RB Leipzig und die leeren Dosen

Jetzt faselt der Uhle in Bezug auf RB Leipzig auch schon von „Dosen“. Ja, das muss ich machen. Es geht einfach nicht anders. Denn das, was die Truppe von Trainer Ralph Hasenhüttl derzeit abliefert, ist erste Sahne dafür geeignet, richtig über die Mannschaft herzuziehen. Und ich mache mir da überhaupt keinen Kopf weiter. RB Leipzig – also deren Bundesliga-Profis – haben ein Problem: Sich selbst. Und das ist dann mein Thema im Abwasch der Woche.

Die leeren Dosen von RB Leipzig

Ralph Hasenhüttl hatte scheinbar ein funktionierendes System. Aber man muss sich schon mal fragen, wo das denn hin ist. Es wird immer experimenteller, was da die Dosen-Truppe abliefert. Man traut sich vor Spielen derzeit gar nicht, die Aufstellung in Augenschein zu nehmen, weil man nicht weiß, womit man nun wieder überrascht wird. Vermutlich geht es der Mannschaft genau so. Denn irgendwie ist sie komplett von der Rolle. Damit spiele ich nicht mal nur auf die gestrige 2:5-Klatsche zuhause gegen die TSG Hoffenheim an.

Es ist das gesamte Auftreten. Das Team war eigentlich immer am besten, wenn man aus einer geordneten Abwehr heraus, die den Laden hinten dich hält, nach vorn richtig Alarm machen konnte. Was zum Kuckuck sollen denn die Angreifer machen, wenn die Abwehr mehr oder weniger komplett im Harakiri-Modus ist? Bei drei Pflichtspielen mehr als ein Dutzend Gegentore einzusammeln, hat nichts mit Abwehr zu tun. Das berühmte „Spiel gegen den Ball“ findet derzeit erkennbar nicht statt. Eine der Grundtugenden von RB Leipzig.

Woran liegt das? Ich meine, im Moment steht das Team auf Platz 6 der Tabelle. Das bedeutet Europa League. In dem Wettbewerb hat sich RB Leipzig gar nicht schlecht geschlagen. Bis zum Spiel gegen Marseille. Das ist eins der drei genannten Spiele. Davor war das Spiel gegen Bayer Leverkusen, was man 1:4 verlor, und in Bremen, was unentschieden ausging. Und nun Hoffenheim. Aus den Spielen gegen Leverkusen, Bremen, Marseille und Hoffenheim erbeutete man ein Torverhältnis von 6:15. Das ist indiskutabel.

Augenmerk auf das Saisonende

Sicher kann man gegen starke Leverkusener und Hoffenheimer verlieren. Natürlich gibt es im Viertelfinale der Europa League keine schwachen Gegner mehr. Und auch Werder Bremen ist kein Schlachtvieh, das man einfach so im Vorbeigehen mitnimmt. Es geht aber um die Art und Weise, wie die Mannschaft die Spiele absolviert hatte. Es ist wie zum Ende der Hinserie, als man eklatante Abwehrfehler machte und mit Standards weder in deren Ausführung noch in deren Abwehr irgendwas sinnvolles anfangen konnte.

Nun hat Sportdirektor Ralf Rangnick die Reißleine gezogen. Wie in der Winterpause, als das Embalo-Desaster in Admola Lookman gipfelte. Na gut, es ist schon ein wenig anders. In Aussicht stehende Vertragsgespräche mit Trainer Hasenhüttl, mit Timo Werner und anderen sind erstmal ausgesetzt. Jetzt liegt das Augenmerk erstmal darauf, ein anständiges Saisonende hinzulegen. Das bedeutet, dass man in den restlichen drei Spielen nicht nur Niederlagen einfahren will. So niedrig sind die Erwartungen mittlerweile.

Gestern schickte Ralph Hasenhüttl eine 4-2-3-1-Formation aufs Spielfeld. Ballbesitz war angesagt. Aber das defensive Mittelfeld war mit Diego Demme und Stefan Ilsanker eben nicht spielstark genug aufgestellt. Vor allem gegen den Ball passierte zu wenig, als dass man den Ball „besitzen“ konnte. Man eroberte zu wenig. Und solche Dinge passieren Ralph Hasenhüttl in letzter Zeit zu viele. Gestern wurde auf Twitter gar dazu diskutiert, dass der Österreicher vielleicht sogar eine Freigabe erzwingen will. Und ich sehe das nicht anders.

Muss sich RB Leipzig nun neu erfinden?

Das ist ja auch so etwas, was da schnell diskutiert wird. Gestern las ich irgendwo den Kommentar, dass RB Leipzig in Person von Oliver Mintzlaff ein Machtwort sprechen solle und ggf. Ralph Hasenhüttl und die halbe Mannschaft mindestens beurlauben solle. Das Ganze gipfelte darin, dass man gar die ganze Mannschaft rausschmeißen solle und die gesamte sportliche Leitung gleich mit. Ich halte das für übertrieben. Man kann ja nun nicht gleich alles infrage stellen, nur weil es momentan mal wieder nicht läuft.

Problematisch allerdings ist, dass man durchaus den Eindruck gewinnen kann, dass das Trainerteam die Mannschaft nicht mehr erreicht. Man steht auf keinem Abstiegsplatz. Aber Platz 6 ist für die Ambitionen des Clubs einfach auch zu wenig. Vor allem, wenn man sieht, wie die letzten Spiele gelaufen sind. Man muss sich wieder einnorden. Nun geht es zum 1. FSV Mainz 05, der ums Überleben kämpft. Dann kommt der VfL Wolfsburg, dem es so geht wie den Rheinhessen. Und zum letzten Spiel geht es zu Hertha BSC, die noch eine kleine Hoffnung auf Europa haben. Das sind die Wochen der Wahrheit für Ralph Hasenhüttl.

Am Ende wird mit diesen Spielen über die Zukunft des Österreichers entschieden. Und wer weiß, vielleicht holt ja Ralf Rangnick tatsächlich den Stahlbesen raus und kehrt einmal durch. Vielleicht muss ja auch er einmal die Strategie überdenken, dass das Allheilmittel ein schmaler, extrem junger Kader sein soll. Und ich bin immernoch der Meinung, dass so ein Mentalitätsmonster wie Kevin Prince Boateng einfach mal fehlt. Es gibt also viel zu tun, will man die Saison mit Anstand zu Ende bringen.

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2 Kommentare

  1. Hallo Henning, ich teile deine Meinung zu 100%, erreicht der Trainer noch die Mannschaft? Vielleicht ist auch die Wohlfühloase RB mit schuld, viele Leistungsträger aus der Vergangenen Saison haben nicht ihre Leistungen abgerufenen. RB hat als Unternehmen ganz andere Ziele und die werden auch durchgesetzt. Wo ich Probleme sehe ist z.B.die Torwartposition. Warum läßt man den Zweiten nicht mal ran.

    1. Hallo Jens-Dieter,

      da ist viel richtiges dran. Es ist auch kein Wunder, dass der Mvogo wieder weg will. Der will in der Nationalmannschaft eine Rolle spielen. das kann er aber nicht als Bankdrücker im Verein. Alles in allem schon ein wenig seltsam, was da derzeit passiert.

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