Angela Merkel: Abgang auf Raten und Problem für die AfD

Die Bundes-Dorothea ist in aller Munde und stürzt die Politik in den Abgrund. Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt in Raten ihre politischen Geschäfte ab. Man könnte meinen, dass damit eines der Hauptziele der Alternative für Deutschland erfüllt ist. Aber gleichzeitig ist damit eins ihrer größten und exitenzbedrohenden Probleme entstanden. Darüber müssen wir mal kurz reden.

Angela Merkel sagt leise „Servus“

Es gibt Millionen Menschen in Deutschland, die gar nicht wissen, dass es Bundeskanzler vor Angela Merkel gab. Sie befindet sich mittlerweile im 14. Jahr ihrer Kanzlerschaft. Und sie wird es wohl bis zur nächsten Bundestagswahl 2021 bleiben, wenn ihr Plan aufgeht. Allerdings wird sie den Parteivorsitz schon mal abgeben und nach und nach die politischen Geschäfte übergeben. Zur Wahl tritt sie dann nicht mehr an und zieht sich zurück.

Es ist schon irgendwie so, dass es in Deutschland mit einer anderen Leitung der Exekutive als Angela Merkel düsterer ausgesehen hätte. Man kann mit dem erzkonservativen Stil von ihr und dem ganzen Aussitzen unzufrieden sein, keine Frage. Aber unterm Strich war ihre Zeit durchaus erfolgreich. Und ihr Satz „Wir schaffen das“, der ihr lange Zeit um die Ohren geflogen ist, hat sich irgendwie bewahrheitet.

Gleichwohl ist es aber so, dass in Deutschland der Stillstand ausgebrochen ist, dass zu sehr den Lobbyisten nach dem Maul gequatscht wird, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander klafft usw. Das muss sie sich in der Bilanz vorhalten lassen. Und einiges anderes mehr. Sie sagte mal, dass sie so lange Kanzlerin bleiben wollte, so lang sie etwas bewegen kann. Und diese Ära geht nun irgendwie zu Ende.

Wie die Geier

Kaum hatte Angela Merkel ausgesprochen, dass sie ihre Amtsgeschäfte abgeben wird, kamen schon die ganzen Möchtegerns und Niegewesens um die Ecke und beanspruchen den Parteivorsitz, wollen sich zumindest darauf bewerben und behaupten, sie seien die beste Lösung. Wie die Geier balgen sie sich um den Posten. Annegret Kramp-Karrenbauer, Armin Laschet, Jens Spahn und der „Untote“ Friedrich Merz bisher, aber es ist ja noch nicht zu Ende.

Da wird die Beute zerteilt, bevor sie erlegt wurde. Die farblose „AKK“ wirkt nicht tauglich. Ob ein erzkonservativer Homosexueller wie Jens Spahn der CDU vermittelbar ist, weiß niemand. Friedrich Merz haftet das Odeur des Lobbyisten an und ist demnach auch nicht sinnvoll darstellbar. Und Armin Laschet ist sich noch nicht sicher und würde mit einer Kandidatur die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen nachhaltig schädigen.

Jetzt fehlte nur noch, dass noch ein paar mehr um die Ecke kommen. Vielleicht hat ja Volker Bouffier keine Lust mehr auf Hessen, nachdem seine CDU dort abgewatscht wurde. Vielleicht kommt die „Flinten-Uschi“ Ursula von der Leyen auf die Idee, die „Merkel 2.0“ zu spielen. Aber wer weiß, Julia Klöckner oder Thomas Strobl könnten auch noch aufwachen. Da ist viel im Fluss, und das müssen wir mal abwarten.

Neuer Stil in der CDU

Wie es scheint, wird mit dem häppchenweisen Rückzug von Angela Merkel die Personalunion von CDU-Chef und Bundeskanzler aufgebrochen. Carsten Linnemann, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hatte interessanterweise gesagt, dass die CDU aufhören müsse, so regierungstreu alles nachzureden, was die Kanzlerin sagte. Deshalb kann man schon irgendwie erwarten, dass ein neuer Stil innerhalb der CDU einziehen wird.

Vielleicht ist es ja am Ende ganz gut, wenn dieser behäbige Tanker namens CDU einen neuen Kapitän bekommt. Der darf sich gern mehr trauen. Aber auch nicht zu viel, da sonst die CDU vielleicht mit etlichen Schwierigkeiten kollidieren wird. So, wie es der SPD derzeit ergeht. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Chefin irgendein Easy Rider sein kann.

Nun hat die AfD aber ein Problem

Neben der ganzen Rhetorik der blauen Partei bezüglich der Migration, die schon ziemlich unterirdisch ist, hatte die AfD eigentlich nur noch ein weiteres Hauptthema. Und das hieß: „Merkel muss weg“. Wenn Angela Merkel sich nun nach und nach zurückzieht, hat die AfD ein riesiges Problem. Gegen wen wollen sie denn dann Stimmung machen? Gegen die in Hamburg geborene und in der Uckermark aufgewachsene Pfarrerstochter ja dann nicht mehr.

Damit dürfte sich die AfD auch ein Stück weit unnütz machen. Denn wenn wir mal ehrlich sind, dann ist das Geschwafel, die Blauen wären die „Partei des kleinen Mannes“, nur das Dreschen von hohlen Phrasen. Das ist die Partei genau so viel oder so wenig wie alle anderen, eher noch viel weniger. Und somit wird der AfD eins von zwei Standbeinen weg geschlagen, wenn Angela Merkel nicht mehr antritt. Und das könnte ein enormer Rückschlag sein.

Andererseits gebe ich mich aber auch keiner Illusion hin. Diese Partei wird sich ein neues Hassobjekt suchen. Aber es wird bei Parolen bleiben, weil nicht viel mehr aus der Ecke zu hören ist. An einem zielführenden Diskurs ist sie doch bisher nicht interessiert gewesen. Zumindest, wenn man so allerlei Meldungen über diese Partei hört.

Ratlose Politiker

Die Ankündigung von Angela Merkel trifft nicht nur die CDU, die sich nun „plötzlich“ neu erfinden muss. Auch alle andere Parteien müssen sich nun bewegen. Die SPD sowieso als Koalitionspartner. Aber auch die gesamte Opposition muss nun aus dem Schatten raus, in dem sie sich eingerichtet hat. Das dürfte ziemlich viele Politiker ratlos machen. Vielleicht führt der angekündigte Rückzug ja auch zu einem politischen Neuanfang und einem Ausbruch aus den festgefahrenen Bahnen. Zu wünschen wäre es.

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2 Kommentare

  1. Ob der AfD ihr ursprüngliches Thema, die Abschaffung des Euro wieder einfällt?
    Ach nee, die kleben ja selbst zu dolle dran, haben auch ihre Sitze in Brüssel und ihre Vorteile vom Euro.
    Hm, wenn die AfD nun sich selbst abschaffen würde, wär das doch schonmal ein guter Anfang

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