Plattenhören: Der besondere Zauber der B-Seiten - Bild von Pexels auf Pixabay

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Plattenhören: Der besondere Zauber der B-Seiten

Jaja, unter dem Begriff “Schallplatte” kann sich vielleicht jemand noch etwas vorstellen. Aber B-Seiten? Das ist für manch jungen Menschen nicht vorstellbar. Ich habe einen ganzen Haufen an Schallplatten. Und ich höre wahnsinnig gern Musik, die nicht so sehr im Formatradio verhackstückt wird. Beides passt wunderbar zu den B-Seiten. Heutzutage würde man “Bonustracks” sagen. Aber nicht mal die gibt es mehr großartig im Zeitalter des Musikstreaming. Schade eigentlich, denn unter den Anhängseln gibt es ein paar wirklich besondere Stücke.

Was sind denn eigentlich B-Seiten?

Wenn eine Band oder ein einzelner Künstler ein Album aufnimmt (Auch so ein Begriff, der jüngeren Leuten nicht mehr viel sagt), dann es meistens nicht nur 10, 12 Lieder, die da eingespielt werden. Ich glaube, Prince war es oder Michael Jackson, der für ein Album um die 30 Lieder aufgenommen hatte. Naja, und dann geht es an die Auswahl, was dann letztlich auf den Tonträger kommt. Was macht man aber mit der bündelweise übrig gebliebenen Musik?

Vieles ist dann zu schade, um ungehört zu bleiben. Zum Teil landen dann die Lieder als B-Seiten auf den Singles, die aus dem Album ausgekoppelt werden. Also früher war das wohl so. Heutzutage ist es so, dass aus einem möglicherweise existierenden Album zwar Singles veröffentlicht werden, dann aber mit Bergen von Remixen. Echte B-Seiten gibt es nur noch selten. Dabei sind da einige echte Perlen darunter zu finden. Die darf man sich auch gern mal zu Gemüte führen.

Ab und an werden gar die B-Seiten populärer als die eigentlichen Hauptlieder der Single. So geschehen mit “Über den Wolken” als B-Seite der Reinhard-Mey-Single “Mann aus Alemannia”. Oder wer kennt nicht den Udo-Jürgens-Klassiker “Ich war noch niemals in New York” als B-Seite von “Das wünsch ich dir”. So gibt es allerhand Beispiele. Am Ende ist es jedenfalls so, dass B-Seiten keineswegs schlechte Lieder sein müssen, die die Künstler einfach mal verstecken müssen. Jetzt gibt es mal ein paar Beispiele.

Depeche Mode und die schwedische Melancholie

Das Album “Music for the Masses” von Depeche Mode aus dem Jahr 1987 markierte so etwas wie den Höhepunkt der Karriere der Band. Es gab die Welthits “Never let me down again”, “Strangelove” und “Behind the Wheel”. Ach, und eine vierte Single, nämlich “Little 15”, die so ein bisschen im Schatten steht. Darauf finden wir als B-Seiten zwei Stücke. Eins davon das beeindruckende “Stjärna”, das schwedische Wort für “Stern”. Was für ein großartiges Instrumental, wie ich finde:

“Stjärna”: eine der beiden B-Seiten von “Little 15” von Depeche Mode

Bruce Springsteen und das rosa Auto

Ihr kennt alle Bruce Springsteen. Es gab 1984 das Album “Born in the U.S.A.”, darauf die erste Single “Dancing in the Dark”. Die hatte als B-Seite das großartige Rock’n’Roll-Stück “Pink Cadillac”. Das war so gut, dass es zu schade war, als Bonus zu versauern, weshalb Natalie Cole ein paar Jahre später das Lied als Cover-Version veröffentlichte und einen Welthit landete.

Gehört zu den Weltklasse-B-Seiten: “Pink Cadillac” von Bruce Springsteen

The Cure und die Langeweile

Ja,. von The Cure gibt es natürlich auch etwas. Das Debüt-Album der Alternative Rocker heißt “Three Imaginary Boys”, und deren erste Single hieß damals “Killing an Arab”. Das war 1979. Aber das war gar nicht so sonderlich nennenswert. Mehr als ein Achtungserfolg war es eben nicht. Erwähnenswert allerdings bleibt die B-Seite “10:15 Saturday Night”, ein großartiges Stück Langeweile:

Ebenfalls eine der legendären B-Seiten: “10:15 Saturday Night” von The Cure

Erasure im Balladen-Modus

Erasure hatten es immer wieder drauf, großartige Balladen zu fabrizieren, wie diese Nummer eindeutig beweist. “Ship of Fools” hat natürlich auch B-Seiten. Einmal ein altes Lied von Ike & Tina Turner, aber “When I needed you” ist eine wunderbare Ballade, die sie hier ihren Fans spendiert haben. Hört mal.

