Ist es wirklich so seltsam? Haben sich die Menschen in Sachsen-Anhalt vor der Wahl echt nicht darüber informiert, was die AFD vorhaben wird? Ich bin ja regelrecht schockiert. Wobei: Eigentlich nicht, da man ja viel mitbekommt, dass AFD-Wähler grundsätzlich erstmal allem misstrauen, was nicht mutmaßlich von AFD- und AFD-nahen Kanälen kommt. Aber trotzdem müssen wir darüber reden. Es ist nämlich wirklich erschütternd. Wie soll man denn so glauben, dass die Wähler eine informierte Stimmabgabe vollzogen haben?
Wann Sachsen-Anhalt am meisten nach der AFD gegoogelt hat

In den letzten 12 Monaten war die Zahl der Suchanfragen über Google aus Sachsen-Anhalt zum Suchbegriff „AFD Sachsen-Anhalt“ sehr überschaubar. Es stieg dann kurz vor der Wahl an, um dann am Wahltag Punkt 18 Uhr zu eskalieren. Verstehe ich das richtig? Die haben dort zu 44% diese Partei gewählt und sich erst danach darüber informiert? Das ist doch irgendwie vergleichbar zu dem Verhalten der Briten, als sie über den Brexit abgestimmt hatten.
Flugs kam sie herbei: Die Ningelei, dass das doch alles gar nicht so gemeint war und es ein neues Referendum geben soll. Und nun passiert das Gleiche in Sachsen-Anhalt? Echt, Leute, man muss sich doch vorher darüber informieren, was man gut findet und was nicht. Oder muss das heutzutage alles nicht mehr sein? Würfelt man seine Stimme? Ist eh alles egal? Oder sind die Menschen im Nachbar-Bundesland einfach „zu dumm“?
Es ist dann doch ganz einfach
Zunächst einmal: Ich würde niemals auf die Idee kommen, ganze Bevölkerungsteile irgendwie abwertend zu beschimpfen. Das macht unser Bundeskanzler-Darsteller schon zu genüge. Also scheidet zumindest für mich aus, dass die Menschen im „Land der Frühaufsteher“ irgendwie minderbemittelt sind. Aber warum hat denn bis zum Wahltag kaum jemand bei Google danach gesucht, was die AFD wirklich vorhat in dem Bundesland? Und ich komme da zu einer einfachen Schlussfolgerung.
Die Menschen im Osten sind schnell davon genervt, wenn ihnen irgendwas immer wieder mantraartig erzählt wird. Auch immer im Hinblick darauf, dass man uns belehren will. Warum soll das in Sachsen-Anhalt anders sein? Wenn also jeder pausenlos davon palavert hat, dass die AFD „gesichert rechtsextremistisch“ ist, ohne dass Konsequenzen folgen, dann verfängt das nicht mehr. Oder anders gesagt: „Fickt euch mit eurer gesichert rechtsextremistischen Bestrebung.“
Und dann verlassen sich die Leute halt auf die Kanäle, die sie kennen. Da macht der Siegmund Volksfeste, lange bevor es Wahlkampf gibt. Den kennt man also. Und der hat unfassbar viele Follower auf Social Media. Da können sie im Öffentlich-Rechtlichen noch so viele „Hart aber Fairs“ oder „Maybritt Illners“ oder sowas machen und das gleiche Mantra vor sich her beten. Das sehen dann die, die auf den Volksfesten waren, ohnehin nicht.
Darüber hinaus ist es so, dass sich Menschen immer häufiger über Social Media statt über News informieren. Und da kommen die unfassbar vielen Follower von Siegmund ins Spiel. Sprich: Die 44%, die in Sachsen-Anhalt die AFD gewählt haben, mussten sich nicht informieren, das hat ihnen die Partei abgenommen. Und jetzt bin ich gespannt, ob in Kürze Massen daher kommen und eine Neuwahl fordern. Nicht mal die AFD schließt das ja aus. Verrückte Zeiten.




@henning-uhle.eu
Jetzt haben sich 41,keks% der Leute in einer "offiziell demokratischen" Wahl bewusst für diese Partei entschieden.
Wir brauchen nicht mehr von Protest Wähler oder Angst Wähler ( besorgte Bürger) zu reden. Bei diesen Medien-Hype, 1000 Talkshows, Zeitungsberichten und auf jeder Plattform wurde analysiert und diskutiert, hat jeder gewusst, was er wählt. Das war eine bewusste Entscheidung.
Eine Partei ohne Wähler ist nix!
Wo ist der Fehler?
Remote-Antwort
Ursprüngliche Kommentar-URL
Dein Profil
Warum muss ich mein Profil eingeben?
Diese Website ist Teil des ⁂ Open Social Web, einem Netzwerk miteinander verbundener sozialer Plattformen (wie beispielsweise Mastodon, Pixelfed, Friendica und andere). Im Gegensatz zu zentralisierten sozialen Medien befindet sich dein Profil auf einer Plattform deiner Wahl, und du kannst mit Menschen auf verschiedenen Plattformen interagieren.
Wenn du dein Profil eingibst, können wir an dein Profil senden, wo du diese Aktion abschließen kannst.
Hallo Henning,
deine Gedanken finde ich interessant. Gerade der Punkt, dass die ständige Wiederholung „gesichert rechtsextremistisch” offenbar viele Menschen überhaupt nicht mehr erreicht, beschäftigt mich auch.
