Artikel 13: Kämpft für den Fortbestand des Internets

Am 23. März wird es eine der größten Demonstrationen seit dem Bestehen der Europäischen Union geben. Wir sollten uns alle gegen Artikel 13 zur Wehr setzen. Deshalb werden in drei Wochen unzählige Menschen auf die Straße gehen. Wer macht mit? Ach, Sie glauben, das ginge Sie nichts an? Na, da habe ich eine Überraschung für Sie. Passen Sie mal auf.

Artikel 13 bekämpft das Internet als Werkzeug

Sie werden als Verbreiter von Fake News bezeichnet. Und sie heißen Lügner, Bots, von Google bezahlte Menschen, Diebe etc. Das müssen ganz schlimme Leute sein, nicht wahr? Die Rede ist von Ihnen da links, von Ihnen dort rechts, von Ihnen ganz da hinten und von mir. Sprich: Man redet von uns allen so. Wir bestehlen Kreative und verbreiten Lügen über das Urheberrecht.

Artikel 13 bekämpft das Internet als Werkzeug, weil dieser all das einschränkt, was irgendwas mit Hochladen zu tun hat. Ach, Sie nutzen gar kein Facebook? Sie nutzen nur Messenger? Was glauben Sie, wo die Fotos hingeladen werden? Auf eine Plattform. Auch Ihre Synchronisation zu beispielsweise Google Photos vom Handy aus zur Datensicherung könnte betroffen sein.

Sprich: Jedes Foto, jedes Video, jeder Text könnte dem Mechanismus zum Opfer fallen, der prüft, ob jemand auf irgendwas in der Art, was Sie hochladen, einen Anspruch angemeldet hat. Glauben Sie nicht? Fragen Sie mal die NASA, deren freie Bildwerke von Medien als ihre eigenen Inhalte beansprucht werden. Die NASA darf dann ihre eigenen Bildwerke nicht mehr nutzen.

Aber das sind doch meine Fotos!

Ich habe Diskussionen mitgemacht und zufällig mitbekommen, in denen es genau darum ging: „Aber das sind doch meine Fotos“. Was meinen Sie, wie sehr das beim Artikel 13 interessiert? Es geht darum, dass irgendwer zuerst irgendwas in einer Datenbank hinterlegt haben muss, mit der dann jeder Upload (Auch die über WhatsApp verteilten Urlaubsfotos) verglichen werden.

Wer zuerst kommt, mal zuerst. Nehmen wir mal an, Sie fotografieren einen Sonnenuntergang an der Ostsee. Wer sagt denn, dass nicht schon mal ein ziemlich ähnlicher Sonnenuntergang fotografiert wurde? Mit diesem könnte Ihr Foto abgeglichen werden, bevor es auf Facebook oder über WhatsApp verteilt wird. Oder es wird halt gesperrt, weil Sie kein Recht darauf haben.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Sie haben das Foto gemacht, Sie besitzen es, Sie laden es selbst irgendwo hoch, und dann haben Sie kein Urheberrecht darauf. Das bedeutet Artikel 13. Das können wir uns nicht gefallen lassen. Es ist jede Plattform betroffen. Und selbst wenn die Messenger nicht dabei sind (wie Email wahrscheinlich auch), so bleibt doch eine gewaltige Unsicherheit und eine Einschränkung der Meinungs- und Redefreiheit.

Was kann man tun?

Es gibt eine ganze Menge, was man tun kann. Viele Aktive haben sich geäußert. Es gibt jede Menge Videos, Bilder, Blogartikel, Posts in den sozialen Netzwerken, was auch immer. Sie brauchen doch nur einmal herum zu schauen, was da los ist. Sie müssen ja nicht das glauben, was ich Ihnen vorsetze. Aber Sie können mir ruhig glauben, dass die Urheberrechtsreform in Form von Artikel 13 großen Schaden anrichtet.

Dabei steht es außer Frage, dass das Urheberrecht dringend reformiert werden muss. Das habe ich oft genug geschrieben. Und darüber gibt es auch im Internet keine zwei Meinungen. Worüber man allerdings trefflich diskutieren kann, ist die Art und Weise. Und mit Artikel 13 ist der schlechteste Weg gewählt worden. Wir alle werden es zu spüren bekommen. Deshalb muss man sich dagegen wehren.

Aber wie soll man das machen? Wir sind doch nur kleine Lichter. Wir haben doch nichts zu melden. Kennen Sie den Film „Horton hört ein Hu“? Darin hatte es auch was ausgemacht, dass am Ende viele der Winzlinge „Wir sind hier“ gerufen haben. Dann wurden sie erhört. Vielleicht sollten wir ein ähnliches „Hu!“ erzeugen. Wie die isländischen Fußballfans:

Es muss gelingen, dass die Politiker merken, dass es so nicht geht. Es geht nicht, dass man uns Bürger als „Bots“ (also automatische Programme) bezeichnet, die „Fake News“ (also Falschmeldungen) teilen und Kreative bestehlen. Das ist eine böswillige Unterstellung, gegen die wir uns wehren müssen.

Der malt doch nur den Teufel an die Wand

Es gibt Aussagen von Befürwortern des Artikel 13, die als Inhalt haben, jeden zu beschimpfen, der den Artikel zumindest kritisch sieht. Man nimmt den einfachen Internetnutzer schlichtweg nicht ernst. Und wer dazu aufruft, sich gegen diesen Wahnsinn zu wehren, von dem wird behauptet, den Teufel an die Wand zu malen. Es wird schon nicht so schlimm werden.

Nein, es könnte sogar viel schlimmer werden. Sie brauchen mir nichts zu glauben. Auch nicht, was ich bereits darüber schrieb. Und wenn Sie mir schon nicht glauben, dann vielleicht einem renommierten Anwalt für Internet-Recht. Und mal ehrlich: Es geht so schnell, dass man sich zu einer Demonstration für das freie Internet versammelt.

Wir dürfen nicht den falschen Spielern das Internet überlassen. Es ist dramatischer, als es klingen mag. Und es können mehr Dienste von Artikel 13 beeinflusst werden, als wir derzeit ahnen. Um den Austausch, das Lernen, die Zusammenarbeit, die Unterhaltung, die Berichterstattung weiterhin möglich zu machen, muss dieser Artikel weg. Und dann reden wir nochmal über eine Reform des Urheberrechts.

Weiteres Lesematerial

Sie merken schon, dass ich zum Thema viel zu erzählen habe. Aber es gibt noch jede Menge anderer Leute, die zum Thema etwas beizutragen haben. Hier mal eine kleine, unsortierte Liste:

Und so weiter und so fort. Lesen Sie selbst, dass das ein gehöriges Unrecht ist, was da in einen Gesetzestext gegossen werden soll. Sie sollten den Informationen glauben. Diese Volksvertreter vertreten kein Volk, so wie Zitronenfalter auch keine Zitronen falten. Artikel 13 schafft das Internet ab. Welche Auswirkungen das haben wird, wollen Sie ehrlich gesagt gar nicht wissen.

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