Facebook und der WhatsApp-Irrtum

Oh, haben die Nutzer dauergeschnappatmet, als bekannt wurde, dass Facebook WhatsApp kaufen will. Millionen und Abermillionen von Benutzern wandern ab und suchen sich eine neue Tummel-Stätte für Kurznachrichten. Derweil könnte sich der ganze 19-Milliarden-Deal noch in Luft auflösen. Es könnte sein, dass Facebook und WhatsApp einem Irrtum aufgesessen sind.

1,2 Milliarden Nutzer hat Facebook. Es ist damit das größte soziale Netzwerk der Welt. Mit einem derartigen Einfluss und einer so großen Nutzerschar hat es eine marktbeherrschende Stellung in der Branche der sozialen Netzwerke. Google+ und Twitter sind auf jeden Fall kleiner. Und andere Netzwerke haben wohl im Vergleich zu den drei Platzhirschen gar nichts zu melden. Auf jeden Fall ist Facebook der Riese.

Knapp 500 Millionen Nutzer hat WhatsApp. Damit ist der Messenger im Sektor dieser Anbieter mit weitem Abstand der größte. Täglich sollen wohl Millionen Nutzer dazu gekommen sein. Damit kann der Messenger-Anbieter auch durchaus eine marktbeherrschende Stellung ausüben. Die Konkurrenten ChatON, Skype, Google Hangout, Threema oder Telegram sind im Vergleich zu WhatsApp erheblich viel kleiner.

Nun ist ja bekannt, dass Facebook WhatsApp schlucken will. Dieser Deal muss bei Behörden angemeldet werden. Und Kartellbehörden müssen diesem Deal dann auch noch zustimmen. Und hier stehen die Chancen sehr schlecht. Die Wettbewerbsbedingungen könnten negativ beeinflusst werden. Es bestehen wohl wettbewerbsrechtliche Bedenken. Und so etwas ist nicht zu unterschätzen.

Mirko Müller hat bei Mobilenote einige Informationen zu den Bedenken zusammengetragen. Es ist sinnvoll, sich diese einmal anzusehen. Und ich teile die Auffassung. Es könnte ein übermächtiger Gigant entstehen, der dann ein De facto-Monopol innehat. Und gegen so etwas laufen ja die Kartellbehörden gern mal Sturm.

Unterm Strich könnte sich die Kauf-Offerte von Facebook als großer Irrtum erweisen. Wohlgemerkt: Könnte. Denn es ist genauso gut möglich, dass die Kartellbehörden alle Hühneraugen zudrücken oder nicht genau hinschauen. Es ist denkbar, dass der Deal mit Auflagen genehmigt wird oder dergleichen. Aber es ist nicht auszuschließen, dass in den letzten Tagen nichts anderes als heiße Luft in den Himmel geblasen wurde.

Es ist jedenfalls sehr merkwürdig, dass ein Messenger derart für Aufsehen sorgt, dass er die Medien mehr beschäftigt als die Unruhen in der Ukraine oder das unsägliche Transatlantische Freihandelsabkommen. Und wenn die Medien dann genug von der eigenen Schnappatmung wegen WhatsApp haben, können wir vielleicht wieder etwas entspannter Nachrichten lesen.

Bildquelle: WhatsApp & Facebook via conectica.com.mx

3 Kommentare

  1. Ich habe auch schon einiges über das Thema gelesen und wusste von diesen Zweifeln überhaupt nichts. Doch mehr Medienaufruhe durch Whats App kauf als das Theme Ukraine?
    Ich jedenfalls habe bei meinen Nachrichten anderes mitbekommen.
    Die Nachricht das FB Whats App kauft schlug ein wie eine Bombe, klar aber dies nur für eine kleine Zeit und Ukraine hat meiner Meinung nach sehr viel Aufmerksamkeit der Medien.. vorallem jetzt wo beide Seiten einer Übergangsregierung zugestimmt haben sollen.

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