Corona-Kinder: Was wird das noch? - Bild von lisa runnels auf Pixabay

Corona-Kinder: Was wird das noch? - Bild von lisa runnels auf Pixabay

Corona-Kinder: Was wird das noch?

Die Pandemie verlangt uns allen viel ab. Aber was ist mit den jüngsten unserer Gesellschaft? Wächst eine ganze Generation Corona-Kinder so ganz nebenbei heran? Was muss denn noch alles passieren, damit irgendwer mal erkennt, dass es eben nicht mit „Aber ich gebe meine Freiheit nicht her“ getan ist? Die Heranwachsenden, die haben genug in der Pandemie bezahlt. Und jetzt haben sie nicht mal was davon? Was sind wir nur für eine verdorbene Gesellschaft geworden? Ich will mal ein paar Takte dazu aufschreiben.

Mal wieder zum Sport gehen…

Wisst ihr, was ich mit dem Begriff der Corona-Kinder meine? Das sind die Heranwachsenden, die aus irgendeinem Grund eigentlich nur draufgezahlt haben und nun wieder nur zurückstecken sollen. Nehmen wir meine Tochter: Ein Teenager mit dem Kopf voller Flausen, wie es sich eben gehört. Die Jugendweihe stand bevor, Klassenfahrten standen an, Ferienlager vielleicht, Schuldisco, Freunde treffen, zum Konzert gehen… Es ist bei jedem Teenager so. Nur: Bei ihr fiel das Alles aus.

Sie tut mir so unsagbar leid. Ja, sie will das nicht hören, denn sie ist ja die Coolste von der ganzen Welt. Aber es ist ja nun mal so, dass ein Mensch nur ein einziges Mal in seinem Leben eine Jugendweihe erlebt. Sie wird niemals wieder die Chance dazu haben. Ja, sie muss Verständnis haben. Aber wie lang denn noch? Sie hat bald mal Schulabschluss. Soll der auch nur zwischen Tür und Angel mit verschämtem Blick abgehen wie das, was sie sich zur Jugendweihe ausgedacht haben?

Kinder, Teenager und so weiter wollen doch was erleben. Die wollen aber vielleicht nicht um die halbe Welt reisen. Die wollen vielleicht einfach nur im Verein wieder Fußball spielen, turnen oder Schach spielen, ein Instrument lernen oder so. Unsere beschissene Gesellschaft verwehrt es ihnen aber. Und dann regt sich diese gleiche Gesellschaft darüber auf, wenn die Kids sich vor Netflix, TikTok oder sonstwas die Ärsche breit drücken. Wir als Gesellschaft haben ihnen ja sonst alles geklaut.

Die Corona-Kinder sind aber auch diejenigen, die das Leben erst erlernen. Kinder lernen am besten das Sprechen, wenn sie mit anderen Kindern zusammen sind. Wie oft waren nochmal die Kitas geschlossen? Da wächst wahrscheinlich eine Generation heran, die ihr Leben lang einen viel geringeren Wortschatz haben wird. Und Sprache ist nun einmal die Würze einer Kultur. Damit riskieren wir also, dass die Kinder aufgrund der geklauten Chancen die Kultur ärmer machen werden.

Corona-Kinder wollen was erleben

Corona-Kinder wollen den ganzen Mist nicht mehr sehen - Bild von María Prieto auf Pixabay
Corona-Kinder wollen den ganzen Mist nicht mehr sehen – Bild von María Prieto auf Pixabay

Während die Trottel durch Freiberg, Zwönitz, München, Hamburg und sonstwo latschen und teils mit Drohungen betulich „Wir sind das Volk“ brüllen und damit die Widerstandskämpfer vom Ende der DDR auslachen, passiert woanders etwas anderes. Da werden Kinder mit Klassenarbeiten bombardiert, ohne dass es die Chance zum Erlernen des Abgefragten gab. Kinder stehen im Winter in der Kälte mit ihren Instrumenten vor dem Haus, weil sie die Eltern im Haus nerven.

Es gab da mal den Deal, so im Jahr 2020. Mancher wird sich erinnern. Die Kinder schränken sich ein, um die Älteren bis zu einer möglichen Impfung nicht zu gefährden. Ist der Impfstoff dann da, schützen die Älteren die Kinder. Soweit, so gut. Nur: Die Erwachsenen kamen ihrem Teil des Deals nicht nach. Und so wachsen eben die Corona-Kinder heran. Lest mal diesen bedrückenden Bericht. Man möchte sich bei den Kindern für die verlorene Zeit entschuldigen.

Sie haben immer nur bezahlt. Wenn wir als Halbwüchsige dicht an dicht in der Schuldisco Party gemacht haben, drücken sich Corona-Kinder die Nase an der Fensterscheibe platt. Auch sie wollen etwas erleben. Es reicht eben nicht, noch eine Netflix-Serie zu starten. Ach ja, die Schulen sollen ja offen bleiben. Großartig, aber was ist außerhalb der Schulzeit? Da gibt es schlichtweg nichts. Wo sollen denn die hormongesteuerten Teenager hin mit all ihrer Laune?

