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Ein Wildschwein im Wildpark Leipzig Ein Wildschwein im Wildpark Leipzig

Trüffel suchen in den Blogs

Kommen Sie, wir nehmen uns jeder ein Trüffelschwein. Sicher geht auch ein Wildschwein. Und damit tappen wir los und suchen uns Trüffel in den Blogs. Trüffel gelten als Delikatesse. Und wenn ich ehrlich bin, bin ich wissentlich noch nicht dazu gekommen, Trüffel zu essen. Ich kann also nicht wirklich mitreden. Aber wenn wir das auf die Blogs projizieren, dann sind wir wieder im Geschäft: Wir wollen doch wirklich gutes Zeug lesen. Wir wollen Delikatessen erleben. Kurz: Wir wollen die Trüffel.

Ich habe so unfassbar viele Blogs gelesen, nahezu wie ein Stalker verfolgt, bis die sich irgendwie aufgaben. Entweder wurden die eingestellt, oder sie wurden komplett umgestellt, oder sie wurden verkauft (So ein Quatsch!) und dann umgestellt. Aus einer Wolke mit kleinen, feinen Blogs mit Anleitungen, Hintergründen, kleinen Geschichten, Abenteuern und dergleichen wurden fette Monster, die auf Suchmaschinenoptimierung sind und irgendwelche Klopse schießen, wie sie 893 andere Blogs zeitgleich auch bloß schießen.

Wo sind sie hin, die kleinen Geschichten? Ich bin ja schon froh, wenn ich ab und an mal so eine kleine Anekdote entdecke. Die lese ich viel lieber als so etwas wie:

<Gerätename> <macht irgendwas>

– Übersetzt z.B.:

Samsung Galaxy S8 zeigt sich im Benchmark-Test

Das wäre ja nicht so schlimm, wenn es einer oder zwei Blogs schreiben. So schreiben es aber die gefühlten 893 anderen Blogs auch. Und das Blöde: Die knallen alle diesen Quark zeitgleich raus. Ernsthaft, wer will denn so etwas lesen? Ähnliches sieht man bei Mode-Blogger(inne)n, Beauty-Blogger(inne)n, Food-Blogger(inne)n, Reise-Blogger(inne)n. Ich bestreite nicht, dass es da auch Ausnahmen gibt. Aber im Großen und Ganzen diktieren ein paar Konzerne, welchem Fetzen Schlagzeile sie hinterher hecheln.

Die spannende Frage ist: Geht es wirklich nur noch darum? Geht es darum, den Bruchteil der Sekunde schneller zu sein als der Nachbar-Blogger aus der gleichen Nische? Ist es wirklich erstrebenswert, sich immer weiter zu spezialisieren und dann nur über Geschwindigkeit gegenüber Blogs zu punkten, die exakt genau so spezialisiert sind? Das kann man mal machen, aber mir wäre das nichts. Und ich sehe das ja nicht mal alleine so.

Becherwürfel – Geht es wirklich nur um Fashion, Reisen und Schminktipps?

Darum habe ich mir gedacht, ich stelle mal das um, woher ich meine Informationen beziehe. In meinem Feed Reader werde ich mir in der nächsten Zeit anschauen, wer wie vor sich hin bloggt. Aber Blog-Unternehmer, die ihren Blog nur haben, um möglichst schnell über bezahlte Artikel, Amazon-Links und Werbebanner Geld zu verdienen, fliegen gnadenlos raus. Mir geht das Ganze derzeit tierisch auf die Nerven. Es hatte sich mal gebessert. Aber ich stelle das seit einem Vierteljahr wieder fest, dass Blogs wie Maschinen funktionieren.

Der Ludwig hat in dem verlinkten Artikel durchaus Recht, wenn er da erzählt, dass doch nicht nur die „Modetrends 2017“ zählen können. Da muss es doch mehr geben. Die Welt fliegt uns um die Ohren, und es werden „die geilsten Smartphones“ und Schönheitstipps Suchmaschinen-optimiert in die Runde gekippt. Als Anis Amri mit dem LKW über den Berliner Weihnachtsmarkt fuhr und das Bewusstsein des Terroranschlags wuchs, schickten Unmassen von Technik-Blogger die Smartphone-Trends 2017 auf die Reise. Das kann es doch nicht sein.

Und ich will nicht dazu gehören. Mal abgesehen davon, dass ich einen feuchten Schmutz auf SEO gebe und mir Spezialisierung ziemlich Schnurz ist, aber ich werde mir auch noch mehr überlegen. Ich werde mehr auf diese als Delikatesse geltenden Pilze setzen. Das muss doch gehen. Ich lege schon wert darauf, dass ich keinen Schund von mir gebe. Ich denke mir bei jedem Artikel etwas. Aber ich will mich unbedingt davor bewahren, so zu werden wie die Blogger, die ich da kritisiert habe. Und Sie meinen, Technik-Blog und Politik geht nicht? Lesen Sie mal:

MobileGeeks – Trump schimpft über Fake-News: Von russischen Geheimdiensten und „Golden Showers“

Was ich damit sagen will: Diese ganzen Tütensuppen an Blogs, bei denen alle das Gleiche absondern, von denen sich aber jeder als der beste Blog hinstellt, von denen ganz sicher niemand auf einen anderen Blog verlinken würde, können mir gestohlen bleiben. Dann lieber Delikatessen an Artikeln, lieber Trüffel als Artikel. Aber wem erzähle ich das?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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