Resilienz: Ein Weizenkorn im Wind - Bild von suju-foto auf Pixabay

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Resilienz: Ein Weizenkorn im Wind

Eigentlich wollte ich nichts zu irgendwas mit dem 11. September schreiben. Aber wir können uns über Resilienz unterhalten. Habt ihr den Begriff schon mal gehört? Das passt nämlich ziemlich gut zusammen. Wir müssen irgendwie an den Punkt kommen, an dem es ohne Krieg und all dem dazu gehörenden Leid auch für alle gut geht. Ja, was den 11. September betrifft, bin ich ein bisschen spät für die Party. Aber mir geht es gar nicht so sehr um das spezielle Datum. Ich bin da so in meinen Gedanken gefangen.

Wo warst du am 11. September 2001?

Es ist mir fast peinlich, das zu erzählen. Aber am 11. September 2001 war ich zuhause. In meiner damaligen Wohnung. Arbeitslos. Krank. Ich hab doch mal von meinem Knieleiden erzählt. Das schleppte ich damals so mit mir herum. Mein Arzt hatte mich damals krank geschrieben und mir nahe gelegt, mir eine neue Beschäftigung zu suchen. Bis das Jobcenter – damals Arbeitsamt – aus dem Arsch kam, vergingen Wochen und Monate. Und so lungerte ich zuhause herum, immer wieder von Schmerzschüben geplagt.

Und ich hatte mich aus Langeweile mit der Börse beschäftigt. Ich hatte nie irgendwas investiert, aber ich habe die Kurse verfolgt und die in hübsche Listen in meinen damaligen Amiga 1200 eingetragen. Und meistens schaute ich nochmal am Nachmittag in die Kurse, damals auf N-TV. Meistens war das jetzt nicht so aufregend, aber ich konnte mich beschäftigen. Am 11. September 2001 tat ich das auch und war erschrocken, als der DAX am Nachmittag ins Bodenlose fiel.

Ich schaltete also flugs auf N-TV, ich hatte bis dahin irgendeinen anderen Sender an. Und ich sah das brennende World Trade Center. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was da los war. In dem Moment betrat meine damalige Partnerin die Wohnung. Ihr hatte ich das auch gleich gezeigt. Immernoch ohne jegliche Informationen. Sie meinte dann, weil sie es auch nicht besser wissen konnte: „Naja, vielleicht ist da jemand beim Rauchen eingepennt“. Es wäre ja eine plausible Erklärung, keine Frage.

Und dann nahmen wir erstmal die Worte wahr, die der Reporter da erzählte. Und so nach und nach kamen auch Video-Aufzeichnungen. Ihr kennt doch noch alle das kurze Video mit den Typen vor einem Haus und direkt darüber das Flugzeug. Sowas vergisst du nicht. Ich höre heute noch den lauten Knall, den das Video danach ausstrahlte. Meine Fresse, das brennt sich ein. Die Tage und Wochen danach waren dann, was die Nachrichten betrifft, bei mir nicht anders wie bei euch.

Das darf nie wieder passieren

Ja, nochmal: Für einen richtigen Blick auf „20 Jahre 11. September“ bin ich ein bisschen spät. Das ist doch aber auch nicht der Punkt. Wir müssen halt aufpassen, dass sowas nie wieder passiert. Egal, ob es Hitler-Deutschland war, ob es der Vietnam-Krieg war, die belgischen Gräuel-Taten im Kongo oder eben der Terrorangriff auf die USA oder was auch immer: Es darf einfach nie wieder passieren, dass so etwas möglich ist.

Was dann folgte, waren 20 Jahre Afghanistan-Einsatz. Was für ein Ende vor ein paar Wochen! Meine Fresse! Was denken sich wohl die Afghanen? Was die Soldaten? Und wir diskutieren über Gender-Sternchen und all diesen Unfug? Gibt es wirklich nichts wichtigeres? Wir sind ja drauf und dran, in einer endlosen Krise zu versacken, aus der dann der größte Krieg der Menschheitsgeschichte werden kann: Der Krieg um das Leben auf der Erde.

Ja, das klingt alles alarmistisch. Mir wird ja ohnehin bisweilen Alarmismus vorgeworfen. Aber wir sind auf dem besten Weg, diesen Planeten herzuschenken, weil jeder auf seinem eigenen Scheißhaufen hocken bleiben will und dieser am besten duftet. Wir müssen anfangen, uns über Resilienz zu unterhalten. Sonst kommt alles noch viel schlimmer. Und dann wird es bald egal sein, ob es „30 Jahre 11. September“ irgendwann mal noch geben wird. Denn es wird dann ja nicht mehr viel da sein.