Nicht falsch verstehen

Ich finde es gut und richtig, dass das öffentliche Leben weitgehend eingeschränkt gehört. Aber wenn die Stadtteil-Vereine wegen Corona schließen müssen, kannst du es den Kindern eben nicht ansatzweise erklären, wieso bis zum Ende der Hinrunde die Stadien bis auf Sachsen gefüllt waren. Wie willst du denn den Kindern noch unter die Augen treten, wenn du ihnen erzählst, dass sie eben nicht zum Geigenunterricht gehen können, du aber am Samstag mit den Bros im Stadion bist?

Ich finde es auch gut, dass beim Impfen auf die Tube gedrückt wird. Ich kann es einfach nicht verstehen, wieso ein so kleiner Teil der Bevölkerung so unfassbar viel Einfluss ausüben kann, dass immernoch zu wenige geimpft sind. Dank Omikron können wir aber getrost neu über alles nachdenken. Aber das Gezeter mit der Impfung für Kinder ist ja nun überhaupt nicht nachvollziehbar. Ich habe irgendwann komplett den Faden verloren. Meine Tochter auch.

Und so haben wir die nächsten Festtage in Abgeschiedenheit. Chemisch gereinigte Weihnachten, sozusagen. Wenn das nächste Videospiel verschenkt wird, müssen sich ja die Corona-Kinder förmlich freuen. Welche andere Wahl haben sie denn auch? Wir haben in dieser hoch entwickelten Gesellschaft einfach keine Zeit dafür, Perspektiven zu entwickeln, damit man dem Land eben nicht ansehen wird, dass wir eine ganze Generation Corona-Kinder großgezogen haben.

