35 Jahre „Forever Young“ von Alphaville

Letzte Aktualisierung am

Am 20. September 1984 kam eine unscheinbare Single auf den Markt namens „Forever Young“ einer Band namens Alphaville. Was dann geschah, ist längst Geschichte. Ich schreibe ja immer, dass Alphaville mehr als Pop sind. Aber vor allem bei „Forever Young“ manifestiert sich, wie falsch das Formatradio seit 35 Jahren liegt. Hier müssen wir mal ganz sauber aufräumen. Und das passiert mit diesem kleinen Artikel. Passt mal auf.

I want to be forever young

Lass uns anständig tanzen, lass uns für eine Weile tanzen. Das Himmelreich kann warten. Wir beobachten nur den Himmel. Wir hoffen auf das Beste, aber wir erwarten das Schlimmste. Werdet ihr die Bombe werfen oder nicht? Lasst uns jung sterben oder für immer leben. Wir haben nicht die Macht, aber wir sagen niemals nie. Wenn du im Sandkasten sitzt, ist das Leben nur eine kurze Reise. Die Musik ist für die Traurigen. Kannst du dir vorstellen, wann dieses Rennen gewonnen ist? Wir wenden unsere goldenen Gesichter zur Sonne. Wir preisen unsere Anführer, kommen mit ihnen in Einklang. Die Musik wird von den Wahnsinnigen gespielt.

Manche sind wie Wasser, manche wie die Hitze. Manche sind eine Melodie und manche der Rhythmus. Früher oder später werden sie alle weg sein. Warum bleiben sie nicht jung? Es ist schwer, alt zu werden ohne Grund. Ich möchte nicht krepieren wie ein Pferd auf der Flucht. Die Jugend ist wie Diamanten in der Sonne, und Diamanten sind für die Ewigkeit. So viele Abenteuer konnten heute nicht stattfinden. So viele Lieder vergaßen wir zu spielen. So viele Träume wehen von irgendwo her. Wir lassen sie wahr werden.

Für immer jung. Ich möchte für immer jung sein. Willst du wirklich ewig leben, für immer und ewig?

Die falsch verstandene Hymne

„Forever Young“ ist eine großartige Nummer. Aber sie wurde jahrzehntelang falsch verstanden. Bis heute spielen sie im Radio im Rahmen von „Die größten Hits der Achtziger, Neunziger und von heute“ dieses Lied ohne Nachzudenken als romantische Ballade. Das ist so falsch, dass es regelrecht weh tut. Denn romantisch ist an dem Lied nichts.

Die zentrale Frage ist: „Werdet ihr nun die Atombombe abwerfen oder nicht?“ – Bedenken wir: 1984 herrschte der Kalte Krieg. Wir beschäftigen uns bei „Forever Young“ mit der Frage, ob es die Menschheit überleben wird, wenn zwei Supermächte bis an die Zähne bewaffnet sich gegenüber stehen. Was passiert an dem Tag, wenn einer der Irren den roten Knopf drückt?

Bevor sich Alphaville als Band formierte, nannten sich die Musiker „Forever Young“. Das war 1981. 1984 kam dann das Debüt-Album „Forever Young“ mit eben jenem Hymnus daher. Es ist eigentlich fantastisch gemacht: Die erhabene Dur-Melodie, die getragenen Keyboard-Teppiche, das kraftvolle Schlagzeug und hinten heraus das beeindruckende Coda im Stile von Bach.

Wenn da eben nicht das Formatradio wäre. So hat man es geschafft, eine wunderbare Hymne für den Weltfrieden in ein beliebiges Dudel-Stückchen umzuwandeln. Und bis heute wird Alphaville dem „Pop“ zugeordnet. Und nach wie vor stimmt das nicht. Das passt alles zu der wunderbar nachdenklichen Nummer „Forever Young“. Es ist ein Trauerspiel.

Alphaville gingen immer über Grenzen

Wer „Forever Young“ schon falsch einordnet, wird auch immer ungläubig gucken, wenn man sagt, dass Alphaville niemals Pop waren. So war das auch bei „Big in Japan“, was der Traum von westlichen Bands war: In Japan riesige Erfolge feiern, aber im Heimatland unbedeutend sein. Ein gutes Beispiel ist die Band „Mr. Big“ („To be with you“).

Aber das ist gar nicht das, worüber ich schreiben wollte. Denn Alphaville sind ja mehr als nur „Big in Japan“ und „Forever Young“. Es gibt Jazz-Einflüsse, epische Werke, Neue Deutsche Härte, verwegene Geschichten und so weiter und so fort. Alphaville sind immer eine Überraschung. Und sie bleiben dabei immer sie selbst.

Man hatte sie schnell irgendwo einsortiert. So geschah das auch mit „Forever Young“. Und seitdem dudeln die 03:45 durch die Achtziger-Neunziger-Hits der Welt. Dabei ist das Lied so viel mehr. Es ist ein Vermächtnis, dass uns die Erde nicht allein gehört. Wenn es doch nur jemand gehört hätte.

Das Lied

Wir, die wir mit diesem Lied durch die Jugend gegangen sind, können mit Fug und Recht sagen: Was zur Hölle ist in den 35 Jahren alles passiert! Das Lied ist der perfekte Soundtrack dafür. Das Lied hat für uns Mittvierziger verdammt viel Bedeutung. Macht es nicht kaputt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.