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Streiflichter zu RB Leipzig

Liebe Leser, ich freue mich, wie sich der RB Leipzig entwickelt. Es ist wunderbar zu sehen, welche Entwicklungen der Verein und sein Fan-Umfeld nimmt. Der Verein normalisiert sich immer mehr. Und somit gibt es auch mehr und mehr auch mal eine so genannte „unschöne Sache“ zu beobachten. Das ist ein normales Verhalten, ob es einem nun passt oder nicht.

Der RB Leipzig hat zweifelsohne so viele Kritiker, wie sonst kein Verein in bundesdeutschen Gefilden. Auch in der Stadt Leipzig selbst ist der Verein weiterhin höchst umstritten. Völlig normal. Schließlich wird der Verein ja durch den Konzern Red Bull gefördert. Also das, was Lok Leipzig oder Chemie Leipzig auch hätten haben können. Aber das will ich nicht durchkauen.

Jedenfalls hat man ja immer Angst davor gehabt, dass die Spiele der ersten und zweiten Herrenmannschaft immer nur gewonnen werden, dass RB Leipzig und RB Leipzig U23 ihre Ligen, die 2. Bundesliga und die NOFV-Oberliga Süd, dominieren würden. Mal abgesehen davon, dass es auch gesunde Vereinsstrukturen in den U-Mannschaften gibt. Aber die beiden höchsten Teams stehen nun einmal mehr im Fokus.

Nun ja, nun hat die Mannschaft von Trainer Zorniger seit einigen Spielen nicht mehr gewonnen. In Leipzig sieht man das ganz entspannt, denn schließlich ist man ja Aufsteiger. Aber die Medien reden sofort eine Krise herbei. Irgendwie hat man als Beobachter das Gefühl, dass der RB Leipzig von den Medien so beobachtet wird wie – sagen wir mal – der 1. FC Kaiserslautern, Borussia Mönchengladbach oder Fortuna Düsseldorf. Wenn bei denen mal der Ball nicht rund läuft, wird auch gleich von einer Krise geredet. Die gibt es aber nicht in Leipzig.

Und auch das Team von Tino Vogel ist solchen Debatten ausgeliefert. Sie haben gegen den Stadtrivalen 1. FC Lok Leipzig in einem packenden Spiel vor ausverkauftem Haus in Probstheida fast verloren. Das Spiel an sich war begleitet von hohen Sicherheitsvorkehrungen und Buh- und Schmäh-Gesängen, wie es eben Fußballfans bei einem Derby nun mal so machen. Aber alles nicht weiter schlimm.

Man redet auch ganz schnell von Problem-Fans, weil im Oberliga-Kracher die eine oder andere homophobe Äußerung vom Stapel gelassen wurde. Hier muss man eben sehen, wie sich die Situation weiter entwickelt. Aber so, wie ich die Sache einschätze, haben friedliche RB-Fans mit der Verurteilung der Homophobie zwar Recht, aber die Aufarbeitung der Äußerungen der Ausrufe am Wochenende wird ein wenig übertrieben. Ich werde mal beobachten, wie sich die Situation weiter entwickelt, bin aber zuversichtlich, dass das eine normale Entwicklung ist und solche Äußerungen im Eifer des Gefechts entstanden.

Ebenfalls übertrieben wird in meinen Augen die Besprechung eines Vorfalls in Nürnberg, wo die Zorniger-Elf verloren hatte. Dort wurde wohl ein Fanschal eines Nürnbergers verbrannt. Die Polizei ermittelt wohl. Klar, man möchte sich von gewaltbereiten Ultra-Gruppierungen abgrenzen. Das ist ja auch der Grund, warum der RB Leipzig so viel Fan-Zulauf hat. Die traditionellen Vereine haben ja jahrelang ihre Ultras nicht im Griff gehabt. Und deshalb begrüßt man es, dass man weitgehend auf Ultras verzichten möchte.

Aber Ultras gehören nun einmal zu Fußball-Fans dazu. Borussia Dortmund, Bayern München oder so haben auch ihre Ultras. Die Ultras sind nun einmal die härtesten Unterstützer. Und ich denke, dass solche Leute auch über kurz oder lang beim RB Leipzig zu finden sind. Alles andere wäre ja albern. Man muss eben nur sehen, inwieweit man sie gewähren lässt.

