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Liwa-e-Ahmadiyya, die Fahne der Ahmadiyya Muslim Jamaat - By Ceddyfresse (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons Liwa-e-Ahmadiyya, die Fahne der Ahmadiyya Muslim Jamaat - By Ceddyfresse (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Ahmadiyya in Leipzig Gohlis – Fluch oder Segen?

Ich habe nie hier im Blog großartig über religiöse Themen geschrieben. Religion ist eben eins der Themen, bei denen ich mich eben so gut wie gar nicht auskenne. Und dann sollte man sich eigentlich raushalten. Aber ich schreibe trotzdem einen Artikel über die geplante Ahmadiyya Moschee im Leipziger Stadtteil Leipzig-Gohlis.

Es gibt zu dem geplanten Bau etliche Fürsprecher, aber auch mindestens genauso viele Gegenstimmen. Ich kann diese Diskussion nachvollziehen. Aber dass man in der Moschee das immobile Böse sieht, dass kann ich nicht nachvollziehen. Ich werde – wie immer – meine Beobachtungen schildern. Vielleicht kann ich ein wenig dazu beitragen, dass sich die Gemüter besänftigen.

Was ist Ahmadiyya?

Um diese Frage zu beantworten, muss man eigentlich nur die Informationen in der Wikipedia lesen. Ahmadiyya ist eigentlich nichts anderes als eine Sondergruppe innerhalb des Islams. Also quasi so etwas wie die Baptisten innerhalb der evangelischen Kirche. Sie wurde irgendwann rund um 1880 in Britisch-Indien gegründet.

Ahmadiyya versteht sich als Reformbewegung innerhalb des Islams. Sie hält an Koran, Sunna und Hadith fest und misst den Lehren von Gründer Mirza Ghulam Ahmad große Bedeutung bei. Soweit ich gesehen habe, hat die Gemeinde innerhalb des Islams einen schweren Stand. Die Weltanschauung wird teilweise als ketzerisch verschrieen.

Aber deshalb sieht sich die Gemeinde trotzdem dem Islam zugehörig. Da sie ihren Ursprung in Britisch-Indien (also Indien und Pakistan) hat, ist ihre Zentralverwaltung im pakistanischen Lahore. Und das steht alles auch in der deutschen Wikipedia.

Es gibt tausend gute Gründe

Man kann gegen Gotteshäuser sein. Man kann gegen die Religion sein. Und man kann gegen den Bau sakraler Monumentalbauten sein. Natürlich kann man das. Es spricht nichts dagegen. Dieses Recht wird jedem Bürger dieses Landes qua Verfassung zugesichert. Und also gibt es tausend gute Gründe gegen Bau der Moschee.

Sie könnte nicht zur Umgebung passen, es könnte zu Verkehrseinschränkungen kommen, der Muezzin im Minarett mit seinem Adhān vor dem Gemeinschaftsgebet könnte für Lärmbelästigung sorgen. Man könnte denken, dass für die Errichtung einer Moschee staatliche Gelder “verschwendet” werden, dass der entstehende Bau vermutlich viel zu protzig und zu teuer wird.

Das sind alles gute Gründe, zumindest darüber nachzudenken, ob denn so ein Bau tatsächlich in einer Gegend wie Leipzig Gohlis mit seinen historischen Bauwerken sein muss. Aber andererseits darf man auch fragen: Warum eigentlich nicht?

Aber es gibt genauso starke gute Gründe für einen Bau. Leipzig war immereine weltoffene Stadt. Die Leipziger Innenstadt war lange Zeit jüdisch geprägt. Leipzig hat durch den Stand einer Handelsmetropole immer viel Zuwanderung gehabt. Insofern würde eine zweite Moschee nach Leipzig passen. Und Ahmadiyya ist nun einmal etwas anderes als der “normale” Islam. Also kann man sagen: Für und wider hält sich die Waage.

Ängste schüren

Bislang haben wir ja noch keine wirklichen Gründe gefunden, warum die Moschee überhaupt nicht gebaut werden sollte. Man könnte bestenfalls darüber nachdenken, ob der Ort günstig gewählt ist. Aber es gibt zum Bau dieser Moschee energische Proteste. Und wer bei solchen Themen eigentlich nie weit weg ist, das ist der ziemlich rechtslastige Gesinnungsflügel. Denn da werden auf teils haarsträubende Art und Weise Ängste geschürt.

So zitiert der bekannte Blog “Politically Incorrect” ausgerechnet Hiltrud Schröter, die immer wieder davor gewarnt hat, dass es zu einer “Umwandlung unserer demokratischen Grundordnung in einen islamischen Staat” kommen würde. Mit offenem Visier ledert der Blog daher, dass es praktisch zu Überfremdung kommen wird, sollte die Moschee gebaut werden.

