Der falsche Bescheid der Ausländerbehörde

Ist es soziale Gerechtigkeit, wenn monatlich tausende Euro von der Ausländerbehörde an eine Flüchtlingsfamilie ausgezahlt werden? Es geht um eine Familie mit neun Kindern, deren Bescheid nicht verfremdet im Internet kursiert. Natürlich schlug das Alles hohe Wellen. Aber was ist denn am Ende wirklich an der Sache dran? Bevor hier weiter die Flüchtlingsfamilie Gefahr läuft, vom rechten Mob behelligt zu werden, müssen wir uns darüber unterhalten, was denn eigentlich geschehen ist.

Gibt es den Bescheid der Ausländerbehörde überhaupt?

Über 7300 Euro bekommt laut Bescheid eine Flüchtlingsfamilie ausgezahlt. So sagt es ein Bescheid aus, der derzeit im Internet kursiert. Ich halte es dabei für eine bodenlose Frechheit, dass der Bescheid mit vollen Daten kursiert. Das heißt, dass komplett alle Vor- und Nachnamen aller Familienmitglieder sowie die vollständige Anschrift lesbar sind. Mir liegt dieser Bescheid auch vor. Also kann ich tatsächlich bestätigen, dass es diesen Bescheid der Ausländerbehörde im Landkreis Leipzig gibt. Es wird aber niemand bestätigen, dass dieser Bescheid echt ist, denn das fällt unter den Sozialdatenschutz.

Damit ist eigentlich die Überschrift des Artikels falsch, oder? Ich meine, es kursieren immer wieder irgendwelche angeblichen Bescheide, die echt wirken und es dann doch nicht sind. Hier wurde ein Schriftstück fotografiert, das tatsächlich existiert. Aber: Es ist eben so, dass echte Bescheide so aussehen wie der, der da kursiert. Durch den Sozialdatenschutz wird niemand in der Verwaltung des Landkreises Leipzig bestätigen oder verneinen, dass der Bescheid echt ist. Also kann meine Überschrift auch stimmen. Wir wissen es letztlich nicht.

Aber diese Summen!

Als Gesamtsumme steht auf dem Bescheid der Betrag von 7345 Euro. Ich weiß noch, wie das damals war, als ich Sozialleistungen erhielt. Am Ende stand eine Gesamtsumme. Und so ist es auch hier bei dem in Rede stehenden Bescheid. Es scheint erst einmal nicht daraus hervor zu gehen, wofür die Leistungen bezahlt werden. Darin eingerechnet sind eben auch die Kosten für die Unterbringung der Großfamilie. Es handelt sich nämlich um eine Unterbringung in einem Flüchtlingsheim. Und da fallen eben neben Miet- und Nebenkosten auch Kosten für die soziale Betreuung, Wachschutz und Möblierung an.

Aus der Behörde hört man dazu, dass dafür durchaus um die 4000 Euro im Monat anfallen können. Das hat nichts mit einer Bereicherung zu tun. Es sind einfach Sätze, die die Betreiber der Heime ansetzen. Der Familie an sich stünden dann nur um die 300 Euro pro Person im Monat zu. Das geht aber nicht aus dem Bescheid hervor. Zumindest nicht aus der Version, die da im Internet die Runde macht. Es heißt in den Boulevard-Medien gar, dass nur 2776 Euro ausgezahlt wurden. Und all das wird diskutiert, wenn es um einen angeblichen Bevölkerungsaustausch geht.

Was Sie auch interessieren könnte:

9 Kommentare

  1. Wenn man Flüchtlinge Borna bei Google eingibt kommt man zu einem Video, indem der Bürgermeister von Borna erklärt was diese Unterkunft kostet. Nämlich 31.000 € Miete monatlich plus 120.000€ für Sicherheitsdienst, Sozialarbeiter usw. Dann kommt man bei einer geplanten Belegung von 280 Personen auf über 600€ Kosten der Unterkunft. Es zeigt also ganz deutlich, dass die dezentrale Unterbringung eindeutig billiger ist.
    Vielleicht denken aber auch mal die Hetzertöne darüber nach, warum ein teurer Wachschutz nötig ist? Ohne den wäre es nämlich deutlich billiger.

  2. Die abgebildeten Seiten sind nur die Hälfte des Bescheides. Auf den vorliegenden Seiten wird nur der Bedarf der Familie aufgeführt.
    Wenn das Hetzerpack ehrlich wäre, hätte man auch die folgenden Seiten veröffentlicht, auf denen zu ersehen wäre, dass das Kindergeld ebenso wie bei jedem Alg2-Empfänger auch als Einkommen abgezogen wird, ebenso dass die Miete nicht an die Familie sondern an den Betreiber der Unterkunft gezahlt wird. Blöderweise ist dann die Zahl bedeutend geringer die dann noch zur Auszahlung kommt. Mit so Lumpen Zahlen kann man nicht mehr so richtig hetzen, das könnten zuviel selber nachrechnen.
    Und nochmal die Frage nach den Kosten für den Wachschutz. Mal angenommen 2 Personen pro Schicht zum Mindestlohn macht das an reinen Lohnkosten pro Tag 571,40 plus Arbeitgeberabgaben, Unternehmerinnen, Kosten der Verwaltung usw. Also gut 1200€ pro Tag für einen Wachschutz, der vermeidbar wäre, wenn Nazis denken und rechnen könnten.

    1. Hallo Kathrin, es ist doch aber viel einfacher, irgendwas reißerisches von sich zu geben. Da steigen auch gern mal frühere Journalisten und heutige Verschwörungstheoretiker mit ein. Diese beiden Seiten, die ich ja nicht mit im Artikel integriert habe, scheinen in der Tat nur die halbe Wahrheit zu sein. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass bei so einem Bescheid nur zwei Blätter vorhanden sind. Aber das wäre ja für viele nur zu viel Information. Also lässt man das Ganze geflissentlich weg. So lässt sich viel besser Stimmung machen.

      1. Ja, genauso ist es. Mit Halbwahrheiten wird gerade bei den Angehängten der Gesellschaft Neid und Hass geschürt. Schauen wir doch einfach mal im Geschichtsbuch 90 Jahre zurück. Genauso hat es damals angefangen.

        1. Hallo Kathrin,

          stimmt, so ging das damals los. Nicht umsonst mahnt man derzeit mit „Wehret den Anfängen“. Wenn wir noch die ganze falsche Berichterstattung mit hernehmen, sieht man erstmal, wie weit wir da schon wieder sind.

    1. Naja, das dortige Zitat ist ja die Aussage, die sowieso kursiert. Das ist also nicht wirklich eine Neuigkeit. Was der verlinkte Artikel aussagt, ist folgendes: 10 Leute kriegt man zu diesem und jenem Preis unter. Was dabei vergessen wird: Die Kosten für das Service-Personal, für den Wachschutz, für die ganztägige Betreuung, für die Möbel und so weiter. Die kommen ja noch oben drauf. Aber das lassen viele einfach mal unter den Tisch fallen. Ist ja viel einfacher.

      1. Nee, die Kosten für Wachschutz, Betreibergewinne, Sozialarbeiter, Möbel etc sind in der horrenden Miete schon drin. Die Stadt Borna hat zum Preis von 31.000€ monatlich ein leerstehendes Verwaltungsgebäude einer wohl nicht mehr existenten Firma gemietet. Für weitere über 120.000€ monatlich fallen eben jene Kosten für Wachschutz, Sozialarbeiter etc an. So kommt man dann eben auf die rund 700€ Miete je Person.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.