Bedingungslos

Es gibt Dinge im Leben, die dulden kein Wenn und kein Aber. Die sind einfach da und dulden keine Fallbedingungen. Aber hier und da kommt es dann unvorhersehbarerweise bei diesen Dingen zu Gegebenheiten, in denen sich die Umstände ändern. Genau dann sagt man, dass sich die Bedingungen geändert haben. Aber welche denn, wenn man alles bedingungslos getan hat? Es sind die Einflüsse, die es demjenigen dann schwer machen, einfach so weiterzumachen.

„Ja, ich mache den Job“, bemerkte er. Aber er fügte hinzu: „Aber zu folgenden Bedingungen“. Und dann zählte er auf, was für ihn wichtig war. So lief das immer wieder bei seinen Arbeitgebern in den letzten Jahren. Was er ein einziges Mal erleben wollte, war ein Job, den er bedingungslos machen wollte. Bei dem es egal war, was am Monatsende herausspringt. Weil es einfach DER Job war. Nur ist ihm lange Zeit nichts derartiges über den Weg gelaufen.

Aber was er nun seit einiger Zeit tut, macht ihm derart viel Freude, dass es ihm nahezu egal ist, dass ihn andere in der gleichen Position bei anderen Unternehmen wohl oder übel auslachen würden. Das ist aber nicht wichtig, denn die Arbeit passt, und das Team passt. Zudem ist der Job ihm als recht sicher bekannt. Und das mag in der heutigen Zeit schon etwas gelten.

Er hatte auch mal einen recht ansehnlichen Freundeskreis. Aber es waren eigentlich nur Kumpels. Einen wirklich echten Freund hatte er nicht. Er könnte über niemanden aus diesem Kreis der Leute zweifelsfrei behaupten, dass diese oder dieser bedingungslos für ihn einstehen würde. Auch kann er nicht mit Sicherheit sagen, dass er dies je getan hätte. Einer seiner Kumpels war ihm näher als andere Kumpels, aber zum echten Freund hat es nicht gereicht. Weil man nicht einfach bedingungslos für den anderen einstehen konnte oder wollte.

Aber für seine Familie stand er immer ein. Bedingungslos. In Sachen Liebe war er nie so unterwegs, dass es irgendwas halbherziges gab. Das war auch so, als er den ersten langen Fehltritt von ihr bemerkte, lange vor ihrer Offenbarung. Das war dann auch wieder so bei ihrem zweiten Fehltritt, für den er dann sogar in der gemeinsamen Wohnung das Feld räumte. Dass da nichts ernstes dann entstanden ist, konnte er ja nicht beeinflussen.

Und dann hatte er den dritten Fehltritt mitbekommen. Ihm war schon vorher klar, dass seine bedingungslose Hingabe in die Beziehung und die Familie nicht mehr so bedingungslos sein konnte. Ihm war vor dem dritten Fehltritt klar, dass er keinen dritten verzeihen würde. Und er weiß von dem dritten Fehltritt. Durch seine bedingungslose Liebe für das gemeinsame Kind riss er aber nicht sofort aus, sondern wartete auf einen günstigen Zeitpunkt.

Jetzt fährt er schon seit Stunden die Landstraße des Lebens lang. Er ist durch Nester durchgekommen, von denen er noch nie etwas gehört hatte. Er hat sich geschworen, auf sich Acht zu geben. Bedingungslos. Vorhin hatte er irgendwo getankt und die Chance auf eine neue Bekanntschaft gehabt. Da aber die Bedingungen ungünstig sind, zog er lieber weiter.

Ob er noch ein weiteres Mal zurück kommt? Zu seinem Job mit Sicherheit. Und für sein Kind wird er auch da sein. Aber für sie? Das kann er nicht mit Sicherheit sagen. Er kann nicht einfach wieder bedingungslos da sein. Er hat noch ein geschätztes halbes Leben vor sich. Das will er nun einmal nicht so gestalten, dass er sich tagtäglich auf neue Bedingungen einstellen muss. Er will eine Konstanz im Leben. Und das bedingungslos.

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7 Kommentare

  1. Diese Fehltritte. Da ist doch schon nach dem ersten das Vertrauen zumindest erschüttert.

    Bedingungslose Konstanz in einer Beziehung kann es meiner Meinung nach nicht geben, da sich jeder Mensch weiterentwickelt. Da verschieben sich Prioritäten, Freundeskreise, Interessen, Berufliches. Wenn beide in der Beziehung ihre Heimat sehen, dann kann dieses Verschieben sein wie ein Meer: vertraut und doch täglich neu; ruhig und stürmisch, aber nie langweilig.

    Ein Traum? Für viele und für mich. Sehr wenige haben diesen Traum in die Realität umgesetzt und leben darin glücklich.

    1. Das stimmt auffallend. Der Text stammt von einem Autor, der nicht genannt werden möchte. Ich wurde um Veröffentlichung gebeten. Und da mir der Text gefallen hat, habe ich das auch getan.

      Das ganze Leben ist ja im Fluss. Stagnation ist das Ende. Wenn man da nicht irgendwo Rückhalt hat, kommt man mit so etwas nicht klar. Klar bleibt das alles für viele ein Traum. Und das ist jammerschade.

  2. Sie entscheidet sich für keinen. Er word allein bleiben auch jeder Fehltritt von ihr wird sie nicht bekomnen.den bedingungslose liebe gibt es nicht.

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