Das Verbrennen des Fanschals ist in meinen Augen nur ein Ventil. Die Anfeindungen, die dem Verein entgegen schlagen, setzen ja auch den Fans zu. Wie oft wurde den Fans, die in Fanclubs und dergleichen organisiert sind, unterstellt, sie wären keine Fans. Wie oft wurden die Fans als Werbebande für Red Bull bezeichnet. Wie lange mussten Fans von RB Leipzig flüchten, damit sie nicht unkontrollierter Gewalt ausgesetzt waren. Der Fanschal war quasi in Nürnberg das „Wir sind auch Fans“. Schade nur, dass es so stilisiert wurde.

Man kann den Fans von RB Leipzig nicht viel vorwerfen.  Sie sind laut, enthusiastisch, haben ihre Gesänge, unterstützen ihren Verein bei Heim- und Auswärtsspielen. Natürlich beschimpft man sich auch untereinander, wenn der eine Fan denkt, die Unterstützung des anderen Fans sei nicht würdig gewesen. Also alles ganz normal. Und man leidet mit der Mannschaft, wenn es mal nicht so läuft.

Jetzt gab es aber schon wieder Unkenrufe, dass RB Leipzig wohl eine leere Red Bull Arena haben würde, weil man eben nicht ununterbrochen gewinnt. Diese Rufe kann man aber beiseite schieben, da ja schon wieder knapp 30000 Karten im Vorverkauf für das bevorstehende Heimspiel verkauft wurden. Das zeigt doch, dass viele in der Stadt sehen, dass der Verein sich normal entwickelt und ein langsam völlig normaler Club ist. Keine GmbH, keine AG, ein eingetragener Verein. Und es zeigt, dass der attraktive Fußball, der ja nach wie vor gespielt wird, viel Ansehen hat.

Und solche Vorverkaufszahlen sind in Leipzig ja keine Seltenheit. Das führte auch dazu, dass darüber nachgedacht wurde, dass die Red Bull Arena zu klein werden könnte. Und so gab es schon Gedankenspiele über ein neues Stadion am Stadtrand. Aber die Arena mitten in der Stadt ist nun einmal das Wohnzimmer, weshalb die wohl von 44000 Plätzen auf 55000 vergrößert wird. Irgendwann, wenn man weiter ist, wenn der Verein weiter gewachsen ist, wenn man unter Umständen vielleicht in der ersten Bundesliga spielt.

In dieser Saison will man sich hauptsächlich in der zweiten Bundesliga konsolidieren. Niemand nimmt ihnen übel, wenn man in der Spielklasse bleibt, wenn man irgendwie im Mittelfeld oder darüber die Saison abschließt. Man darf eben nur nicht den Fehler machen, dass man die Fans nicht mitnimmt oder sich dann auf dem Erreichten ausruht. Aber bei dem Trainer dürfte die Gefahr dafür relativ klein sein.

Der rotweiße Club aus der Gründungsstadt des DFB (wenn Tradition, dann richtig) wird sich weiter gesund entwickeln. Und so auch sein Umfeld. Irgendwann werden auch die Unkenrufe verstummen. Denn man wird sehen, dass das, was in Leipzig entstanden ist, nicht allzu schlecht ist. Und irgendwann im Jahr X wird sich vielleicht auch der FC Bayern München angesichts des RB Leipzig warm anziehen. Aber bis dahin ist noch viel Zeit. Geben wir dem Verein die Chance, sich weiterhin normal zu entwickeln. Denn das tut er ohne Zweifel. Auch die Fans. Auch das Umfeld. Und dann werden sich auch die Schmährufe irgendwann auf ein normales Fan-Niveau relativiert haben. Denn dann ist der Verein normal angekommen. Wie auch andere Vereine.

Bildquelle: Vereinslogo von RB Leipzig – (C) RB Leipzig e.V.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

6 thoughts to “Streiflichter zu RB Leipzig”

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