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Justizhammer - ein freies bild von morguefile.com Justizhammer - ein freies bild von morguefile.com

Haftung für Links: Wohin darf man noch verlinken?

Was ist weltfremd? Wenn man auf irgendeine andere Webseite verlinken möchte und prüfen soll, ob dort alles mit rechten Dingen zugeht. Ist das verrückt? Und wir regen uns hier auf, wenn kleine deutsche Blogger davon absehen, auf andere kleine deutsche Blogger zu verlinken. Wir nennen das Linkgeiz. Aber nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes ist das wahrscheinlich einfach nur Selbstschutz. Wohin das führt, zeigt nun ein Urteil des Landgerichts Hamburg. Und wir können richtig gut beobachten, wie es mit dem Internet mit lautem Krachen zu Ende geht.

Ich halte nichts davon, nicht auf seine Quellen zu verweisen. Und damit meine ich nicht etwas wie „Wie ich von <Publikation einsetzen> erfahren konnte“ oder etwas in der Art. Ich meine das Setzen eines Links. Bisher galt, dass ein Link keine Urheberrechte verletzen kann. Das hat sich aber geändert. Denn genau das kann eine Urheberrechtsverletzung sein, wenn auf der verlinkten Webseite urheberrechtlich geschütztes Material ohne Zustimmung des Urhebers enthalten ist.

Das bedeutet im Klartext: Wenn ich auf einen Blogartikel auf einer anderen Seite verlinke, muss ich zunächst recherchieren, ob auf der anderen Seite das Urheberrecht eingehalten wird. Hat der Webseiten-Betreiber das Recht, enthaltene Bilder einzubinden? Wurde das Zitatrecht eingehalten? All so etwas. Wie viel Zeit wird wohl dafür durch die Esse gehen? Und wie sehr werden wohl Webseiten-Betreiber diese Recherche machen? Gar nicht. Dann spart man sich lieber das Verlinken und bezieht sich auf „aus sicherer Quelle“.

Es geht bei der Entscheidung des Landgerichts Hamburg um das Einbinden eines Fotos. Ich muss nicht jedes Bild erst in meinen Blog hochladen. Ich kann auch mit einem Bildlink arbeiten und ein Bild von einer anderen Quelle aus einbinden. Das wurde getan. Das Problem war, dass auf der Seite, die das Foto zur Verfügung gestellt hatte, die Nutzung erlaubt wurde. Aber die Nutzung des Fotos an sich war nicht erlaubt. Die zur Verfügung stellende Seite beging eine Urheberrechtsverletzung, das ist klar. Aber: Auch die Seite, die den Bildlink gesetzt hatte. Man hätte sich ja über die Rechtmäßigkeit erkundigen können.

Die Leipziger Anwaltskanzlei Spirit Legal hat ein Musterverfahren betrieben und ausführlich darüber berichtet. Das Verfahren zeigt allerdings auch, dass es nun vorbei ist mit dem Verlinken. Einer der Grundgedanken des Internets, nämlich das gegenseitige Vernetzen, wurde gerichtlich untersagt. Es könnte ja auf jeder Zielseite eine Urheberrechtsverletzung lauern. Das Urteil betrifft jeden Betreiber einer gewerblichen Webseite. Ab wann ist aber eine Webseite gewerblich?

Wenn im Eigenvertrieb Lehrmaterial über eine Webseite vertrieben wird? Wenn ein Werbebanner eingeblendet wird? Wenn Zählpixel der VG Wort eingebunden sind? Es bleibt alles höchst unklar und vernebelt. Und in der Praxis bedeuten solche Urteile die Frage, worauf man denn noch verlinken kann. Am Ende erschüttert das die Informations- und Kommunikationsfreiheit – in der weiteren Folge auch die Redefreiheit – bis ins Mark. Die Auswirkungen solcher Urteile sind immens. Und ich möchte mir nicht ausmalen, wohin uns das noch führt.

Ich muss übrigens noch konkreter werden: Das in Rede stehende Foto wurde nicht eingebunden. Es wurde nur per Textlink verlinkt. Man sieht es gar nicht auf der Seite. Das macht die ganze Sache noch viel absurder. Abmahnanwalt zu sein, ist sicher ein absolut krisenfester Job. Denn die Gerichte lassen sich immer fragwürdigere Dinge einfallen, um dem Internet das Überleben so schwer wie möglich zu machen.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

6 Gedanken zu „Haftung für Links: Wohin darf man noch verlinken?

  1. Hallo Henning,
    schon sehr schlimm diese ganzen neuen Urteile und es könnte auch mich treffen, denn ich vernetze mich massenhaft und das mehrmals in der Woche. Was soll man da machen, denn das Internet besteht aus Linkverweisen und das hält alles zusammen, was zusammengehört. Ich habe schon aufgehört mit Shutterstock und auch gut so, heute setze ich nur eigene Screenshots und Grafiken ein. Aber bei Links kann ich selbst nicht viel machen, denn ich werde weiterhin meine Blogger-Freunde im Rahmen meiner zahlreichen Kommentierrunden gerne verlinken.

    Ich verlinke nur Blogs, GIT-Repositorys, GitHub, SourceForce, Anbieter eines OpenSource CMS und das wars auch schon. Versuche mal, jeden Link zu checken und zu überwachen. Dann dauert das Bloggen den halben bis den ganzen Tag nur für einen einfachen Blogpost. Wer soll da noch Lust zum Bloggen haben?! Ich hoffe sehr, dass meine Blogger-Freunde uptodate sind und keinerlei fragwürdiger Bilder oder Inhalte im Blog haben.

    1. Hallo Alex,

      stimmt, das Internet besteht aus Links. Wenn man nicht mehr so ohne weiteres verlinken kann, kann man das Internet eigentlich auch abschaffen. Das wollen sie dann aber auch bloß nicht. Wie soll man diese Advokaten nur verstehen? Ich halte das für sehr fragwürdig, dass man als verlinkende Seite überprüfen soll, ob auf der Zielseite alles richtig ist. Darauf habe ich doch gar keinen Einfluss. Man wird sich überraschen lassen dürfen, wohin das noch führt.

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