Straßburg: What about Terrorismus?

Gestern Abend fand ein schlimmer Anschlag in unmittelbarer Nähe des Weihnachtsmarktes von Straßburg statt. Wir müssen uns darüber einfach mal unterhalten. Irgendwie ist mir das ein Bedürfnis. Denn wie es zu erwarten war, kommen nun wieder allerlei Meinungsäußerungen um die Ecke. Ich versuche keine Einsortierung, sondern einen eigenen Diskussionsbeitrag.

Was passiert in Straßburg?

Kennen Sie die Überschriften wie „Was wir bisher wissen“? Die schießen immer ins Kraut. Klar ist, dass ein gebürtiger Franzose mit marokkanischen Wurzeln in der Innenstadt von Straßburg das Feuer eröffnete. Es soll drei Tote und rund ein Dutzend Verletzte gegeben haben. Seitdem herrscht verständlicherweise Aufregung.

Vor allem, wenn man so weiter liest. Denn da ist die Rede davon, dass der 29 Jahre alte Täter schon des Öfteren in Frankreich und Deutschland in Straftaten verwickelt war und rechtskräftig verurteilt war. Er gilt als „Gefährder“ und sollte gestern morgen festgenommen werden, wurde aber nicht angetroffen.

Man habe wohl bei der Durchsuchung seiner Wohnung Waffen gefunden. Und er sollte wegen versuchten Mordes festgenommen werden. Und die Stimmung in der Bevölkerung in Straßburg im Kleinen, Frankreich im Großen und auch in den sozialen Netzwerken kocht hoch. Es ist von Terror die Rede. Und man solle ihn abschieben. Wohin denn, wenn er Franzose ist?

Meine Meinung dazu

Um es klar zu stellen: Ich liefere hier keine Berichterstattung. Und ich beteilige mich auch nicht an irgendeiner Hetze. Ich bin kein Jurist, kein Polizist, kein Politiker. Deshalb ist es nur meine Meinung. Die schreibe ich auch auf, um meine Gedanken zu sammeln.

Weshalb wurde der Franzose bereits so oft verurteilt? Und wieso ist er ein Gefährder? Wenn er ein Gefährder ist, wieso wurde er nicht engmaschig überwacht? Mir scheint, dass hier zum wiederholten Mal die Polizei und andere Behörden versagt haben. Vielleicht waren die ja auch alle mit den „Gelbwesten“ beschäftigt?

Aber dass der Mann nicht schon eher einkassiert wurde, stimmt nachdenklich. Ich kann mich dunkel an einen Spielfilm oder eine Reportage erinnern, in der genau das thematisiert wurde. Es gibt zu viele Interessen. Ein Täter muss samt Hintermannschaft, Equipment, Verwandten und Bekannten in einem Päckchen mit Schleifchen eingesammelt werden. Wie gut gelingt das denn? Und wer weiß, welche Interessen es sonst noch gibt?

So ungefähr muss das auch beim Berliner Anschlag auf den Breitscheidplatz gelaufen sein. Mehr oder weniger unverhohlen gab man zu, dass die Hintermänner wohl wichtiger waren, als die Sicherheit der Allgemeinheit. Und warum soll das in Straßburg anders gewesen sein? Gut, man kann hier nur rätseln, aber ich halte das für nicht ganz abwegig.

„Das steht so nicht im Koran!!1!!elf!!“

Wer behauptet, dass der Islam zum „heiligen Krieg“ aufruft, hat dafür sicherlich seine Gründe. Klar ist aber, dass der Islam wie auch andere Religionen nicht direkt zum Krieg auffordern. Und dann kommt der erhobene Zeigefinger, dass die Kreuzzüge der Katholischen Kirche vergleichbar sind mit dem heiligen Krieg. Und sie behaupten, dass der Jihad eben dieser Krieg sei.

In der Wikipedia steht, dass sowohl Koran als auch Sunna den Jihad als primär militärischen Kampf bezeichnen würden. Dennoch wird niemand ernsthaft behaupten können, dass alle Muslime per se Gotteskrieger seien. Und mal ehrlich: Bei der Tat in Straßburg ist ja noch gar nicht bestätigt, dass der Täter muslimischen Glaubens ist.

Das wiederum behaupten „News“-Seiten, die sich für die „wahren Nachrichten“ halten. Da liest man Überschriften wie „Islam-Terror in Straßburg“ oder so etwas. Aber ist das bestätigt? Wissen wir mit Sicherheit, dass es sich um einen Islamisten handelt? Also wenn wir mal die gesamte Nahrichtenlage überprüfen und nicht nur die uns genehme.

Wie dem auch sei, klar macht es Sorge. Der Mann hat marokkanische Wurzeln, könnte also ein Verfechter der Ideologie Islamismus sein. Aber die hat nichts mit dem Koren zu tun. Der Islam hat eine kritische Vergangenheit und musste sich immer verteidigen. Vielleicht ist das mit Jihad gemeint. Ein Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt steht nicht im Koran. Aber man verknüpft beides.

Merkels Freunde

Haben Sie auch so Bekannte, die Ihnen immer wieder etwas davon erzählen, dass das Alles nur daran liegt, weil Bundeskanzlerin Merkel „die Grenzen geöffnet hat“ und nun „Merkels Freunde“ oder „Merkels Gäste“ hierzulande „ein bisschen Krieg spielen“? Und was machen wir jetzt mit Straßburg? Denn ich wiederhole mal: Der Täter ist Franzose. Der ist kein Gast, sondern „ein Volk“.

Das hat nichts mit irgendeiner Flüchtlingsgeschichte zu tun. Vielleicht noch am ehesten mit den Siebzigern, als die POLISARIO für die Befreiung der West-Sahara von der Besetzung durch Marokko und Mauretanien Anschläge verübte. Denn der Täter hat nun mal seine Wurzeln in Marokko. Er selbst ist aber nie geflüchtet. Vielleicht seine Eltern, er aber nicht.

Insofern ist er kein „Freund“ von Angela Merkel. So, wie auch viele andere Täter mit Wurzeln in der arabischen Welt kein „Freundschaftsverhältnis“ zur deutschen Kanzlerin gibt. Aber man kann es dennoch einfach mal behaupten. Es klickt sich so wunderbar.

Am Ende finde ich einfach, dass man die Ermittlungen abwarten muss, obgleich mir bewusst ist, dass bei den oben genannten Versäumnissen auch diese Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen sind. Aber wir haben nunmal nichts anderes. So lang sollten wir aber wenigstens versuchen, auf niemanden zu hetzen. Vielleicht gibt es einen einfachen Grund für die Tat, der nichts mit Terror zu tun hat?

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