Bei den Google-Suchanfragen wäre ich allerdings etwas vorsichtig mit der Schlussfolgerung, dass sich die Menschen deshalb nicht über die AfD informieren. Nicht alle informieren sich über Google und wer sich bereits über andere Quellen informiert hat, sucht vielleicht gar nicht mehr danach. Gerade wenn Menschen ihre Informationen hauptsächlich über Social Media oder bestimmte politische Kanäle beziehen, kann das Suchverhalten bei Google ziemlich wenig über ihren tatsächlichen Informationsstand aussagen.
Was ich allerdings für viel interessanter halte: Selbst wenn die Menschen wussten, wofür die AfD politisch steht, haben 43,8 Prozent sie trotzdem gewählt. Und genau da wird es für mich wirklich schwierig.
Denn dann können wir nicht einfach sagen: „Die haben sich halt nicht informiert.“ Vielleicht haben sich viele sehr wohl informiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass sie diese Politik wollen – oder dass ihnen andere Themen wichtiger sind. Das finde ich ehrlich gesagt noch beunruhigender.
Und damit sind wir wieder bei unserer Diskussion unter deinem vorletzten Beitrag: Ich bin auch der Meinung, dass es nicht ausreicht, immer wieder „gesichert rechtsextremistisch“ zu sagen. Wenn eine Partei mit diesem Etikett trotzdem 43,8 Prozent erreicht, muss man sich irgendwann fragen, warum diese Botschaft nicht mehr verfängt.
Für mich gehört zur Antwort aber eben beides: konkrete politische Lösungen für die Probleme, die die Menschen umtreiben, und gleichzeitig eine sehr klare Auseinandersetzung damit, was die AfD tatsächlich politisch vorhat.
Gerade beim zweiten Punkt finde ich es wichtig, nicht nur zu betrachten, warum Menschen die AfD wählen, sondern auch, was sie mit ihrer Stimme möglicherweise mitwählen.
Und genau deshalb finde ich deinen Beitrag wichtig. Die Frage, ob die Wähler:innen vor der Wahl wirklich wussten, was sie da wählen, sollten wir uns durchaus stellen. Ich würde jedoch nicht automatisch unterstellen, dass die Antwort „nein“ lautet. Vielleicht ist die Realität leider komplizierter.
Lorenzo
Das mit dem Mantra ist halt das, was ich selbst in Sachsen-Anhalt erlebt hatte. Wenn du mit den Leuten dort sprichst, die dort wohnen, sind das alles Leute mit völlig normalen Ansichten und alltäglichen Sorgen und Nöten. Und DIE kommen auf die Idee: Wenn die AFD wirklich verfassungswidrig wäre, dann verbietet sie doch. So lang das nicht geschehen ist und ihr euch – statt um die Menschen zu kümmern – an ihr abarbeitet, so lang hängt ihr uns zum Halse raus. Das denke ich mir nicht aus, das ist wirklich das, was man dort erlebt.
Und das mit den Suchanfragen sehe ich doch nicht anders als du. Ich habe ja geschrieben: Die kennen den Siegmund vom Dorffest, und außerdem grinst der immer so nett auf Instagram. Was soll da schon schlimmes passieren? Die mussten sich nicht mehr über die AFD informieren. Ich fand aber den Zeitpunkt sehr spannend, als die Suchvolumina so extrem anstiegen: Sonntag, 06.09.2026, 18:00 Uhr.
Warum die Botschaft nicht verfängt, kann ich dir sagen: Siehe mein erster Absatz in meiner Antwort. Man stellt eine Diagnose, aber es folgt keinerlei Therapie. Und statt sich um echte Themen zu kümmern, zeigt man mit dem Finger auf den Laden. Das ging ja danach weiter. Wie so ein paar Kindergartenkinder, unter denen eins eine Schaufel im Sandkasten genommen hat. Verstehst du, was ich meine? In Sachsen-Anhalt ging es darum: Die einen kamen mit „Wir machen das Land besser“ und alle anderen mit „Die Blauen sind böse, that’s it“. Ich habe es gesehen, es war wirklich so.
Wie sehen denn konkrete Lösungen aus? In Sachsen-Anhalt geht es der Industrie ganz besonders schlecht, verdienen die Menschen ganz besonders wenig, fährt der Bus aufm Dorf ganz besonders unpünktlich, schließen besonders viele Landarzt-Praxen. Ich sage nicht, dass es woanders nicht passiert. Aber in Sachsen-Anhalt hatten sie das ganz extrem nach der Wende und haben jetzt seit Jahren ein Deja Vu. Da reicht es nicht, „Wir müssen Lösungen anbieten“ in Kameras aus Hamburg oder Köln zu sprechen, wenn da nichts kommt. Und es reicht auch nicht, „Die AFD ist böse“ zu schreien. Und es reicht auch nicht, dass die Medien Parachute-Journalismus machen.
Wie gesagt, ich habe nicht geschrieben, dass sie nicht informiert waren. Man informiert sich halt heute mehr auf Social Media, als in klassischen Nachrichten oder Suchmaschinen. Was da möglicherweise durch das Ergebnis folgt, dämmerte wohl vielen erst ab 18:00 Uhr. Und ja, Realität ist kompliziert. Hier ist die Politik gefragt, Knoten zu entwirren. Mir scheint, viele Politiker im Berliner Elfenbeinturm suchen aber immernoch nach dem Knoten.
Ich habe nur bis „Haben sich die Menschen in Sachsen-Anhalt vor der Wahl echt nicht darüber informiert, was die AFD vorhaben wird?“ gelesen. Gegenargument: Doch, und darum die AfD gewàhlt!?
Und weil du ja so gebildet bist und Quellen magst: Was haben sie denn vor?
Ich hab deinen Kommentar nur bis „gelesen“ gelesen.