Das Internet: Das Land der Hysteriker

Es ist schon komisch. Im Internet sollte man sich eigentlich informieren können. Aber dies rückt immer mehr in den Hintergrund bei all der Hysterie. Wenn man einige Jahre lang das Internet verfolgt, dann stellt man fest, dass das eine ganz doofe Entwicklung ist. Wie das mal weitergehen wird? Ich weiß es nicht. Ich weiß eben nur, dass mit allerhand hysterisch geschriebenen Inhalten allerlei Schwarmintelligenz erzeugt wird. Und das sind so Strömungen, die mir ganz und gar nicht gefallen.

Man könnte fast glauben, dass die Welt nur noch schwarz und weiß ist. Da glauben irgendwelche sich sehr wichtig nehmende Gestalten, in den sozialen Netzwerken oder in ihren Blogs irgendeine politische Richtung in irgendeiner x-beliebigen Aussage zusammen diagnostizieren zu können. Da diese Leute auch noch gut vernetzt sind, verbreiten sich ihre wilden Diagnosen wie ein Lauffeuer durch die sozialen Netzwerke und andere Blogs. Und so werden Strömungen erzeugt, die es eigentlich gar nicht gibt.

Sie wissen nicht, was ich da meine? Das ist doch eigentlich ganz einfach. Nehmen wir einmal an, ich schreibe irgendeine halbwegs politische Meinung hier in meinen Blog. Das werde ich auch wieder tun, aber zur Sache: Irgendeinem dieser Durchblicker, die ich oben skizziert habe, gefällt vielleicht die politische Richtung nicht, die in meiner Aussage steckt. Was meinen Sie, was dann passiert?

Nehmen wir einmal an, ich tätige eine Aussage, die man irgendwie sozial-liberal oder so nennen könnte. Die Durchblicker machen daraus dann eine „linke Denke“. Und wenn sich dann die Meinung der Durchblicker oft genug vervielfältigt hat, indem deren Geschwafel oft genug in den sozialen Netzwerken geteilt wurde, dann wird daraus ganz schnell „linksautonom“ oder gar „linksradikal“.

Andererseits ist es aber auch so, dass eine Aussage, die gemeinhin als konservativ gelten kann, durch die Durchblicker schnell mal als „nationalistisch“ oder „rechte Denke“ bezeichnet werden kann. Durch eine ebenso grandiose Vervielfältigung wird dann daraus gern und schnell mal „rechtsnational“ und „Scheiß Nazi“. Ich habe beides schon beobachten können. Und mit mir hat man so etwas auch schon versucht.

Bedenken wir einmal, wie schnell da irgendeine Hysterie entsteht. Ohne dass irgendein Schreiberling auch nur den Hauch dafür kann, steht der dann aufgrund der entfachten Hysterie in einer Ecke, aus der er nicht mehr raus kann. Das Schlimme an der Sache ist ja, dass die Durchblicker das Ganze ziemlich nonchalant tun und mit wohlgefeilten Wortungetümen fabrizieren. Und so können sie schnell mal den Ruf eines Schreiberlings im Internet komplett ruinieren.

Ob die Durchblicker das so wollen oder nicht, ist mir ziemlich egal. Die gießen einfach irgendwelchen Schund in die sozialen Netzwerke, ohne irgendwie Rücksicht auf Verluste zu nehmen. Ich habe es schon mal lesen müssen, dass ein reiner Online-Autor dadurch sein gesamtes Schaffen einstellen durfte, nur weil seine Meinung den Durchblickern nicht in den Kram passte. Und ehrlich: Drauf habe ich keine Lust. Denn am Ende ist es so, dass die Durchblicker zwar wohlgefeilte Worte benutzen, aber im Prinzip nichts zu sagen haben.

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7 Kommentare

    1. Ja, Ulf, das ist auch so meine Beobachtung. Aber nicht nur die linksgrün-versifften Gutmenschen werden so betitelt, sondern andersrum auch das braune Pack. Es ist ein Teufelskreis, und aus dem muss man dann ja auch irgendwann wieder ausbrechen, findest du nicht auch?

  1. Gestern gabs einen Internet-Streit, weil ich die Hetze einer Ikone der Rechten gewagt hatte, zu kommentieren. Ich habe also quasi eine rechte Bubble angepickst. Leider ist sie geplatzt. Danach kamen im minutentakt unverschämte und beleidigende Tweets an. So sind sie halt. Keine Argumente, dafür umso mehr Unverschämtheiten. Einer ging soweit, dass er mich fragte, ob ich auch noch so gelassen reagieren würde, wenn meinem Neffen etwas zustieße. Es ging bei der Sache um Übergriffe von Flüchtlingen in Freibädern. Übrigens haben diese Leute Maps angelegt, in denen angebliche Übergriffe dieser Art festgehalten sind. Auf meine Frage, ob sie dafür denn alle Flüchtlinge verantwortlich machten, kam ein klares Ja.

    1. Genau das ist es. Es gibt genügend Beispiele, dass so etwas, was du gerade beschrieben hast, noch mehr eskaliert. Fragt man dann um Unterstützung, erhält man ein „Deine Schuld, mit sowas legt man sich doch nicht an“.
      Es ist leider so, dass es immer unverschämter wird, was da im Internet abgezogen wird. Und ich sehe auch den einen oder anderen Durchblicker da in der Verantwortung. Denn die haben ja angestachelt, also können sie auch die Gemüter beruhigen.
      Aber dann passiert etwas sehr interessantes: Ist der Tumult erst richtig groß im Internet, sind die Durchblicker auf einmal verschwunden. Die kommen dann aber wieder, wenn sich das wieder gelegt hat. Schon scheinheilig, das Ganze.

  2. Gegen all diesen Hass ist einfach kein Kraut gewachsen. Deine Beobachtung teile ich. Gestern hatte ich einen, vielleicht zwei Mitstreiter. Ansonsten waren das nur Rechte. Jedenfalls nenne ich sie so. Vielleicht waren es auch einfach nur Bekloppte. Aber man ist in solchen Lagen schon etwas hilflos. Zumal diese Leute durchaus geübt darin scheinen, andere zu provozieren und vorzuführen.

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