Andreas Gabalier: Volks-Rock’n’Roller in der Kritik

Nanu, was ist denn hier passiert? Der Volks-Rock’n’Roller Andreas Gabalier ist ins Visier der Kritik geraten. Er soll nun ein Rechtsradikaler sein. Oder so. Es ist nicht das erste Mal, dass ihm da irgendwas vorgeworfen wird. Was genau steckt dahinter? Und was gibt es dazu zu sagen? Ich schreibe mal meine bescheidene Meinung zum Kärntener Sänger.

Andreas Gabalier, die singende Kontroverse

Ich halte nicht allzu viel von ihm. Andreas Gabalier hat zweifelsohne gewaltigen Erfolg mit seiner musikalischen Art, Rock, Pop und Mundart zu kombinieren. Er ist quasi die konsequente Fortführung dessen, was auch schon die (Zillertaler) Schürzenjäger gemacht haben. Das kann man gut finden, man kann es aber auch lassen. Musik ist ja sowieso immer Geschmackssache.

Außerhalb Österreichs hat man von ihm wohl mit „I sing a Liad für di“ Notiz genommen. Da war seine Debüt-Single „So liab hob i di“ bereits zwei Jahre alt. Drei Jahre darauf beeindruckte er sehr mit „Amoi seg’ ma uns wieder“, das er seinem Vater und seiner Schwester gewidmet hatte, die beide durch Suizid starben. Man dachte, er wird ein ernst zu nehmender Musiker.

Doch dann kam „Hulapalu“, von dem nicht mal er selbst weiß, was es bedeutet. Irgendwie war mir das zu viel Klamauk. Und dazwischen und vor allem danach kamen so ein paar fragwürdige Aussagen, die ihm immer wieder auf die Füße fallen. Er ist nun einmal seitdem eine singende Kontroverse. Darüber müssen wir uns mal kurz unterhalten.

Der frauenfeindliche Rechte mit der Homophobie?

Er hatte im Jahr 2011 das Album „Volks-Rock’n’Roller“ veröffentlicht. Das Cover beinhaltet ein Schwarzweiß-Foto mit einem Jungen mit einem Kofferradio. So, wie der Junge aussieht, könnte er den Sechzigern entsprungen sein. Das ist alles kein Problem. Problematisch sieht man aber seine Haltung an. Denn die wird nun mittlerweile als Swastika – also als Hakenkreuz – angesehen.

2012 wurde die österreichische Nationalhymne von „Heimat bist du großer Söhne“ in „Heimat großer Töchter und Söhne“ geändert. Dennoch sang er beim Großen Preis von Österreich 2014 noch den alten Text und argumentierte damit, dass „dieser Gender-Wahnsinn“ aus den letzten Jahren nun mal wieder aufhören müsse. Gleichwohl steht er sehr wohl für Frauenrechte.

Zudem wurde er bei der Aussage „Es ist nicht leicht auf dieser Welt, wenn man als Manderl heute noch auf ein Weiberl steht“ ausgerechnet von der FPÖ unterstützt. Nicht zuletzt äußerte er sich mutmaßlich abwertend über „Der Standard“ und „Falter“, zwei linksliberale Publikationen aus Österreich. Und damit stand er endgültig in der rechten Ecke. Das kann man hier alles nachlesen.

Darf er das?

Die Münchner Faschingsgesellschaft „Narrhalla“ verleiht seit 45 Jahren den Karl-Valentin-Orden. In diesem Jahr soll wohl der Österreicher geehrt werden. Dafür wird der Verein heftigst kritisiert. Man fragt sich, ob er das darf: Von „Kameradschaft“ und „Eisernen Kreuzen“ singen. Diesbezüglich hat sich auch der Valentinsche Nachlassverwalter heftig dagegen gewehrt, dass Karl Valentin mit Andreas Gabalier in Verbindung gebracht wird.

