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Alle Jahre wieder – Preispoker beim Leipziger Nahverkehr

Er ist öffentlich, der Leipziger Nahverkehr. Deshalb sind auch Preisdiskussionen öffentlich. Derzeit tobt wieder eine Runde zum Preispoker. Im Sommer sollen die Preise „angepasst“ werden. Nur verläuft diesmal die Diskussion etwas anders.

Gelenktriebwagen NGT12 der LVB in Leipzig-Miltitz - © Fabian Schuler / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)
Gelenktriebwagen NGT12 der LVB in Leipzig-Miltitz - © Fabian Schuler / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

Es ist das zweitgrößte Straßenbahnnetz Deutschlands. Nur die Berliner Straßenbahn hat ein größeres. Und dieses muss instant gehalten werden und modernisiert werden. Auch die Wagenzüge, wie der oben zu sehende, müssen erneuert werden. Auch werden sukzessive immer wieder neue Wagenzüge eingeführt. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) sind damit eine der modernsten Straßenbahnbetreiber Deutschlands.

Auch hier sind die gestiegenen Energiekosten zu spüren. Wenn die Preise für Strom und Diesel steigen, steigen natürlich auch die Preise für den Öffentlichen Nahverkehr. Da Straßenbahnen elektrobetrieben und Busse kraftstoffbetrieben umherfahren, ist das ein logischer Schritt, dass die LVB über „Preisanpassungen“ nachdenken. Andernorts ist dies sicherlich ähnlich. Da kann man über alternative Antriebe nachdenken, wie man will. Der folgende Bus des Typs „Solaris Urbino 18 Hybrid“ ist zwar ein Hybridmodell, trotzdem verursacht sein Antrieb Kosten.

Solaris Urbino 18 Hybrid der Leipziger Verkehrsbetriebe - © Johannes Kazah / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)
Solaris Urbino 18 Hybrid der Leipziger Verkehrsbetriebe - © Johannes Kazah / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

Nun kommt es also mal wieder zu einem Preispoker. Als städtisches Unternehmen hat natürlich das städtische Parlament, also das Rathaus, einiges dazu zu sagen. Die LVB möchten gern die Preise nach oben korrigieren. Natürlich sind die gestiegenen Energiepreise der Grund. Aber so einfach wird das wohl diesmal nicht.

Ausgerechnet die Leipziger Grünen schließen sich dem sowieso schon vorhandenen Protest an. Es sollen ja nicht nur die Preise für die LVB angehoben werden. Der gesamte Mitteldeutsche Verkehrsverbund, der MDV, ist im Begriff, im Sommer höhere Preise einzuführen. Und hier regt sich seit Wochen großer Protest.

Der Vorstandssprecher der Leipziger Grünen, Jürgen Kasek, erklärt, dass die steigenden Preise für den öffentlichen Nahverkehr der Zielsetzung der Stadt im Bereich Luftreinhaltung- und Lärmvermeidung widersprechen würden. Dazu muss man wissen, dass Leipzig als erklärtes Ziel hat, mehr Leute in den öffentlichen Nahverkehr zu bekommen. Aus diesem Grund wird seit einiger Zeit viel Geld in die Hand genommen, um „die Bimmel“ attraktiver zu machen.

Kaseks Argumentation geht dahin, dass Leute geradezu abgeschreckt werden, die Straßenbahn oder den Bus zu nehmen. Und das wird durch Preisanhebungen nicht eben verbessert. Man könne in etwa die Preise mit denen des Berliner Nahverkehrs vergleichen, obgleich das Angebot nicht im entferntesten vergleichbar wäre. Und mit der neuen Preisrunde wären die Leipziger Verkehrsbetriebe bundesweit Spitzenreiter bei den Tarifen. Das würde der Daseinsvorsorge entgegenstehen.

Weiter wird argumentiert, dass die Prioritäten bei der Vergabe falsch gesetzt sind. So werden Unsummen versenkt, um aus Leipzig eine Hafenstadt zu machen oder Leipzig eine hypermoderne Kongresshalle hinzustellen. Und damit hat Kasek Recht. Wer soll bitteschön die im Bau befindlichen Wasserstraßen Leipzigs nutzen? Leipzig liegt an keinem großen Strom wie dem Rhein. Die Verbindung zu den großen Flüssen Deutschlands und damit zu den Meeren liefert der Elster-Saale-Kanal, der nie fertig gebaut wurde und damit völlig verschlammt ist. Auch der Leipziger Hafen ist in einem ähnlichen Zustand.

Zweifelhafte Hafenidylle - (C) Brandisthomas / Public Domain (via Wikimedia Commons)
Zweifelhafte Hafenidylle - (C) Brandisthomas / Public Domain (via Wikimedia Commons)

Wenn man solche Unsinnsprojekte nicht am Hals hätte, wären die Preise nicht so hoch. Das mag stimmen, ich vermag nicht, dies einzuschätzen. Einschätzen kann ich aber, dass immermal wieder die Preismodelle über den Haufen geworden werden, andere Zeitkartenformate eingeführt werden usw. Das schafft nicht unbedingt Vertrauen und bringt mich als Autofahrer nicht dazu, auf die Straßenbahn umzusteigen, so sinnvoll das vielleicht wäre.

Die Forderung der Grünen ist, dass die Preise nicht weiter steigen sollen und die Kosten dafür direkt von der Stadt getragen werden sollen. Notfalls sollen solche Projekte wie der Hafenbau fallen gelassen werden. Das finde ich nicht verkehrt. Allerdings sollte das genau geprüft werden. Nicht dass dann jemand kommt und sagt, er hätte von nichts gewusst.

Informationsquelle:

  • Leipziger Internetzeitung – Geplante Tariferhöhung im MDV: Nun melden auch die Leipziger Grünen Protest an

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

One thought to “Alle Jahre wieder – Preispoker beim Leipziger Nahverkehr”

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