Skip to main content
Anarchie: Angriff auf Polizisten - (C) OpenClipartVectors CC0 via Pixabay.de Anarchie: Angriff auf Polizisten - (C) OpenClipartVectors CC0 via Pixabay.de

Die Gesellschaft ist enthemmt

Ich bin radikal. Mitte-extrem, sozusagen. Andere behaupten: Linksgrün-versifft, respektive ein Nazi. Je nachdem. Und es gibt eine Studie, die darüber etwas weiß. Es geht um die „Ich bin kein Nazi, aber…“ und ähnliche Aussagen. Darüber hat die Universität Leipzig eine Studie angefertigt, die derzeit für viel Aufsehen sorgt. Die so genannte „Mitte-Studie“ wird natürlich in der Luft zerrissen, so wie man meine Meinung immer in irgendeine Schublade stecken will, in die sie nicht herein gehört. Aber so ist das nun einmal.

Was ist denn die „Mitte der Gesellschaft“? Immer wieder schunkelt dieser Begriff durch die Gazetten. Ich würde als „Mitte der Gesellschaft“ das annehmen, was man so als Querschnitt ansehen würde. Also irgendwie so etwas wie jeder zehnte Bürger oder so. Jedenfalls hat sich dieser Querschnitt radikalisiert. Behauptet die Uni Leipzig. Es wird viel mehr polarisiert, es gibt klaren Extremismus, und das war mal der Grundstein des Nationalsozialismus in Deutschland. Zur Zeit der Weimarer Republik.

Irgendwie erscheint es da seltsam, dass man derzeit mehr und mehr von einer Berliner Republik erzählt. Die Begrifflichkeit ist eine vergleichbare. Und wenn wir nun davon reden wollen, dass sich die Mitte radikalisiert, können wir eigentlich nur davor warnen, was drohen kann. Ich meine, wenn wir annehmen, dass sich Geschichte immer wiederholt. Aber so weit ist es nun einmal noch lange nicht. Aber es ist nun einmal so, dass derzeit Minderheiten immer weiter abgewertet werden.

Nein, ich rede dabei nicht einmal von Flüchtlingen. Ich rede von religiösen Minderheiten oder von Homosexuellen oder so. Ich denke an Begriffe wie „die große Entschwulung“ und dergleichen. Ich weiß noch, dass vor noch nicht ewig langer Zeit Homosexuelle von einzelnen Menschen, die ich persönlich damals kannte, als „schwule Sau“ oder „Dreckslesbe“ bezeichnet wurden. Und ich erinnere mich an Vorkehrungen von Vorgesetzten an ihre Mitarbeiter mit der Androhung einer Abmahnung, wenn der Mitarbeiter, der sich als transsexuell outet, Probleme bekommen sollte.

Mit religiösen Minderheiten ist es ähnlich. Und da es mit anderen Minderheiten auch nicht anders ist, müssen wir darüber reden. Sie bekommen immer wieder Ärger. „Das da passt nicht in unsere Gesellschaft“ heißt es immer. Da werden den Gartenzwergen aus den Vorgärten die Mistgabeln geklaut und Jagd auf diese Minderheiten gemacht. Das ist es, was mit einer „enthemmten Mitte“ gemeint ist. Da plärrt man „Wir sind das Volk“ – bei Spielen der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft auch gern mal „Schlaaaand“ und Co. – und tritt die Rechte anderer gern mal mit Füßen.

Es wird alles irgendwie mit Tradition und Kultur und all dem begründet. Ein Moslem, der hierher gekommen ist, ist nun einmal jemand völlig anderes als der deutsche Michel, der Hans heißt. Der Moslem könnte Hans ja die Luft zum Atmen nehmen, also muss er verfolgt und vertrieben werden. Und der schwule Klaus von nebenan hat einen ganz schlechten Einfluss auf unseren Sohn und all das. Ich denke, das sind alles irgendwie Besitzängste, die da die „enthemmte Mitte“ ausmachen.

All diejenigen, die der Meinung sind, dass AfD, PEGIDA Recht haben, haben eigentlich Sorge davor, dass es ihnen an irgendwas fehlen könnte. Sie würden es nie zugeben, aber sie radikalisieren sich damit Stück für Stück. Sie können nicht einfach als Pack und so hingestellt werden, man muss sie ernst nehmen mit ihren Ängsten und Sorgen. Aber ich habe es schon in vielen Artikeln geschrieben: Dazu hätte man mit ihnen reden müssen, als noch die Chance dazu bestand. Die ist vorbei.

Es ist wohl so, dass in Deutschland 5% der Wahlberechtigten offen rechtsradikal sind und von denen auch nur ein Teil rechtsradikal wählen würde. Das ist nun nicht die Mitte der Gesellschaft. Die Mitte der Gesellschaft sind die, die alltäglich mit den Problemen zu kämpfen haben, wenn sich eine Gesellschaft umstellt. Da man die Mitte nicht mitgenommen hat, wird die Radikalisierung immer weiter gehen. Und die Minderheiten werden immer größere Probleme bekommen.

Ich kann mich nicht damit abfinden, dass Deutschland wirklich so geworden ist, dass man bei jedem Wort oder jeder Handlung darüber nachdenken muss, damit man nicht die sprichtwörtliche Fresse voll bekommt. Das ist es, was der „Extremismus der Mitte“ betrifft. Ich sehe mich – wie eingangs erwähnt – als in der Mitte zuhaue an. Aber wenn die sich radikalisiert, habe ich da keine Lust mehr drauf. Ich hoffe daher, dass die Studie unrecht hat. Aber ich fürchte, dass ich mich irre.

Verteilen Sie diese Erkenntnis doch einfach wie 3 andere auch

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 Gedanken zu „Die Gesellschaft ist enthemmt

  1. Die Zeit zum reden ist vorbei! Jetzt handeln – es gilt null Toleranz!
    Die Verkehrung von links und rechts kann nicht hin genommen werden unter dem Motto rechts erlaubt und links verboten.
    Es muss den Leuten aufgezeigt werden wenn sie Grenzen überschreiten. Hier muss mehr als ein Denkzettel her.

    Und nochmal…
    Auch wenn aus Berlin jede Menge Scheiße kommt muss man nicht gleich den Rattenfängern hinter her rennen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.