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Das Leipziger L Das Leipziger L

Wasserhahn, Steckdose, Haltestelle – Das große Leipziger L

Leipziger werden sich unter Umständen gewundert haben, was da in letzter Zeit so umher kurvt. Es gibt nämlich ein gelbes L in der Stadt. Und das prangt überall auf Bussen, Straßenbahnen und dergleichen. Und ich habe viele Leute mitbekommen, die sich da gefragt haben, was das soll. Also musste ich mal schauen. Und ich bin auf die „Leipziger Gruppe“ gestoßen. Darüber muss ich mal eben schreiben.

Die Stadt Leipzig hat jetzt eins gemacht, was ich durchaus als sinnvoll erachte. Aus den kommunalen Unternehmen wurde ein großes Ganzes, nämlich die „Leipziger Gruppe“ oder eben auch das L. Die Firmen der Leipziger Gruppe sind im Großen und Ganzen die folgenden Unternehmen:

  • Leipziger Verkehrsbetriebe – vormals LVB – Geschäftsfeld Mobilität
  • Leipziger Stadtwerke – vormals Stadtwerke Leipzig – Geschäftsfeld Energie
  • Leipziger Wasserwerke – vormals KWL – Geschäftsfeld Wasser

Sie alle sind nun unter dem Dach der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (LVV) vereinigt. Die einzelnen GmbHs gibt es deshalb trotzdem noch, also die Stadtwerke Leipzig GmbH, die Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH und die Kommunalen Wasserwerke GmbH. Aber sie alle sind nun Teil der „Leipziger Gruppe“ und treten gemeinsam auf. Das ist für viele Leipziger eine neue Situation. Aber man gewöhnt sich auch daran.

Da schaut man sich nun also auf dem gemeinsamen Internet-Auftritt um und sieht viel Lobhudelei. Was sollen sie aber anderes verkünden? Firmen-Webseiten sind meistens irgendwie eine reine Werbebande für das jeweilige Unternehmen. Da nimmt sich die „Leipziger Gruppe“ nichts mit anderen Unternehmen. Und natürlich sind da Floskeln zu lesen wie „Heute schon an morgen denken“ in Bezug auf Kinder und Jugend oder „Hat bei uns immer Konjunktur“ in Bezug auf Familie und Soziales.

Man macht sich natürlich auf und verkündet, was man alles sponsert, wie man Kunst und Kultur schätzt, dass man jederzeit flexibel unterwegs ist, mit Elektromobilität flexibel in die Zukunft fährt, für ein besseres Morgen investiert und all das. Hier gibt es überall Nachholbedarf. Gern stellt man sich hin und verkündet, dass Leipzig die Hauptstadt der Elektromobilität sei, wie ich irgendwo las, auch wenn jede zweite Ladesäule für Elektroautos in Leipzig kaputt ist. So wie auch die Fahrkartenautomaten für Bus und Straßenbahn nicht immer wie erwartet funktionieren.

„Wir sind Leipziger“ verkündet der einheitliche Markenauftritt der Unternehmensgruppe. Man will über die Management-Holding LVV, die nun die Leipziger Stadtholding mimt, mit Minimalismus glänzen. So kommt auch die spärliche Domain www.l.de sparsam wie nix daher. Und Minimalismus ist auch angesagt, denn man will viel Geld sparen. Und man tut so, als ob man höhere Ziele erreichen kann, weshalb man zusammengerückt ist. Die Entwicklung des neuen Auftritts hat um die halbe Million gekostet, aber man erwartet Synergie-Effekte, mit denen jährlich mehrere Millionen gespart werden können.

Ob es nun der Twitter-Account der Verkehrsbetriebe ist oder jener der Stadtwerke Leipzig oder der oben verlinkte Internet-Auftritt ist – die Corporate Identity ist auf jeden Fall gegeben. Ob die „Leipziger Gruppe“ letztlich auch zur Identifikationsfigur in der Stadt wird, muss erst die Zukunft zeigen. Einiges läuft sehr professionell ab, auch schon vor der quasi-Fusion. Bei einigem hat die Unternehmensgruppe teils gehörigen Nachholbedarf. Aber so kann am Ende die Versorgung der rund 570000 Einwohner zählenden Stadt auf Dauer sichergestellt wird. Ich finde das am Ende einen guten Weg. Aber wie sehen Sie das?

Was können wir denn als Leipziger von „unserem Konzern“ (oder wie man das auch immer der Bevölkerung näher bringen will) zukünftig erwarten? Werden zum Beispiel die (Ab)Wasser- und Nahverkehrspreise steigen? Sicherlich, das ist nun einmal in einem Wirtschaftssystem so. Wird es besser oder schlechter für die Bevölkerung werden? Ich nehme an, es wird irgendwann besser. Aber davon ist das große L noch ein ganzes Stück entfernt.

Chef des Ganzen ist Norbert Menke, bisher Geschäftsführer der LVV. Die Doppelspitze wird komplettiert durch den kaufmännischen Geschäftsführer Volkmar Müller. Die mussten sich gewaltige Proteste anhören, die von „Musste das sein“ bis „Ach, für eine solche Verschwendung ist Geld da“ gingen. Leute, nun lasst sie doch einfach mal machen. Noch einmal: In meinen Augen ist das ein sinnvoller und guter Weg. Ob das klappt, weiß doch niemand. Die 4 Unternehmen – also LVV, Stadt-, Wasserwerke und Verkehrsbetriebe – arbeiten schon sehr lang zusammen. Also kann man das auch bündeln.

Für Bestandskunden ändert sich selbstverständlich nichts. Warum auch? Warum soll ein Stromkunde nun einen neuen Vertragspartner bekommen? Warum soll die Monatskarte von einem anderen Dienstleister kommen? Ich schrieb oben, dass die einzelnen GmbHs weiterhin existieren werden. Also bleiben auch alle Verträge mit den Kunden so bestehen. Oder glaubt irgendwer, dass sich da großartig etwas ändert? Zumindest in absehbarer Zeit wird es keine riesigen Änderungen geben. Vielleicht in entfernterer Zukunft. Aber das wird wohl eine andere Geschichte werden.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

3 Gedanken zu „Wasserhahn, Steckdose, Haltestelle – Das große Leipziger L

    1. Ich glaube, die LWB ist kein klassischer Versorger. Dazu werden immernoch „nur“ Verkehr, Entsorgung und Energie gezählt. Aber vielleicht gibt es auch andere Gründe. Ich kann mir vorstellen, dass der Einfluss der LVV auf die LWB nicht so groß ist.

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