2 Kommentare zu „Corona-Kinder: Was wird das noch?“

  1. Hi Henning,
    das ist ja leider das traurige – in einem der reichsten Industrieländern wie Deutschland, haben Kinder keine Lobby. Das Wort Kinderarmut ist ein Wort, welches häufiger fällt. Doch kein Kind ist arm. Kann es nicht sein, denn ein Kind hat weder ein Einkommen noch einen Job. Armut ist also durch das Umfeld bedingt. Hier sind die Eltern arm – was sich auf das Leben der Kinder mittelbar auswirkt. Was getan wird (nämlich nichts) um diesen Umstand zu beenden, zeigt wie hörig die Politiker ihren Lobbys sind und wie tief die Köpfe der Politiker in den Ärschen irgendwelcher Unternehmen stecken. Es ist wie so vieles Lippenbekenntnis – und natürlich prügeln sich wieder „Experten“ darum in den Medien darüber zu schwadronieren um Ihr „Fachbuch“ zu dem Thema gleich mal mit anzupreisen..
    Aber auch ein „normales“ Kind (mit halbwegs normalem Einkommen der Eltern) möchte ich heute nicht sein. Ich selber habe keine Kinder, wenn ich aber in meinem Freundeskreis höre, wie deren Kinder unter Corona leiden, das ist schon traurig.
    Die Tochter eines Freundes (12 Jahre alt) hatte im Dezember Geburtstag. Alles musste abgesagt werden, wegen Corona. Ebenso die Nikolausveranstaltung für die Sie extra ein Gedicht eingeübt hatte um das auf der Bühne vorzutragen. Dazu kommt: Das ist ein kleines Dorf – da gibt es nicht viel Abwechslung. Jetzt hockt die Kurze den ganzen Tag zu Hause – was nicht gut ist, wenn man nur grübelt. Ein Kind soll seine Phantasie beschäftigen können und mit gleichaltrigen spielen können..
    Was soll man als Vater dem Kind da als Trost geben? Dass nächstes Jahr alles vorbei ist? Bei unserer Schlafmützenpolitik im Bereich Corona glaubt da doch kein Mensch mehr dran. Letztes Jahr ist Weihnachten, bzw. die Weihnachtsmärkte schon ausgefallen. Dieses Jahr wieder. Trotz genug Warnungen der Virologen, dass zum Herbst die Zahlen steigen werden.
    Hört man sich an, was Lauterbach aktuell zum Stand der Erfassungsdaten – und generell zur technischen Ausstattung der Bundesländer – sagt, wird einem Angst und Bange. Dazu das zaudern unserer politischen Führer zwar einschneidende aber richtige Entscheidungen zu treffen. Dadurch, dass zuviel Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Spinner genommen wird, um bloss nicht anzuecken bekommt die Schwurbler-Szene wieder Oberwasser. Angriffe auf die Polizei weil man sich nicht mal 5 Minuten ein Stück Stoff vor das Gesicht spannen will? Wenn ich verantwortlich wäre – Ich würde die Wasserwerfer auf Dauerfeuer stellen…
    Aber es gibt keine Repressalien – und das macht auch mit uns „Schlafschafen“ etwas. Denn so langsam fragt man sich, warum man sich selber noch an die Regeln hält, wenn es doch die anderen auch nicht tun und straffrei damit durchkommen. Beispiel Dortmunder U-Bahn: Zwar hängen überall Schilder „Zugang nur mit 2G und Maske“, und dass mit Kontrollen zu rechnen ist – aber in Wahrheit gibt es keine Kontrollen. Die Busfahrer sowieso nicht, die winken alle durch, weil die es durchgerungen nicht zur Kontrolle verplichtet werden zu können. Die haben Angst ihre Gesundheit zu gefährden, bei den zunehmend renitenten Fahrgästen, die zur Schwurbler-Szene gehören. Alleine schon dieser Grund zeigt, dass man vor den Schwachköpfen kapituliert hat.
    In den U-Bahnen das gleiche Spiel: Die Bahn rappelvoll, alle haben zwar eine Maske auf, aber 70 % haben nur eine OP-Maske vor der Fresse, bei der Hälfte von denen ist der Zinken draussen. Kontrollen? 2 Bedienstete in Uniform sind eingestiegen und blieben an der Eingangstür stehen und machten das Maul nicht auf. Die haben selber Schiss vor den Spinnern. Genau da ist wieder das beliebte Wort „Eigenverantwortung“. Man schiebt die Veranwortung von sich auf den Bürger. Hat letztes Jahr nicht funktioniert. Hat dieses Jahr nicht funktioniert. Wird auch nächstes Jahr nicht funktionieren. Muss man jetzt kein Prophet sein um das vorhersagen zu können.
    Das bringt mich wieder zu den Kindern. Denn mein Kumpel ist mittlerweile auch verzweifelt was er seiner Tochter mitgeben soll, um zuversichtlich in die Zukunft zu schauen: „sei fleissig, artig und ehrlich, dann wirst Du deinen Weg machen“ – wenn doch genau das Gegenteil zum Erfolg führt und auch gesellschaftlich geduldet ist? Was haben die denn für Menschen die in den Medien präsent sind als Vorlagen für ihr zukünftiges Lebensmodell: Influencer, die in Dubai ein Leben in Luxus vorgaukeln aber zu blöd sind eine Dose Katzenfutter zu öffnen? Politiker, die Karriere machen – aber so viel Dreck am Stecken haben, dass Sie eher in den Knast als in den Bundestag gehören. Ein Ex-Präsident eines großen englischsprachigen Landes, der rechtsradikal, Menschenfeindlich, im höchsten Maße egoistisch ist, sogar über Leichen geht und sich schon wieder für die nächste Wahl rüstet (mit guten Aussichten wieder gewählt zu werden). Krisenherde auf der ganzen Erde: Russland-Ukraine, China-Taiwan, Nordkorea-Südkorea, Deutschland-Bayern.. die Liste ist fast unendlich..
    Welchem Kind soll da der moralische Kompass nicht entgleisen?
    Ich möchte in der heutigen Zeit kein Kind sein..
    CU
    P.

    1. Mein lieber, da hast du ja wieder einen Kommentar abgegeben! Und ich hatte nicht mal Gelegenheit, dir darauf zu antworten. Das kommt aber jetzt.

      Ja, ich finde es erschreckend, wie in diesem Land ganz allgemein mit Kindern umgegangen wird. Da ist Lobbyarbeit (Was für eine Arbeit soll das denn sein?) wichtiger als das Wohl von Kindern.

      Nein, es kann ja nicht gut für die Kinder sein, ständig zuhause zu hocken. Das sehe ich bei meiner Tochter. Irgendwann ist dann sowas von die Luft raus, die kannst du dann zu nichts mehr motivieren. Und das wird dann das, was man als „verlorene Generation“-Drohkulisse aufbaut. Ein wirkliches Mittel dagegen ist aber noch niemandem eingefallen.

      Ich denke, in den letzten Tagen hat sich aber irgendwas im Umgang mit den Schwurblern getan. Der Ton ist irgendwie schärfer geworden. Aber ich bin da skeptisch genug, das nicht allzu hoch zu hängen. Aber irgendwas ist da passiert, findest du nicht auch?

      Du hast Recht, man fragt sich tatsächlich, wozu man sich selbst eigentlich an irgendwas halten soll, wenn es den „Aufgeklärten“ gelingt, um irgendwelche Konsequenzen herum zu kommen. Aber dann obsiegt die Vernunft. Was aber bleibt: Mein Ton ist auch rauer geworden. Da muss ich mich echt bremsen, damit ich nicht die verscheuche, die sonst hier gern lesen.

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