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Fly sein, das Jugendwort des Jahres 2016

We’re flying high, we’re flying right up to the sky – Leute, seid ihr auch so fly? Heute wurde das Jugendwort des Jahres 2016 gekürt, und ich lache. Wer redet so? Das ist genau so ein Blödsinn wie „Smombie“ oder „Hopfensmoothie“ oder „Tintling“ oder so. Das sind alles Begriffe, die man erst erklären muss, um sie fehlerfrei anwenden zu können. Und so ist das auch mit „Fly sein“ als aktuelle Wahl zum Jugendwort. Nun ja.

Wer wie ich irgendwo in den Vierzigern ist, der hat so einiges erlebt. Auch musikalisch. Sie werden lachen, aber dieses „Fly sein“ geht auf Musik zurück. Deshalb spreche ich das ja an. Nun denkt man als jemand in den Vierzigern an solche Dinge wie das einleitende Zitat aus „Flying High“ vom Captain Hollywood Project. Oder man denkt an „Superfly Guy“ von S-Express. Aber das bekannteste Lied dazu hat folgende Passage:

We’re flying high
We’re watching the world pass us by
Never want to come down
Never want to put my feet back down on the ground

Das weltbekannte „Never let me down again“ von Depeche Mode. Jeder kennt es. Wenn ein Lied herhalten muss für ein Wort, was für eine ganze Generation das Wort des Jahres sein soll, dann muss es ja von jemandem wie von den legendären Briten kommen. Aber das denkt man halt als ein Mann in den Vierzigern. Tja, falsch gedacht. Denn wer sind denn schon Depeche Mode, wenn es solche Größen wie Kollegah oder so gibt. Denn die Leute haben „fly sein“ definiert. Das bedeutet, dass jemand so richtig abgeht. Jawoll, es ist Zeit für:

Partyalarm!

Wir können also festhalten: Wenn der Babo mal so richtig swagged, dann ist er fly. Aber Wayne? YOLO!

Wie, das verstehen Sie nicht? In normalem Deutsch, was ja kaum noch irgendwer spricht, würde das heißen: Wenn der Anführer mal so richtig einen auf dicke Hose macht, dann geht er ab. Aber wen interessiert das? Man lebt schließlich nur einmal.

Diese ganzen Begriffe, die irgendwelche Sprachforscher als Jugendwörter deklarieren, haben Jugendliche vielerorts zum Zeitpunkt der Kürung noch nie gehört. Wie kommen dann die Langenscheidt-Leute auf die Idee, dass gerade so ein Wort ein Jugendwort werden soll? Am Ende wäre es doch aber besser, dass sich Menschen so artikulieren, dass auch andere sie verstehen. Denn wenn selbst Jugendliche von „fly sein“ noch nichts gehört haben, liegt das vielleicht daran, dass das Wort vielerorts völlig unbekannt ist und gerade erst eingeführt wurde.

Wenn beim Jugendwort die Gruppe Jugend auch sehr irritiert in die Gegend schaut, dann ist da irgendwas schief gegangen. Und ehrlich, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die halbwüchsigen Kids mal Begriffe wie Süßmo, Fleischdesigner, cheedo, darthvadern oder Googleschreiber verwenden würden. Langenscheidt will sich meiner Meinung nach immer besonders „cool“ – oder halt „cheedo“ –  geben, wenn man sich so etwas ausschwitzt. Aber richtig nützlich ist so etwas nicht.

Ja, als wir Jugendliche waren, hatten wir auch unsere Begriffe. Das ist alles klar. Aber die hat uns doch keine Kommission aufdiktiert. Und irgendwie hat man trotzdem verstanden, was andere erzählt haben. Bei „fly sein“ und Konsorten allerdings habe ich meine Zweifel. Isso!

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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