RB Leipzig und die Stolpersteine

Der Aufstieg in die 2. Bundesliga steht für den rotweißen Club aus der Messestadt unmittelbar bevor. Der ganze Verein, der Investor Red Bull und gefühlt die halbe Region freut sich diebisch darüber. Aber noch ist nichts in trockenen Tüchern. Es gibt so diverse Stolpersteine, die da im Weg liegen. Und über die muss ich ein paar Worte verlieren.

Sportlich kann man RB Leipzig keinerlei Vorwurf machen. Als Aufsteiger letztendlich unter den ersten 3 der dritten Liga zu landen, ist aller Ehren wert. Und egal, was man dem Club alles so vorwirft, sie bleiben einfach nur Aufsteiger. Insofern ist das schon ein glänzendes Ergebnis.

Sie können sich in den Reihen von RB Leipzig nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen. Mindestens Platz 3 wird es sein, was am Ende zu Buche steht. Wobei dann dieser ominöse Platz 3 bei der jetzigen Ausgangslage eine unmögliche Konstellation wäre. Denn eine Relegation – im schlimmsten Fall gegen die SG Dynamo Dresden – will man in Leipzig eigentlich vermeiden. Aber ehrlich, dazu muss man am Cottaweg den Finger ziehen und dann am Wochenende an der Ostsee gegen Hansa Rostock klare Kante zeigen.

Und genau das könnte so ein Stolperstein werden. Es ist nun einmal so, dass die Rostocker, für die es im tabellarischen Niemandsland der 3. Liga faktisch um gar nichts mehr geht, diese Saison trotzdem vernünftig zu Ende spielen wollen. Und was gäbe es da besseres als ein Sieg gegen den erklärten „Klassenfeind“ aus Sachsen?

Hansa hat einen neuen Trainer, was bei einem klammen Budget und in einer Position, in der es weder um Auf- noch um Abstieg geht, schon eine interessante Geschichte ist. Noch dazu muss man wissen, dass der auch nur einen Vertrag bis zum Ende der Saison bekommen hat. Also wird der wohl versuchen, möglichst erfolgreich zu sein, um sich für eine Anstellung bei irgendeinem Verein zu empfehlen. Das ist nicht zu unterschätzen.

Für den RB Leipzig geht es darum, den 2. Tabellenplatz zu behaupten. Man will sich vor dem SV Darmstadt 98 positionieren, um in Gottes Namen nicht in die Relegation zu müssen. Nicht, dass man die nicht bestehen könnte. Aber ein Risiko bleibt in jedem Fall. Und so ziemlich am Ende der Saison will man natürlich Risiken vermeiden. Zumal ja auch Ungemach von der Deutschen Fußball-Liga auf den Verein einprasselte.

RB Leipzig hat zwar eine Lizenz für die 2. Bundesliga bekommen. Aber es war schon im Vorfeld klar, dass dies nur unter Auflagen passieren würde. Flugs hat sich deutlich gemacht, was diverse Dinge in den Grundfesten des Vereins nicht stimmt.

Dass im Logo des Vereins zwei Bullen miteinander kämpfen und dabei aussehen wie die Wort-Bild-Marke „Red Bull“, ist niemandem verborgen geblieben. Bis in die 3. Liga war das vermutlich kein Problem. Die DFL schaut aber genau hin. Und die möchte nun, dass das Logo so abgeändert wird, dass der Sponsor / Investor nicht so leicht erkennbar ist.

Man kann da diskutieren, wie man will. Das Logo der TSG 1899 Hoffenheim zeigt nicht SAP. Das Logo des VfL Wolfsburg zeigt nicht Volkswagen. Warum also sollte das Logo von RB Leipzig Red Bull zeigen dürfen? Klar, man kann nun mit Bayer 04 Leverkusen daherkommen, in dessen Logo nun mal Bayer in Markenschreibweise zu sehen ist. Aber daran sollte man sich nicht messen.

Es hat wohl niemand etwas gegen Corporate Identity. Aber RB Leipzig ist als eigenständiger Verein angetreten. Zumindest nach außen. Und so sollte auch ein Logo her, dass die Eigenständigkeit symbolisiert. Ich werfe einfach mal in die Runde, dass man vielleicht das Wappen der Stadt Leipzig integrieren sollte. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung.