Immer wieder kommt es auch zu solchen hanebüchenen Aussagen wie die, dass jeder Islamgläubige ein Islamist und damit ein Terrorverdächtiger sei und dass deshalb auch die Sicherheit im Umkreis der Moschee gefährdet ist. Der Blog philosophiert von Unruhen und vielen schlimmen Dingen.

Kennen Sie die Geschichte vom bösen, schwarzen Mann? Genau die wird gerade in Leipzig-Gohlis neu erzählt. Nur dass der schwarze Mann jetzt ein beliebiges Mitglied der Ahmadiyya-Gemeinde ist. Und das ist ziemlich weltfremd.

Ich könnte jetzt Blogs wie “Politically Incorrect” hier verlinken. Das spare ich mir aber. Denn Leute wie die Autoren dort kommen erst mit völlig harmlosen Argumenten daher wie “Versucht mal bei denen eine Kirche zu bauen” und schießen dann ziemlich scharf mit offenkundig merkwürdigen Worten wie “Landnahme”. Als ob der Islam in einer Art Kreuzzug sich quer durch Europa – und besonders durch Deutschland – wildern würde. Wie weltfremd muss man da sein?

Toleranz zeigen

Es ist wichtig in einer globalisierten Welt, dass man tolerant ist. Es muss jedem klar sein, dass man nicht in jedem Menschen mit islamischem Glauben einen terrorisierenden Islamisten sehen darf. Es muss klar sein, dass es qua Gesetz jedem Bürger dieses Landes erlaubt ist, seine Religion auszuüben. Und Mitglieder des Islams sind keineswegs nur Araber, sondern eben auch Deutsche. Das ist ein unumstößlicher Fakt.

Genauso müssen islamische Einwanderer mit Toleranz ausrüsten. Wer in ein Land immigriert, muss sich auch den Gepflogenheiten des Landes unterordnen. Und wenn ein Einwanderer auf einer Behörde betreut wird, muss dieser genauso höflich mit der Mitarbeiterin / dem Mitarbeiter umgehen wie jeder andere Hilfebedürftige auch. Mir liegt ein Wortzeugnis vor, in welchem eben genau das nicht geschildert ist.

Deutsche und Ausländer, Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, Atheisten usw. müssen tolerant gegenüber dem jeweils anderen bzgl. der Weltanschauung, der kirchlichen Gepflogenheiten usw. sein. Die Weltreligionen sind vom Ursprung her nicht so weit voneinander entfernt, aber es trennt sie doch so viel. Für eine multikulturelle Gesellschaft, wie traditionell die deutsche Gesellschaft nun einmal ist, muss man die Unterschiede akzeptieren und tolerieren können.

Dass islamisch-gläubige Menschen in Deutschland oft nicht angenommen werden, liegt meiner Ansicht nach daran, weil sie eben zu wenig Toleranz zeigen. Um jetzt wieder zu dem genannten Wortzeugnis zu kommen: Die Amtssprache in Deutschland ist nun einmal Deutsch. Die muss man auf Behörden sprechen. Jedem Immigranten wird ein Deutschkurs dargebracht. Die Immigranten müssen ihn nur besuchen. Und des Deutschen Tugend ist die Pünktlichkeit. Man muss sich nur danach richten, was die Uhr anzeigt.

Spricht man also mit einer deutschen Behörde abfällig und ist nicht willens, die deutsche Sprache zu erlernen, und sind einem Termine völlig egal, kann man auch nicht viel erwarten. Igelt man sich als Immigrant dann auch nur ein und versucht gar nicht erst, mit der neuen Umgebung klar zu kommen – mit all der Hilfe, die geboten wird, wenn man sich auf Behörden benimmt – dann sind ablehnende Haltungen völlig normal.

Aber trotzdem ist nicht jeder islamisch-gläubige Mensch gleich ein böser, schwarzer Mann. Aussagen wie “Die sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst” bringen da niemanden weiter. Die Ahmadiyya-Gemeinde sollte vielleicht den ersten Schritt vor dem zweiten Schritt machen und nicht umgekehrt. Klar, dass die Gohliser Sorge haben, wenn ihnen ohne eine Verwurzelung im Viertel einfach mal eine Moschee vor die Nase gestellt werden soll. Vielleicht hätte die Gemeinde zuerst eine gewisse Akzeptanz im Viertel erlangen sollen. Dann hätte es vielleicht auch nicht so viel Theater gegeben.

Petitionen sind unnötig

Stellen Sie sich vor, es gibt mehrere Petitionen rund um den Moschee-Bau. Es gibt welche, die offen gegen den Bau Politik machen. Angezogen werden die von allerlei rechtslastigen Leuten. Und es gibt Petitionen für den Bau. Auch hier gibt es – wie bei den ablehnenden Stimmen – “einfach nur Bürger”, aber eben auch hier extremere Gedanken, nur diesmal linkslastig.