Eine der besten B-Seiten von Erasure: “When I needed you”

Neonlicht? Nö, Kraftwerk und das Model

Kann sich irgendwer an das Lied “Neonlicht” oder halt “Neon Lights” von Kraftwerk erinnern? Das war Single vom Album “Die Mensch-Maschine” 1978. Ja, OK, OMD haben es 1991 gecovert. Aber sonst hat man es eher vergessen. Die B-Seiten aber nicht, besonders berühmt wurde “Das Model”, oder?

Wenn die B-Seiten bekannter sind als die Hauptlieder von Singles: “The Model” von Kraftwerk

OMD und das unfertige Titelstück

Da wir gerade bei OMD waren: “Neon Lights” befindet sich auf dem Album “Sugar Tax”, was ich hier mal auseinander genommen habe. Es gab bei dem Album auch ein Titelstück, als “Sugar Tax”. Allerdings war das noch nicht fertig, als Andy McCluskey mit dem Album herauskommen sollte. Ein halbes Jahr nach dem Album kam die wenig erfolgreiche Single “Then you turn away”. Und dort schließlich befindet sich dann auch das Titelstück des Albums:

Eine der elegantesten B-Seiten, die ich kenne: “Sugar Tax” von OMD

Was will ich damit eigentlich sagen?

Ich habe jetzt 6 Beispiele von zum Teil legendären B-Seiten gebracht. Die Bonusstücke sind zum Teil besser als die Hauptlieder. Jedenfalls sind sie keineswegs schlecht, oder? Aber was will euch der Uhle eigentlich damit sagen? Eigentlich nur eins: Wenn ihr genervt seid von der Alltags-Dudelei im Formatradio, sucht euch mal solche Lieder raus. YouTube ist voll davon. Vielleicht habt ihr ja auch Zugriff auf Singles, Maxisingles und dergleichen. Sucht einfach mal nach selten gespielten Liedern eurer Lieblingsmusiker.

Denn das, was im Radio vor sich hin dudelt, sagt meistens nicht allzu viel darüber aus, was die Bands alle drauf haben. Es ist nämlich so eine Eigenart von Musiklabels, die Lieder auf die Menschheit loszulassen, die möglichst massentauglich sind. So ist das dann auch bei den Formatradios. Und so ist das, was sie euch im Radio vorsetzen, immer der kleinste gemeinsame Nenner und keineswegs das Beste.

Ich könnte ewig so weitermachen mit den B-Seiten. Aber ich will euch ja nichts aufdrücken, was ihr vielleicht gar nicht hören wollt. Aber ich muss euch vermutlich enttäuschen: Von vielen aktuellen Bands gibt es eben nur noch Streaming-Angebote und Downloads. Und da sind eben keine B-Seiten mehr dabei. Damit geht ein kolossal wichtiges Element verloren, über das sich Bands ausdrücken können. Denn ehrlich: Auf den Rückseiten von Singles können sie sich gegebenenfalls austoben, im Stream nicht. Schade.

Wenn ihr habt, würde es mich mal interessieren, welche Bonusstücke, B-Seiten, Rückseiten oder was auch immer euch so gefallen. Gern auch mit YouTube-Link. Es ist leider so, dass viel Musik einfach ungehört bleibt, weil sie nicht im Radio gespielt wird. Warum die das so machen, habe ich oben ausgeführt. Also: Was hört ihr so, was hier in die Sammlung hineinpassen würde?

Plattenhören: Der besondere Zauber der B-Seiten - Bild von Pexels auf Pixabay
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2 Kommentare zu „Plattenhören: Der besondere Zauber der B-Seiten“

  1. Die Ärzte haben eine große Box mit allen B-Seiten, alten Interviews usw. rausgebracht. Ich habe mir jeden Tag eine Platte genommen und durchgehört. So großartiger Kram, der oftmals so viel mehr über eine Band aussagt, als das, was so im Radio läuft.

  2. PET SHOP BOYS brachten mit ALTERNATIVE 1995 ein Album mit 2 CDS raus nur mit B SEITEN. Großartiges Album.

    ERASUREs WHEN I NEEDED YOU hätte auch als A Seite und Single Release großen Erfolg gehabt.

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