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Ein Blog ist ein Tagebuch - (C) lil_foot_ CC0 via Pixabay.de Ein Blog ist ein Tagebuch - (C) lil_foot_ CC0 via Pixabay.de

Wenn das Bloggen mehr als das Leben ist

Ich habe eine ganz klare Philosophie: Bloggen ist Bloggen, Leben ist Leben. Andere halten das anders. Bei manchen Bloggern ist Bloggen mehr als Leben. Die haben eine unfassbare Zeit, bis sie merken, dass die übrige, zur Verfügung stehende Zeit schneller vorbei sein kann, als man sich das vielleicht am Anfang vorstellt. Die sind mit Leib und Leben Blogger. Und dann? Was ist mir dem, was man so landläufig als Leben bezeichnet?

„Dieses Jahr ist mein Jahresurlaub 2 Tage im Wellness Spa“ oder so. So offenbart sich Sascha Pallenberg, Gründer von Mobilegeeks. Er wird den einflussreichsten deutschsprachigen Techblog, den er mit gegründet hat, zum Jahresende verlassen. Es ist unfassbar, was der Mensch alles so gemacht hat. Ich habe mich selbst oft genug auf Mobilegeeks bezogen, wenn ich irgendwas aus der Technik-Welt von mir gegeben habe. Ich war nicht unbedingt immer einer Meinung mit Pallenberg. Aber sein Engagement kann man durchaus auch mal anerkennen.

Der „Palle“ war immer „Rubbel die Katz“ unterwegs. Schnell sein, präzise sein, vor Ort sein, da sein: Das war sein Tun. Er hat sich mit Unternehmen angelegt, hat sich heftige Diskussionen mit Lesern geliefert, hat Mobilegeeks so derartig neu gestartet, dass es drohte, an die Wand gefahren zu werden. Wo Pallenberg seine Finger drin hatte, war Alarm. Immer Vollgas. Aber wenn ich mir das Alles so ansehe, dann muss er sich gesagt haben, dass er als Mensch zu kurz gekommen ist.

Wenn man nicht mehr abschalten kann, immer das Beste liefern will und am liebsten alles selbst machen will, dann kann es doch vorkommen, dass man sich in diesem Tun selbst verliert. Nun glaube ich das nicht beim Palle. Aber Fakt ist, dass dieses Vollgas-Leben mit dem zeitweisen Leben aus dem Koffer raus nichts auf Dauer sein kann. Und für mich wäre es nichts. Und am Ende stelle ich die Frage auf, wie ernst die Entschleunigungsartikel von Sascha in der Vergangenheit gemeint waren.

Ich denke, er als Vollgas-Blogger ist nicht vergleichbar mit den vielen Bloggern, die – wie ich – nebenbei ihren kleinen Blog voll malen. Ich kann mich schnell mal hinstellen und sagen: „Wenn ich keine Lust aufs Bloggen habe, dann passiert hier eben mal nichts“ oder so. Das kann aber Palle nicht. Der muss immer eine ihn fordernde Aufgabe haben. Mobilegeeks, sein Baby, ist groß geworden und aus der Pubertät raus. Nun braucht er etwas neues. Vielleicht nicht mehr ganz so mit Bonusmeilen. Er ist ja auch inzwischen im mittleren Alter. Irgendwann muss auch er sesshaft werden.

Das bringt mich aber irgendwie zu der Frage, wann man das Bloggen sein lassen soll. Wer weiß, vielleicht will der Palle auch etwas komplett anderes in der Bloggerwelt tun. Aber wie sieht das bei anderen aus? Ist es nicht so, dass man seinen Blog sofort zusperren sollte, wenn man die Lust daran verliert und sich zum Schreiben zwingen muss? Was ist, wenn man nicht mehr das Feuer hat, sich zu Themen, gleich welcher Art, auszulassen? Und was passiert, wenn das Leben wichtiger als das Bloggen wird?

Ein Blog sollte nie das Leben bestimmen. Nun ist das bei Mobilegeeks etwas völlig anderes als bei mir. Mobilegeeks ist ein richtiges Unternehmen geworden und weit mehr als ein Blog. Und für Sascha Pallenberg war es eben auch das Leben. Aber irgendwann sagt die Seele eben auch „Ich will jetzt auch mal“. Und vielleicht ist das ein wichtiger Grund, warum er etwas neues machen will. Denn das Bloggen sollte nie auf Dauer mehr als das Leben sein. Denn wir haben nur eins.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

3 Gedanken zu „Wenn das Bloggen mehr als das Leben ist

  1. Für mich ist das Bloggen und das Internet die einzigen Hobbys seit Jahren und diesen möchte ich so gut es geht mehrmals in der Woche nachgehen. Auch wenn der Offline-Job niemals dadurch ersetzt werden darf, werde ich versuchen, mein Bestes im eigenen Blog zu machen. Das Leben haben wir nur eines, nur ich nehme es mir vor, bis ins hohe Alter zu bloggen. Ich denke, dass so etwas realisierbar wäre, wenn das Private stimmt, denn das bestimmt meine Internetlaune. Wenn nichts gut ist, habe ich keinerlei Lust, mich meinen Themen zu widmen und mache etwas anderes. Genug Projekte sind dafür vorhanden :-)

    Gut wir kleine Blogger können jederzeit eine Pause machen, das ist jedem klar. Und es muss jeder selbst wissen, wann er urlaubsreif ist. Ich bin sehr froh, keine News verbloggen zu müssen, denn das kann ich bei meinem besten Willen nicht bringen. Daher alles sachte und normale CMS-Themen, die auch noch nach Jahren Bestand haben werden.

    Bei Sascha habe ich so gut wie nie gelesen, aber selbstverständlich sollte das Offlineleben nicht zu kurz kommen. Manche beanspruchen mehr davon als andere und jeder wie es für ihn am besten erscheint.

    Meine persönliche Bloggerei halten sogar diese Kommentarrunden am Leben, denn ich tausche mich gerne mit Gleichgesinnten aus. Das habe ich immer gemacht und das wird fortgesetzt.

    1. Hallo Alex,

      keine Frage, beim Bloggen sollte man immer versuchen, das Beste zu geben. Wer das nicht tut, sollte dicht machen. Aber es darf eben auch nichts darunter leiden. Wir kleine Popel-Blogger haben es da wirklich einfacher, denn wir können einfach mal Pause machen, wie es uns passt. Und man sollte immer so bloggen, wie es für jeden persönlich am besten ist.

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