Ich denke, solche Stimmungsmache dient einfach nur einem Ziel: Dass politische Stimmungen breit getreten werden. Sie dient aber nicht dem eigentlichen Zankapfel. Es wird keine Lösung bzgl. der Moschee geben. Und deshalb bin ich wieder dabei, dass die Moschee lange nicht so eine ablehnende Reaktion eingefahren hätte, hätte sich die Religionsgemeinschaft um die dort bereits lebende Bevölkerung gekümmert und die Bedenken zerstreut.

So wird es wohl so bleiben, dass man die Bauarbeiten boykottieren wird, dass die Moschee dann immer wieder beschädigt wird, dass Gohlis unruhiger wird. Und das alles nur, weil man augenscheinlich zu wenig “Lobbyarbeit” gemacht hat. Da kann man nun mit Petitionen kommen, wie man will. Das führt dann nur zu noch mehr Unstimmigkeit.

Fazit

Ich bin weder für noch gegen die Ahmadiyya-Moschee in Leipzig-Gohlis. Ich finde aber, man sollte den Gläubigen ihren Glauben lassen und ihnen auch ihre gesetzlich zugesicherte Glaubensausübung ermöglichen. Und ich finde, dass islamische Mitbürger, die immigriert sind, die deutschen Gepflogenheiten mehr akzeptieren sollten. Also um es kurz zu machen: Beide müssen aufeinander zugehen, dann gibt es vielleicht zukünftig weniger Diskussionsbedarf und weniger Anfeindungen.

Wer noch mehr lesen will, kann dies bei der Leipziger Internetzeitung und im gleichen Medium in einem Leserartikel tun. Weitere Meinungen findet man bei Politically Incorrect (ja, ich habe ihn nun doch verlinkt), Indymedia und woanders. Die Meinungen gehen sehr weit auseinander. Für eine gegenseitige Verständigung ist das nicht gut. Aber für eine Stätte der Begegnung ist Verständigung wichtig. Also redet mal in vernünftigem Ton miteinander.

Bildquelle: Liwa-e-Ahmadiyya, die Fahne der Ahmadiyya Muslim Jamaat – By Ceddyfresse (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

6 thoughts to “Ahmadiyya in Leipzig Gohlis – Fluch oder Segen?”

  1. In Deutschland herrscht Religionsfreiheit!!!

    Das heißt jeder darf seinen Glauben ausüben, so lange er die Freiheit anderer nicht beeinträchtigt. Auch darf niemand zur Religion gezwungen werden.

    Aber es heißt auch ohne Glaube zu leben.
    Zugleich heißt es NICHT das Glaube verboten wird.

    Ex Bundespräsident Wulff sagte einmal richtig das auch der Islam jetzt zu Deutschland gehört. Alle Religionen haben gleiche Rechte in Deutschland.

    Was aber in Wirklichkeit heißen muß, um es mal mit ähnlichen Worten des Heiligen Saladin auszudrücken:

    Alle Religionen gehören zu Deutschland…!!!
    Keine Religion gehört zu Deutschland…!!!

    Was folgendes Bedeutet:
    Aktuell werden die Religionen in Deutschland ungleich behandelt, mal wird der Islam bevorzugt, mal Judentum und mal Christentum. Mal verbietet man dem Islam etwas was man aber den Anderen gestattet und erlaubt dem Islam etwas was man anderen verwehrt.

    Hier ist Handlungsbedarf groß!!!

    Aber auch ein anderer Aspekt ist wichtig, die Betrachtung unter Gesichtspunkten von Sekten und Terror.

    Bei der Gemeinschaft in Leipzig, gibts da leider Probleme.
    Denn die Gruppe wird vom Verfassungsschutz beobachtet, da es in der Glaubensauslegung dieser Gruppe große rechtliche Probleme gibt. Aber dennoch wird gerade die Gruppe von der Stadt Leipzig nebst OB und der SPD unterstützt.

    Hier also Position zu beziehen für einige schwer. Daher muß erst diese wichtige Frage geklärt werden.

    Ist alles geklärt darf nix gegen den Bau mehr sprechen.

    1. Grundsätzlich sagt dein Kommentar, für den ich mich herzlich bedanke, das aus, was ich vielsagend zum Besten gegeben habe. Die Ahmadiyya-Gemeinschaft muss auf die Leute zugehen, um offene Fragen aus der Welt zu schaffen. Gibt es keine Unklarheiten, kann man der Moschee die Daseinsberechtigung nicht mehr absprechen. Von vornherein den Bau zu verteufeln, ist aber auch der falsche Weg. Und wenn du siehst, woher da die Äußerungen kommen, ist die Intention leider auch wieder klar.

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