35 Jahre "Black Celebration" von Depeche Mode

35 Jahre "Black Celebration" von Depeche Mode

35 Jahre „Black Celebration“ von Depeche Mode

Es gibt Alben, die stechen aus der gesamten Diskografie heraus. Bei OMD ist es „Dazzle Ships“, bei Depeche Mode ist es zweifellos „Black Celebration“. Am 17. März 1986 erschien das Album, was viele Kritiker bis heute als „Gothic-Album“ ansehen. Ich sehe das Album als Meilenstein der Bandgeschichte an, weil es sehr melancholisch und düster ist. Ich sehe es als Dark Wave Album an. Und hier gibt es ein paar Worte dazu.

(Ich habe den alten Artikel quasi komplett über den Jordan gehauen. Hier ist also inzwischen vieles neu.)

Let’s have a Black Celebration!

Black Celebration besticht durch nicht massentaugliche Ware. Es werden spröde und dunkle Themen angesprochen. Es geht um ungewöhnliche Themen. Und musikalisch hat man sich auf eine neue Ebene gehoben. Man ging weg von radiotauglichem Material, hin zu Industrial-Tönen. Alles in allem ein bemerkenswerter Longplayer, in der Original-Fassung etwa 42 Minuten lang. Für mich ist das Album so ziemlich das wichtigste im Schaffen der drei – vier Briten.

"Black Celebration" von Depeche Mode im Re-Issue 2016
„Black Celebration“ von Depeche Mode im Re-Issue 2016

A-Seite

Das Titelstück erzählt von der Tatsache, dass ein weiterer schlechter Tag vorbei ging. Dies muss gefeiert werden, bevor man weitermacht, obwohl außer dem Glauben nicht viel übrig ist. Damit wird dieses Konzeptalbum sehr beeindruckend eingeläutet. Ich möchte dich in meine Arme nehmen und alles vergessen, das ich heute nicht tun konnte. „Black Celebration“ heißt zwar „schwarze Messe“. Was wäre denn aber, wenn es ganz anders gemeint ist?

Das Lied geht nahtlos über in „Fly On The Windscreen (Final)„. In dem sehr spröden Lied geht es um den Tod, der überall wartet, was ich daran zeigt, dass sich Fliegen auf der Windschutzscheibe befinden. Das Lied erschien bereits als B-Seite der Single „It’s called a heart“ und kann sicherlich nicht als jedermann’s Geschmack eingeordnet werden. Das ist aber bei dem ganzen Album nicht das Ziel gewesen. Der Sinn des Liedes ist, dass zum Leben auch Langeweile gehört. Am Ende eines schwarzen Tages soll man sich dennoch lieben können.

Wiederum nahtlos wird der Übergang zu einem der größten Liebeslieder der Bandgeschichte geschafft: „A Question of Lust“ verschafft mit seiner kalten Instrumentierung und dem engelsgleichen Gesang von Martin Gore eine spezielle Atmosphäre. „Es ist eine Frage der Lust, es ist eine Frage des Vertrauens. Es geht darum, nicht zuzulassen, dass alles, was wir aufgebaut haben, zu Staub verfällt. Es sind all diese Sachen und noch mehr, die uns zusammenhalten.

Die nächste Perle findet sich mit „Sometimes“ auf dem Album. Das kurze Stück beinhaltet Gospel-Elemente und zeigt nur Piano-Begleitung. Auch dieses Lied wird von Martin Gore gesungen. Manchmal stellt man alles in Frage. Wenn man so angetroffen wird, wird man all dem überdrüssig. Kannst du mit dem, was du siehst, glücklich sein?

In „It Doesn’t Matter Two“ geht es um Verlangen, Liebe und Schande. Prominent in der Mitte des Albums angesiedelt, spiegelt es den Sinn des Albums wider: Es handelt sich um kein Gothic-Album, sondern um ein Album über tiefe Gefühle. Und das wird hier eindrucksvoll geschildert. Obwohl wir die letzten Menschen auf der Welt sind, werden wir zu Pionieren und erzählen einander von unseren Hoffnungen und Ängsten.

B-Seite

Mit „A Question of Time“ kommt dann das wahrscheinlich bekannteste Lied des Albums um die Ecke. Es geht um das Spenden von Schutz, um sie vor dem Bösen des Unbekannten zu bewahren. Der Protagonist ist eine Art Vaterfigur für ein fünfzehnjähriges Mädchen. Es wird nicht mehr lang dauern, und du tust genau das, was sie von dir wollen. Das ist die Mahnung, anderen nicht nach der Pfeife zu tanzen.

Es folgt die Hauptsingle auf „Black Celebration“: „Stripped„, die bis heute umstritten ist. Das Industrial-Stück philosophiert zwar über das Entblößen im Wald. Aber der kryptische Text behandelt das Gefühl, sich fallenlassen zu können. Einfach ausbrechen aus der Großstadt, ganz bei sich sein. Das ist der Sinn des Liedes.