Allerdings hat sich der Vizepräsident von Narrhalla auch dazu geäußert. Die Vorwürfe seien nicht haltbar, da „80000 Mädels in einem Stadion“ sicher nicht irren könnten. Jetzt stellt sich die Frage, wofür Andreas Gabalier geehrt werden soll, nachdem Philipp Lahm für „Die meiste Luft hat der Ball“ geehrt wurde. Es soll Gabaliers künstlerische Leistung sein. Na dann…

Meine bescheidene Meinung dazu

Nein, Andreas Gabalier hat sich beim Großen Preis von Österreich nicht versungen wie Sarah Connor im Jahr 2005, als sie in der Allianz Arena in München „Brüh im Lichte dieses Glückes“ sang und monatelang für Lacher sorgte. Der Österreicher hat bewusst den nicht mehr aktuellen Text der Nationalhymne Österreichs verwendet. Macht ihn das zum Nazi? Nein.

Auch die abwertende Haltung gegenüber ausgewählten Publikationen oder die Verwendung von „Kameradschaft“ und „Eisernes Kreuz“ in einem Lied macht ihn nicht zum Nazi. Und dass man dieses Bild als Hakenkreuz-Symbol ansieht, bedarf schon etwas Fantasie. Das Alles macht ihn selbstverständlich nicht zum rechtsradikalen Frauenfeind und auch nicht zum Homophoben. Aber vielleicht die Kombination aus allem?

Gleichwohl geht es um die Frage, was man noch alles sagen darf. Natürlich darf auch Andreas Gabalier seine Meinung haben und äußern. Allerdings ist er eine Person des öffentlichen Lebens. Das ist etwas anderes, als wenn irgend jemand solche Dinge in einer Bierlaune am Stammtisch von sich gibt. Das ist meiner Meinung nach die eigentliche Kontroverse.

Selbstverständlich darf sich Andreas Gabalier äußern. Wer will es ihm verbieten? Aber er kommt nun mal aus Österreich. Aus dem österreichischen Norden kam ein verwirrter Mensch, der das größte Leid über ganz Europa, über Deutschland und über Angehörige einer der Weltreligionen gebracht hat. Deshalb sollte er solche Sätze nicht öffentlich äußern.

Na, und jetzt?

Wenn ich Andreas Gabalier wäre, würde ich den Anstand haben und den Orden nicht annehmen. Die Narrhalla findet bestimmt andere mögliche Preisträger. Aber vorschreiben wird man es nicht können. Aber so etwas reizt dann die Kritiker. Und die Gegner der Kritiker. Und es schafft nur Durcheinander. Nein, der Gabalier ist kein Nazi, und die Narrhalla zeichnet auch keine Nazis aus. Aber vieles zeichnet augenscheinlich halt ein anderes Bild.

Wie will man denn die Kuh jetzt wieder vom Eis bekommen? Andreas Gabalier ist, wie Karl Valentin war: Ein populärer Volkssänger, der nicht auf den Mund gefallen ist. Das ist ein blöder, gordischer Knoten. Und man sagt sich insgeheim über den Kärntener: Ja, hätte er doch nur den Mund gehalten.

Ein Kommentar

  1. Man kommt schneller in die Nazi-Ecke als einem lieb ist. Es bedarf dazu wahrlich nichteinmal wirklich rechter Äußerungen, zumindest in einigen Gruppierungen.

    Ich rätsel immer noch darüber, wo meine rassistische Tendenz liegt, ebenso meine sexistische. Wobei die sexistische mir schon fast klar ist. Ich lehne eine gendergerechte Verhunzung der Sprache ab. Aber das rassistische? Ich weis es nicht.

    Ist schon irre: einerseits bin ich ein ganz schlimmer Gutmensch, mir wird mit Gewalt gedroht, man will nicht mal vor den Enkeln haltmachen, andererseits soll ich ein Rassist sein. Wenn ich das nun auf meine Person runterbreche, dann wären Rassisten ja halbwegs gute Menschen? Ich berate und begleite Migranten aus vielen, auch amerikanischen und europäischen Ländern. Kein einziger von denen hat sich bisher beschwert. Hm, woran das liegen mag?

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