Russland, sein eigener Krieg und der Anschlag

Alle Welt hört derzeit auf Warnmeldungen, dass Terroranschläge bevorstehen. Wir Deutschen haben dabei besondere Angst vor Anschlägen auf unsere Industrie oder auf unsere großen und bedeutenden Städte. Den Franzosen, Engländern oder erst recht den Amerikanern ergeht es genauso. Und fast vergessen ist dabei der schwelende Kaukasus-Konflikt, mit dem sich Russland befassen muss.

Kaukasus? Da war doch was. Richtig, es ist der ständig lodernde Konflikt mit Tschetschenien, der immer wieder Russland erschüttert. So auch heute wieder.

Ein verheerender Selbstmordanschlag erschütterte heute um 16.32 Uhr Ortszeit (14.32 Uhr MEZ) den Moskauer Flughafen Domodedowo, es gab 35 Tote und etwa 170 Verletzte. Derlei Anschläge wegen der Unruheregion gab es in den letzten Jahren wiederholt. Staatspräsident Dmitri Medwedew schaltete den Inlandsgeheimdienst FSB ein und ordnete im ganzen Land erhöhte Alarmbereitschaft an. Auf Flughäfen und Bahnhöfen gelte von sofort an eine erhöhte Sicherheitsstufe, sagte Medwedew im Staatsfernsehen.

Sonst konnte sich Russland im Stillen darum kümmern. Diesmal ist es anders, da gewaltiger Druck von außen wirkt, stehen doch Russland mit den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi und der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 gleich zwei Großereignisse ins Haus.

Auch Stunden nach dem Anschlag flossen Informationen über das Geschehen am modernsten Moskauer Flughafen nur spärlich. Selbst das russische Fernsehen zeigte zunächst keine eigenen Bilder, sondern brachte Videos, die Augenzeugen auf YouTube und andere Internet-Plattformen hochluden. Es sollen wohl Sprengsätze explodiert sein, die mit Metallsplittern gefüllt waren.

Nach dem Anschlag wurden die Verletzten auf 4 Krankenhäuser verteilt. Die russischen Behörden stoppten auch zunächst alle Flüge von und nach Domodedowo. Die Maschinen wurden auf die beiden anderen Moskauer Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo umgeleitet.

Medwedew sagte seine Rede auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos aufgrund der Lage ab. Er kritisierte allerdings die Sicherheitsvorkehrungen am Airport als zu lasch. Auch Augenzeugen meinten, dass sie sich im Land nicht mehr sicher fühlten.

Aus Furcht vor weiteren Anschlägen versetzten die Moskauer Behörden auch die beiden anderen internationalen Moskauer Flughäfen sowie die Metro in Alarmbereitschaft. In der U-Bahn hatte sich im März 2010 ein Selbstmordanschlag mit 40 Toten ereignet. Die Täterinnen kamen damals aus dem Unruhegebiet Nordkaukasus.

Die Drohung, den Terror nach Moskau zu bringen, haben Islamisten immer wieder erneuert, da es nahezu täglich zu Kämpfen zwischen Terroristen, Kriminellen und Kremltreuen kommt. Die russischen Behörden sind dafür bekannt, mit großer Gewalt gegen tschetschenische Terroristen vorzugehen. Erst im vergangenen November hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Russland wegen eines Bombenangriffs in Tschetschenien verurteilt. Moskau habe damit den Tod von 24 Zivilisten verursacht.

Da kommt noch einiges auf Russland zu. Die Anschläge auf die Moskauer U-Bahn und auf den Airport werden nicht die letzten sein.

Die islamistischen Separatisten haben ihr Operationsgebiet nach der weitgehenden Einstellung der Kämpfe in Tschetschenien in die Nachbarrepubliken Inguschetien und Dagestan verlagert. Ihr Ziel besteht nicht etwa in der Unabhängigkeit Tschetscheniens, sondern in der Errichtung eines sunnitischen Reiches, das von Südossetien bis in den Norden der Türkei reicht. Das sogenannte Kaukasus-Emirat verfolgt damit ähnliche expansionistische Ziele wie al-Qaida im Irak, den die Terrororganisation als Ausgangspunkt für ein Kalifat von Basra bis Tripoli ansieht.

Insofern stehen Russland und den Anrainerstaaten unruhe Zeiten bevor. Das Kaukasus-Emirat wird versuchen, seine Ziele durchzusetzen. Betrifft die Problematik Deutschland? Ich würde sagen: Ja. Durch die Globalisierung geht uns alles etwas an. Und im internationalen Staatenverbund spielt Deutschland in der Terrorbekämpfung eine wichtige Rolle.

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