Ungarn: Spalter Orban ist weg

Es waren Wahlen in Ungarn. Mit einer krachenden Niederlage verabschiedet sich Viktor Orbán nach 16 Jahren aus dem Amt als Ministerpräsident. Ich habe – wie es bei Populisten mittlerweile üblich ist und zum „guten Ton“ gehört – inzwischen schon wieder irgendwelches Geseier mitbekommen, dass die Wahl „gestohlen“ sein soll. Freunde, nicht mal Orbán selbst kam auf die Idee, so einen Quatsch zu behaupten. Warum sind dann unsere deutschen Populisten, die „aufrechten Deutschen“ der Meinung, das behaupten zu müssen?

Ungarn, das EU-Schmuddelkind?

Ich habe Verwandtschaft in Ungarn. Demjenigen sieht man es sogar an, dass er keine Wurzeln in dem Land hat. Das tut aber so gar nichts zur Sache, und ich habe es nur für den Kontext überhaupt erwähnt. Jedenfalls wurde ja über das Land an Theiß, Donau und Balaton sonstwas behauptet. So hat man es halt geschafft, dass der Vielvölkerstaat – es sind ja nicht nur die Magyaren – ganz schnell in der Schmuddelkind-Ecke stand. War das gerechtfertigt?

Wie dem auch sei, es gilt als bewiesen, dass vieles in dem Land untrennbar mit der Putin-Sprechpuppe Orbán schief ging. Kann man da das gesamte Land dafür verantwortlich machen? Er soll recht autoritär geherrscht haben. Und soweit mir das immer erzählt wurde, war er immer bei den jungen Menschen im Land extrem unbeliebt. Die jungen Menschen haben immer mit seinem Laden „Fidesz“ gefremdelt. Da immer mehr junge Wähler nachwachsen und ältere nicht mehr leben, hat er nun die Wahl verloren.

Vielleicht, vielleicht auch nicht. Jedenfalls hatte wohl die Mehrheit der Wahlberechtigten in Ungarn die Nase vom Orbanismus voll. Die wollen nicht in der Sackgasse im Osten steckenbleiben. Die gucken auch nach dem Westen. In Ungarn wollen sie auch nur, dass Menschenrechte eingehalten werden, dass keinem Despoten Geld für einen unmenschlichen Krieg hinterher geschmissen wird, dass niemand Allmachtsfantasien hat. Das dürfte das Ergebnis erklären.

Die AfD verschweigt hier einiges

Wo sonst die blau-braunen Populisten aus deutschen Landen nicht hinterm Berg halten und immer drauflos palavern, sind sie erstaunlich zugeknöpft. Vielleicht, weil das Treiben von Orbán und seiner Fidesz das Vorbild der deutschen AFD ist? Wie war das denn mit der Erzählung der deutschen Populisten? „Merkel hat die Grenzen aufgemacht“ oder so. Und ihr kennt ja noch den Schreihals, der ins Mikro „WEGEN MERKEL“ brüllt. Das hatte ganz gut verfangen.

Allerdings hatte Orbán die europäischen Asylregeln, die 2015 in Kraft waren, mit abgesegnet, nämlich dass Asylsuchende in dem Land ihren Antrag stellen sollen, in dem sie die EU betraten. Das war damals Ungarn. Darauf hatte Orbán so gar keine Lust. Ihr könnt hier im Blog gern mal suchen, wie sehr ich mich darüber schon aufgeregt hatte. Aber hier steht das Alles komprimiert. Ungarn hatte alle weitergeschickt, und das hätte gar nicht passieren dürfen.

Der Gemeinschaftsgedanke innerhalb der EU wurde immer torpediert. Die Flüchtlinge kamen nach Deutschland, was die AFD groß machte. Nachdem Moskau in den syrischen Bürgerkrieg involviert war und Orbán Putins Sprechpuppe ist, war das Alles durch den russischen Despoten provoziert worden. Und der ist der Hauptsponsor der AFD. Und das Alles wollen die jämmerlichen Populisten am liebsten nirgendwo erwähnt wissen. Tun wir ihnen den Gefallen?

Wie geht es nun weiter?

Wird das jetzt in Ungarn eine neue Zeitrechnung, nachdem Viktor Orbán abgewählt wurde? Ich meine, der Wahlsieger heißt so wie das Hauptvolk in dem Land: Magyar. Brechen nun neue Zeiten an der Donau an? Natürlich muss man das erstmal beobachten. Schließlich kam Magyar ursprünglich auch aus der Fidesz, hat also Orbán’schen Stallgeruch. Ich werde mal schauen, was die Verwandschaft so erzählt. Man sollte ihm vielleicht erstmal eine Chance geben, oder?

Was die rechten Populisten in Europa und eigentlich auf der ganzen Welt betrifft: Vielleicht ist da ja jetzt so ein Kipppunkt erreicht. Trump und sein rechtsradikaler Trupp bekommt aus dem Volk Feuer. In Deutschland eilt die AFD auch nicht mehr von Wahlerfolg zu Wahlerfolg. Orbán hat in Ungarn verloren. Die Liste lässt sich trefflich fortsetzen. Ich denke zwar nicht, dass der Spuk recht schnell vorbei sein wird. Aber man darf ja noch träumen, nicht wahr?

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4 Kommentare zu „Ungarn: Spalter Orban ist weg“

  1. @henninguhle Ich bin ja eher skeptisch… Ich denke die Töpfe der Fidez sind verlockend, viel ist inzw. privatisiert bei Orbanfreunden,… die sind reich und mächtig, an denen kommt man wahrscheinlich schwer vorbei.

    Die Armut ist auch was wert… mein AG verlagert fleißig aus Deutschland, Polen,… nach Ungarn. Ist billiger! Und das machen gerade viele Deutsche Unternehmen. Man investiert da ja nicht damit jetzt die Löhne höher werden…

    Und in 4 Jahren sind ja schon wieder Wahlen! Schwer vorstellbar das bis dahin groß was erreicht werden kann…

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