Here is the House“ behandelt das Gefühl, „angekommen zu sein“. Es erzählt uns über zärtliche Momente, ein gemeinsames Dach, um das Gefühl, vom anderen zu wissen, wie es in ihm aussieht. Es ist eine Art Andacht an die Liebe. Es geht das Gerücht, dass Martin Gore hier „das erste Mal“ beschreibt.

Dann darf wieder Martin Gore singen. „World full of nothing“ beschreibt die allererste Liebe, die eigentlich keine ist. Und obwohl man sich gegenseitig nicht glaubt, tut man „es“. Zentrale Aussage ist: „Obwohl es keine Liebe ist, bedeutet es etwas„. Es ist leicht, sich fallen zu lassen.

Ein Lied mutmaßlich über BDSM ist dann „Dressed in Black„. Sie ist schwarz gekleidet und macht ihn hilflos dabei. Sie ist wie ein Spiegelbild von jedem. Und sie steht über ihm und wirft Schatten auf ihn. Was kann er denn da noch tun?

Mit „New Dress“ wird dieses Album abgeschlossen. Martin Gore sagte im Nachhinein, dass ihm dieses Lied leid täte. In ihm wirft die Band Prinzessin Diana sehr deutlich vor, in völliger Ignoranz der wirklichen Welt ihre schönen, neuen Kleider spazieren zu führen. Dass dies nicht stimmt, wussten sie damals nicht. Daher tut ihnen das Lied auch leid.

Mein Erlebnis

"Black Celebration" - Rückseite der Schallplatte
„Black Celebration“ – Rückseite der Schallplatte

Unterm Strich ist das Album „Black Celebration“ eine melancholische Ode an die Liebe in ihren Facetten. Wer denkt, dass hier wirklich über schwarze Messen gesungen wird, sieht sich ein wenig getäuscht. Mit diesem Album wurden Depeche Mode erwachsen. Die Leichtfüßigkeit von „Just can’t get enough“ und Co. war weg. Und sie kam nie wieder. Es erhielt eine Platin-Auszeichnung und gilt bis heute als eines der besten Alben der Band. Da „Black Celebration“ so geschlossen das Thema Liebe behandelt, sehe ich es als Konzept-Album an, so wie es viele andere auch machen. Es ist das einzige der Bandgeschichte.

Auf dem Original-Album „Black Celebration“ fehlt die fluffige Nummer „But Not Tonight“, über die ich mal gesondert schrieb. Das Stück gehörte eben nicht auf das ursprüngliche Album. Das wiederum behandelt eben keine schwarzen Messen oder sonstwas. Es sind alle Facetten der Liebe. Die steht über allem, egal wie beschissen und langweilig ein Tag ist. Und die kann man auslegen, wie man will. Ob das nun am Ende eine „Black Celebration“ ist, sei mal dahingestellt.

Depeche Mode hatten mich mit dem Album gepackt. Schon wie der im Synthesizer hockende Daniel Miller von einem „kurzen Moment der Freude“ am Anfang des Titelstücks erzählt, ist speziell. Und am Ende der Dreiviertelstunde ist man sich sicher, dass es niemals einen bescheuerten Tag gegeben hat. „Black Celebration“ war 1986 eine Offenbarung. Und das haben Depeche Mode bis heute erhalten. Sie haben es jedoch nie wieder erreicht. Das Album ist und bleibt ein Meilenstein.

35 Jahre "Black Celebration" von Depeche Mode
35 Jahre „Black Celebration“ von Depeche Mode

3 Kommentare zu „35 Jahre „Black Celebration“ von Depeche Mode“

  1. Pingback: Längst vergessen: BUT NOT TONIGHT von Depeche Mode

  2. eine sehr schöne Rezension! Topp beschrieben. Auch wenn ich das Album nicht habe und Depeche Mode nie so wirklich meins war – klar die Hits von damals kannte ich auch und fand die gut – aber ein Album (egal ob Vinyl oder CD) hat nie einen Platz in meiner Schrankwand ergattert.
    Witzigerweise bin ich vor ein paar Jahren (die genauen Hintergründe lasse ich mal weg) zu einer riesigen Musikbibliothek gekommen. Deshalb tummeln sich jetzt 37 Alben von Depeche Mode bei mir. Und ich habe immer noch kein einziges Lied gehört… :-)
    Okay, ich entsorg die deshalb nicht – sowas wäre ja Sünde..
    Und vielleicht irgendwann – wenn wir nach Corona eine megageile 80er Revival Party machen – lasse ich mal „enjoy the Silence“, „Precious“ und „i just can’t get enough“ laufen…
    CU
    Peter

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top