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Das Handelsblatt über Klowände im Internet – Eine Fortsetzung der Selbstdemontage

Ja, das Handelsblatt bringt es auf den Punkt: Man hat es im Internet mehr und mehr mit Toilettenwänden zu tun. Und damit schreiben sich die Herren Stock und Prange in Grund und Boden. Natürlich werben sie ausschließlich für ein besseres Internet und ein besseres Urheberrecht. Und natürlich sind sie… Entschuldigung… nicht ganz dicht.

Es ist gerade erst eine Woche her, als ich über die seltsame Kampagne “Mein K@pf gehört mir” berichtet habe. Jetzt wurde nun also die Fortsetzung veröffentlicht. Die Fortsetzung hat einen noch viel… Entschuldigung… dämlicheren Namen:

Das Netz ist keine Toilettenwand

(Einen Link zum kompletten Artikel finden Sie am Ende des Beitrags.)

Was sie wohl damit meinen, die Herren Stock und Prange? Sie meinen diese Verewigungen in öffentlichen Toiletten wie “Evi ist doof” oder “Heute alle zu Markus zum Saufen” oder “LOK ist die Macht in Leipzig”. Man stört sich also nicht nur an übel riechenden Urin-Überresten sondern auch an versauten Wänden, wenn man so eine Örtlichkeit aufsuchen muss. Und an den Schmierereien stört sich nun das Handelsblatt.

Es prangert dabei Blogs, Foren, Twitter-Einträge und all das freie Geschreibe im Internet als Schmierereien an der Klowand an. Was wäre dann das Handelsblatt, wenn es nicht zu den Schmierereien gehört? Etwa der Urinüberrest? Worum geht es?

Es geht um die von allen Seiten des redaktionell unabhängigen deutschsprachigen Internet auf das Handelsblatt zugerollte Empörungswelle ob der Kopf-Kampagne. Stock und Prange kommen mit Floskeln um die Ecke, dass die Regeln der realen Welt nicht mehr gelten würden, weil jeder im Schutz der Anonymität vor sich hin schimpfen würde.

Überraschung, meine Herren! Die Domain, unter dieser Blog läuft, ist auf mich zugelassen. Mein Name steht im Domain Namen. Andere Blogs haben die Verfasser, also die Urheber, der betreffenden Artikel unter “By” oder “Autor” oder “Geschrieben von” stehen. Dass man also anonym und völlig grundlos auf das arme Handelsblatt eindrischt, dieser Vorwurf stimmt nicht.

Und gleich im ersten Absatz unterhalb des Titelbildes zu dem Artikel, das jemand bebrilltes vor dem Facebook-Profil der Polizei Hannover zeigt (Hat die Polizei hier eingewilligt?), finden wir die logische Kausalkette. Denn vom Shitstorm (also der Empörungswelle) und der Meinungsbildung geht es sofort ab zum Landgericht Leipzig, an dem der Chefprogrammierer von kino.to verurteilt wurde. Das passt wunderbar, liebe Leute. Besser kann man den logischen Zusammenhang gar nicht bilden. Und die Blogger, Twitterer und Forenmitglieder werden im gleichen ersten Absatz mit Hackern in einen Topf geschmissen. Ist ja auch nachvollziehbar, sind doch eh alles Verbrecher. Stimmt’s?

Danach erst – nachdem man einen Werbeblock überspringen musste – nimmt das Autorenduo endlich Bezug zum eigentlichen Thema. Es ist die Rede von über 160 Kreativen, von denen – wie bereits in anderen Blogs zu lesen ist – gut dreiviertel Rechteverwerter oder Manager sind, über die sich “eine Welle von Beschimpfungen” ergießt, weil diese für ein Recht am geistigen Eigentum werben. Als Verstärkung holt man noch die Tatort-Autoren mit ins Boot.

Internetaktivisten werden als Anonyme bezeichnet, als eine Szene, die keine inhaltlichen Ansatzpunkte hat. Und dann liest man weiter – unterbrochen durch einen Notfallplan zum Brechen der Empörungswelle – und stellt fest, dass Blogger – wie ich – für das Handelsblatt Irre sind.

An dieser Stelle muss ich abbrechen, in dem sechsseitigen Pamphlet weiterzulesen. Die erste Seite hat mir gereicht. Ich würde sonst wahrscheinlich in eine wahre Hasstirade einstimmen. Liebes Handelsblatt, du Hort grenzenlosen Unwissens, ich lasse mich nicht als Irrer bezeichnen. Mir ist dabei klar, dass ich nicht direkt gemeint bin. Aber wenn über “die Irren, die ihre Freizeit in Blogs, Videoportalen oder Foren verbrachten” geschrieben wird, fühle ich mich direkt angesprochen und in meiner persönlichen Ehre verletzt.

Thomas Knüwer hat in seinem Blog “Indiskretion Ehrensache” (also auch ein Irrer?) diesen Artikel ebenfalls auseinander genommen. Und er stellt fest, dass der Artikel im Handelsblatt von einer Dreistigkeit strotzt, die ihresgleichen sucht. Einerseits spricht das Handelsblatt bei seinem Vorgehen davon, dass es das Vorgehen der Menschen und Leser im Netz sei. Andererseits werden offensichtlich unrichtige und irreale “Beweise” geliefert.

Es werden Zitate angeführt, deren Quelle trotz angeblicher Screenshots nicht nachweisbar sind. Es werden grundlos Bürger und potentielle Leser beschimpft und belogen und im gleichen Atemzug auch noch als unsichtbare Waffe gegen die Toilettenwandbeschmutzer von der Bloggerfront eingesetzt. Das Handelsblatt scheint etwas dagegen zu haben, dass es Leute gibt, die eine starke aber zum Handelsblatt konträre Meinung haben und diese vertreten. Thomas Knüwer bringt es mit einem einzigen Satz auf den Punkt:

Man hat keine andere Meinung zu haben als das “Handelsblatt”, das steht auch mit Geheimtinte geschrieben im Impressum der Zeitung – bügeln sie nur mal drüber.

(Einen Link zum kompletten Artikel finden Sie am Ende des Beitrags.)

Diese wüste Hasstirade des Handelsblatts ist an Boshaftigkeit, Unwissen, Verlogenheit und Dreistigkeit nicht zu übertreffen. Ich denke, über kurz oder lang werden dies auch die Stammleser des ehemals renommierten Wirtschaftsblatts feststellen. Und dann bleibt abzuwarten, ob sich diese vom Handelsblatt abwenden. Ich an deren Stelle würde es tun. Denn wer zu solchem Schund in der Lage ist, kann auch nicht objektiv über Wirtschaft, Börse und Politik berichten.

Informationsquellen:

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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