Hat man denn nicht aus dem PR-Desaster von Red Bull Salzburg gelernt? Der Club aus Österreich darf bei UEFA-Wettbewerben eben nicht mit seinem Vereinslogo auflaufen. Dort ist ja auch Red Bull zu erkennen. Und Werbung im Logo ist laut UEFA-Statuten verboten. Und so musste der Club in der Euro League mit einem alternativen Logo auflaufen. So etwas sollte RB Leipzig nicht passieren, will man ernst genommen werden. Und irgendwie ist der Leipziger Club gerade wieder auf dem besten Weg, das Gegenteil zu erreichen.

Aber das ist nicht das einzige Ungemach. Sagt Ihnen die „50+1-Regel“ etwas? In den Statuten der Deutschen Fußball-Liga steht geschrieben, dass Anteilseigner niemals die Mehrheit an einem Verein übernehmen dürfen. So soll zum Beispiel verhindert werden, dass wie in der englischen Premier League Fußball-Vereine durch Oligarchen oder Emire dominiert werden.

Und hier kommt RB Leipzig ins Spiel. Denn in den Führungsgremien des Vereins sitzen derzeit mehrheitlich Mitarbeiter oder Beauftragte des österreichischen Konzerns Red Bull. Und das ist nicht erlaubt, will man eine Lizenz der Deutschen Fußball-Liga nicht nur vorläufig, sondern endgültig erhalten.

Ich glaube, ich habe es hier im Blog nie niedergeschrieben. Aber ich fand das schon immer merkwürdig, dass Vorstand und Co. so aufgestellt sind. Man hat jahrzehntelang gesehen, wie die starke Dominanz des damaligen Präsidenten Michael A. Roth den 1. FC Nürnberg zermürbt hatte. Da kam es zu Animositäten, was dem Club nicht gut getan hatte. Das sage ich als stiller Beobachter.

Jedenfalls muss es hier umgehend zu Anpassungen kommen, will man nicht doch noch den Aufstieg gefährden. Natürlich bringt das die gesamte Fußball-Welt von Red Bull ins Wanken. Man wird sicherlich darüber nachdenken, bei allen Fußball-Clubs, die Red Bull fördert, eine Logo-Anpassung vorzunehmen.

Die dritte Hürde ist der gigantisch hohe Mitgliedsbeitrag, will man beim Verein RB Leipzig e.V. mitmischen. Man muss 100 € Aufnahmegebühr und satte 800 € Jahresbeitrag bezahlen. Und ein Aufnahmeantrag kann ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden. Ich halte das zwar nicht für problematisch. Aber andere Vereine sind deutlich günstiger. Und deshalb muss hier eine Anpassung erfolgen. Das könnte recht unproblematisch sein. Man muss es nur machen. Schließlich ist der RB Leipzig oft genug dafür verhauen worden.

Nun hat der Verein ziemlich genau einen Monat Zeit, die Forderungen der Deutschen Fußball-Liga umzusetzen. Dabei ist der Mitgliedsbeitrag freilich das geringste Übel. Ich denke aber, dass die Vereinsverantwortlichen bereits fieberhaft an Lösungen arbeiten.

Dass es mindestens eine Petition gegen RB Leipzig in Richtung DFL gibt, ist gut und schön. Aber der Verein ist ein Verein ist ein Verein. Hier in Leipzig hat RB Leipzig gewaltig Fußball-Freude wieder entzündet. Das ist etwas, was die angeblichen Traditionsclubs seit rund 20 Jahren nicht schaffen. Und wie viel Leidenschaft hier brennt, erzählt dann die Geschichte, dass es sich bei RB Leipzig um kein „Kunstprodukt“ handeln kann.

Red Bull hat hier in Leipzig, im ehemals fußballerischen Bermuda-Dreieck, viel Geld in die Hand genommen, das ist wahr. Aber eben hauptsächlich auch, um Sportstätten überhaupt erst wieder zu bauen und betreiben zu können. Das hat per se nicht viel mit RB Leipzig zu tun. Daher sind es „nur“ drei Auflagen für eine Zweitliga-Lizenz.