Was soll das mit der Resilienz?

Die Menschheit muss in Sachen Resilienz vorsorgen. Das kannst du jetzt in viele Richtungen denken. Ich habe viel mit Clustern in meiner Arbeit zu tun. Einen Cluster baust du dann, wenn dir ein Service lieb und teuer ist. Denn dieser Service darf dir nicht ausfallen. Im Ingenieurwesen redet man exakt dann von Resilienz, wenn ein technisches System bei einem Teilausfall nicht vollständig den Geist aufgibt. Also wie bei einem Cluster.

Aber auch woanders gibt es Resilienz. Wenn die Energieversorgung vor einem Totalausfall geschützt ist, sich ein Ökosystem nach einer Störung regeneriert, Menschen gewissem Stress gewachsen sind oder eine Gesellschaft nach Kriegen oder Anschlägen wieder aufsteht. Lest mal die einzelnen Artikel in der Wikipedia. Dann bekommt ihr einen Eindruck, was Resilienz alles bedeutet. Aber wenn wir so weitermachen, ist das Alles nur ein Weizenkorn im Wind.

Die Sache ist ja die, dass vermutlich noch einige Generationen nach uns kommen werden. Die sollen ja auch noch irgendeinen Lebensraum haben. Denen können wir nicht nur verbrannte Erde hinterlassen. Oder sind wir tatsächlich solche Arschlöcher? Wir werden irgendwann eine Generation erleben, die zusammenrücken muss. Denn der Permafrost ist dann aufgetaut und hat ungeahnte Schadstoffe hinterlassen, die Meere sind angestiegen, die Wälder verbrannt. Also jedenfalls, wenn wir so weitermachen.

Ja, wir werden wohl nicht mehr viel davon mitbekommen. Aber es hat ja schon begonnen. Oder meint ihr, dass solche Katastrophen wie im Ahrtal oder in Kalifornien oder so vom Himmel gefallen sind? Wir müssen mal anfangen, einen Ausfallschutz für das zu bauen, was uns lieb und teuer ist. Nur ist es halt blöd, dass wir die Umwelt nicht in einem Cluster bauen können.

Heute, morgen, übermorgen

Wie gesagt, ich wollte das gar nicht so anreißen. Eigentlich hatte ich vor, mal wieder was technisches zu schreiben. Das muss dann aber warten. Denn mich hatte dieser Artikel beschäftigt. Denn wir haben nun einmal in ein paar Tagen Bundestagswahl. Wenn man sich so Wortmeldungen, Trielle, Duelle, Schlagabtausche und was sonst so antut, wird einem richtig gehend schlecht. Wenn wir nur die letzten 20 Jahre sehen, dann weiß ich, dass kaum eine Partei irgendwas daraus gelernt hat.

Und damit ist es dann auch mit der Resilienz vorbei. Wir haben ja vor allem durch die immernoch andauernde Pandemie gelernt, dass unsere Gesellschaft auf Kante genäht ist. Das kann eigentlich nicht sein. Und es geht ja auch nicht gut. Und dann hörst du Wortmeldungen in irgendwelchen Sendungen von Menschen, die zu wissen meinen, wie die Politik dieses Landes auszusehen hat, und kannst dir einfach nur noch an den Kopf greifen. Nichts hat man gelernt.

Und so wird es irgendwann mal Kriege und Kämpfe und Terroranschläge geben, weil es zu wenig Wasser oder Schutzmasken oder trockenes Land oder sonstwas gibt. In Sachen Resilienz hat dann niemand irgendein Rezept auf der Pfanne. Wie soll es denn dann weitergehen? Fangen wir dann an, „Kumbaya, my Lord“ zu singen? Oder fällt doch noch irgendwem irgendwas ein? Ich fürchte allerdings, dass die Antwort „Nein“ lautet.

Also können wir uns viel über Resilienz unterhalten. Ich baue weiter an Clustern rum, die Jugend „marodiert“ weiter durch die Innenstädte, vielen Menschen geht die Zukunft weiter meilenweit am Arsch vorbei. Das ist der Stand heute. Morgen ist es halt zu spät, sich Gedanken dazu zu machen. Und dann wird es vielleicht ein Übermorgen nicht mehr geben. Aber vielleicht brauchen wir gar nicht so weit zu denken, wenn wir die wildgewordenen Islamisten so sehen.

Resilienz: Ein Weizenkorn im Wind - Bild von suju-foto auf Pixabay
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