das nun weiter? Ich möchte eigentlich den Begriff Affentheater vermeiden (oh, jetzt habe ich ihn gebraucht), aber genau dieses wird noch ein wenig weitergehen. Bei RB Leipzig werden sie ein wenig anpassen (vielleicht kommt ja auch sowas wie mein Vorschlag mit der Integration des Stadtwappens im Vereinslogo zum Tragen), und bei der DFL wird man es dann gut sein lassen. Es hat auf beiden Seiten niemand wirkliches Interesse an einer juristischen Auseinandersetzung. Zumal beide Schaden nehmen würden: Der RB Leipzig, weil komplett alles an Planung zum Teufel gehen würde. Die Deutsche Fußball-Liga, weil sie dann zugeben müssten, dass die eigenen Regeln löchrig wie ein Schweizer Käse sind.

Insofern ist der Wutausbruch von Mateschitz entweder großes und eher unprofessionelles Zampano-Gehabe oder ein Querschläger gegen den eigenen Verein. Lesen Sie einfach mal die Auszüge aus dem Interview bei den RB-Fans. Und dann schauen Sie mal, was der Rotebrauseblogger daraus ableitet. Und dann überlegen wir mal, ob denn das Wort „Aus“ wirklich kommt.

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2 Kommentare

  1. Pingback: Presse 08.05.2014 | RB Leipzig News - rotebrauseblogger

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