Die Verantwortlichen müssen nun rasch Lösungen erarbeiten. Denn Leipzig als Gründungsstadt des DFB und als sportverrückte Stadt braucht nun einmal den RB Leipzig. Er hat nämlich auch eine gewaltige Leuchtturm-Wirkung auf die anderen Vereine der Stadt und Region. Kann das so schlimm sein?

Sportlich gibt es einen dicken Stolperstein, der aber aus dem Weg geräumt werden kann: der FC Hansa Rostock. Rechtlich gibt es aber drei dickere Stolpersteine, die den Verein noch ziemlich ins Schwitzen bringen dürfte. Ich hoffe, dass das alles soweit gut geht und nicht noch jemand strauchelt.

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3 Kommentare

  1. Pingback: Presse 25.04.2014 | RB Leipzig News - rotebrauseblogger
  2. Hier müssen einige Dinge aus meiner Sicht richtig gestellt werden.

    Logo: Das UEFA-Cup-Logo von Salzburg ist prinzipiell dasselbe wie jenes mit dem der Club in der österreichischen Bundesliga antritt. Bis auf eine Ausnahme: der Schriftzug Red Bull wurde entfernt. Da dieser bei RB Leipzig gar nicht enthalten ist und sich die UEFA an der Sonne + 2 Bullen nicht stört, läuft diese Argumentation ins Leere. Das Beispiel Bayer Leverkusens abzutun greift meiner Ansicht auch nicht, denn warum ist das Bayerkreuz erlaubt? Weil es immer so war? Das ist doch kein Argument. Und wenn, dann kann RBL auf das Bestandsrecht klagen, welches per se durch die Genehmigung des SFV und DFB vorliegt.

    Mitgliedschaft: hier muss doch deutlich insistiert werden. Die Behauptung „Denn in den Führungsgremien des Vereins sitzen derzeit mehrheitlich Mitarbeiter oder Beauftragte des österreichischen Konzerns Red Bull. Und das ist nicht erlaubt…“ ist schlicht falsch, was den zweiten Satz betrifft. Diese Konstellation ist laut DFL nicht in Kapitalgesellschaften erlaubt. Im Vereinsrecht -und nur dieses trifft auf Rasenballsport Leipzig e.V. zu- kann ein Eingriff der DFL nicht stattfinden. Wo kämen wir da auch hin? Man könnte nun dagegen halten, dass der Geist dieser Regelung auch auf lizenzierungswillige Vereine ausstrahlt, aber mit dem Geist ist das auch so ne Sache, vor allem wenn man diese Interpretationen vor Gericht austragen wöllte.

    Mitgliedsbeitrag/Ablehnung von Mitgliedern: wie oben. Den Mitgliedsbeitrag darf jeder Verein frei festlegen. Das trifft auch auf Aufnahmekriterien zu. Steht im Vereinsrecht. Wie man das findet ist schlicht egal. Und mal davon abgesehen: was bringt es dem FC Bayern mehrere Hunderttausend Mitglieder zu haben und was den Mitgliedern? Beides sind schlicht legitime Wege. Ich als RB-Fan muss da nicht Mitglied sein. Wazu? Um was zu tun?

    Das zentrale Problem ist doch, dass die Statuten der DFL nicht wasserdicht sind und einer Prüfung gegen geltendes Recht nicht standhält. Die Auflagen sind daher nur ein Feigenblatt um die Traditionalisten (was auch immer das sein soll) zu besänftigen.

    Eine Idee fand ich allerdings großartig von Ihnen: Sollte man sich wirklich entscheiden dass Logo zu ändern, würde die Einbeziehung des Stadtwappens mein Herz erwärmen

    1. Hallo Spooner,

      nein, nein, ich kritisiere ja weder das Logo noch die Mitgliedschaft. Ich kritisiere die Eierei der DFL. Denn wie Sie so schön ausführen, ist nicht viel aufrecht zu erhalten, was die Argumentation der Presse zur DFL betrifft.

      Ich denke, wir sollten einfach mal abwarten, was da passiert. Für mich steht nach wie vor fest, dass es keine Probleme mit der Lizenz geben wird. Oder wenn, dann nicht mit so fadenscheinigen Gründen.

      Übrigens: Ihr Kommentar fand sich im Spam wieder. Entschuldigung, dass es etwas mit der Antwort gedauert hat.

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