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RB Leipzig - Symbolbild RB Leipzig - Symbolbild

RB Leipzig zu Gast beim FC Bayern München

Wer hatte denn ernsthaft an eine Dominanz des Aufsteigers in München geglaubt? Egal, was gestern ablief, war auf Leipziger Seite einfach mal schlecht. Gegen die großen Bayern ist es eben nicht so einfach, sich Schnitzer zu erlauben und trotzdem passabel zu spielen. Gegen viele andere Teams kann man da noch etwas ausbügeln, aber nicht gegen die Bayern. Vor allem, wenn sie das spielen, was RB Leipzig sonst so gut kann: Überfall-Fußball. Carlo Ancelotti muss sich ganz genau angeschaut haben, wie Ralph Hasenhüttl spielen lässt, und hat die Leipziger mit den eigenen Waffen geschlagen.

Der Österreicher ließ RB Leipzig in altbekannter Formation auflaufen: Gulacsi im Tor, Bernardo, Ilsanker, Orban und Halstenberg in der Abwehr, Keita und Demme im defensiven Mittelfeld, Sabitzer und Forsberg im offensiven Mittelfeld, sowie Werner und Poulsen im Sturm. Und fast hätte alles gut werden können im abendlichen, nebligen München. Wie wäre das Spiel wohl gelaufen, wenn Yussuf Poulsen nicht vor Manuel Neuer am Ball vorbei gerutscht wäre? Wie wäre das Spiel ausgegangen, wenn Naby Keita nicht den Ball verstolpert hätte? Hätte sich RB Leipzig aufbäumen können, wenn Emil Forsberg nicht des Platzes verwiesen worden wäre?

So kann man am Ende sagen: RB Leipzig hat gestern in München viel Lehrgeld bezahlt. In einer unpersönlichen Schüssel irgendwo im Nirgendwo in der Heide von Fröttmaning, die überquoll vor lauter Kommerz-Zelebrierung. Die Bayern um Kapitän Lahm ließen die gesamte Spielzeit dann allerdings keinen Zweifel daran, wer Herr im Haus ist und wer Herbstmeister / Wintermeister werden soll. Die Pressing-Maschine aus Leipzig kam die gesamten 90 Minuten nie richtig ins Laufen. Und nach einer Viertelstunde klatschte Lewandowski den Ball an den Pfosten, und Thiago konnte zum 1:0 abstauben.

Dieser erste Treffer sah so aus wie so viele von RB Leipzig: Mit Mann und Maus in Richtung gegnerisches Tor, einer zieht ab, und weitere rennen sicherheitshalber einfach mal weiter. Diese Tugend des unbedingten Siegeswillen wohnte gestern bei den Roten. Und so war es kein Wunder, dass Costa kurz darauf bereits hätte erhöhen können. Nur der Pfosten rettete. Wieder kurz darauf verlor der sonst so ballsichere Naby Keita den Ball im Mittelfeld, woraufhin die Bayern eine sehenswerte Pass-Stafette zelebrierten, an deren Ende das 2:0 von Xabi Alonso stand.

Wieder ein paar Minuten später tat sich die nächste höchst ungewohnte Unsicherheit auf, in deren Folge Emil Forsberg sehr ungestüm Philipp Lahm von hinten in die Ferse trat. Glatt rot, weil Notbremse und so. Und kurz vor der Halbzeit-Pause setzte es auch noch beim sonst sicheren Gulacsi aus, der zu langsam im Kopf zu spät aus dem Tor kommt  und dabei Douglas Costa von den Beinen holte. Elfmeter, Lewandowski, 3:0. Nach der ersten Hälfte war das Spiel faktisch gelaufen. Ende, Aus, Nikolaus. Und es kam noch eine zweite Hälfte, und jeder vermutete, dass es nun richtig schlimm für RB Leipzig kommen würde.

Nach dem Seitenwechsel wurde der doch noch nicht ganz so fitte Naby Keita durch Dominik Kaiser ersetzt. Man verteidigte tief, verschob die Reihen und versuchte so, ein schlimmes Debakel zu vermeiden. Dennoch kam das Star-Ensemble von der Isar immer wieder zu Chancen. Ob nun Lewandowski oder Ribery, Thiago oder sonstwer: Gestern hätte es niemanden wundern dürfen, wenn am Ende ein Ergebnis oberhalb der 5 Gegentore zu Buche gestanden hätte. Eine halbe Stunde vor Schluss versuchte Hasenhüttl neue Akzente, indem Davie Selke den eher glücklosen Timo Werner ersetzte. Und auch Oliver Burke kurz vor Schluss richtete nichts mehr aus.

So plätscherte das Spiel dann so dem Ende entgegen, und RB Leipzig fuhr die höchste Saison-Niederlage in seiner jungen Bundesliga-Historie ein. Und sie war in jeglicher Hinsicht verdient. Neben dem deutlichen Klassenunterschied erlaubten sich die Kicker von der Pleiße auch Aussetzer, wie sie sonst bei ihnen nicht zu finden sind. Sie waren engagiert, keine Frage. Und Niederlagen können passieren. Aber die Rasenballer hatten gestern einen ganz schwarzen Abend erwischt. Nun ist Winterpause, und es ist Zeit für etwas Ruhe im Bullenstall.

Merkwürdig war dann gestern noch das Gehabe der Bayern. Die tun ja so, als hätten sie den Traditionsfußball erfunden. Und dann fahren die ein riesiges 3D-Tamtam auf. Gesponsert von den Anteilseignern. Es war groß, es war fett, es war übervoll mit Werbebotschaften. Und während des Spiels saßen da Leute in weiß so herum, dass das Telekom-T dabei heraus kam. RB Leipzig den totalen Kommerz vorwerfen, aber dann so eine Show abziehen: Das können nur die Bayern. Nun ja.

Die gestrige Leistung täuscht aber nicht darüber hinweg, welche sensationelle Hinrunde RB Leipzig gespielt hat. Ja, gestern war es schlecht. Aber sonst kann man der Mannschaft nichts vorwerfen. Engagement, Einsatzbereitschaft, Energie: Das hat immer gestimmt. Und die Mannschaft hat die Erwartungen mehr als übererfüllt. Sie wollten eine sorgenfreie Saison spielen. Das bleibt dann auch mal dabei. Und zwar egal, wie das Spiel gestern lief.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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