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YouTube - (C) TymonOziemblewski CC0 via Pixabay.de YouTube - (C) TymonOziemblewski CC0 via Pixabay.de

Völlig verarmte YouTuber

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als es diese albernen Videos von Leuten bei Videos gab? Das ist sehr lange her, denn es wurde ein Milliarden-Markt. Wann genau das passiert ist, ist mir nicht klar. Und mir ist auch nicht so richtig klar, wieso man denkt, es wäre selbstverständlich, auf YouTube Geld zu verdienen. Ja, es gibt gar etwas, was diese Leute als Beruf ansehen. Das nennt sich YouTuber. Und die Plattform hat jetzt irgendwas gemacht. Dadurch werden nun unzählige dieser YouTuber ganz schrecklich verarmen.

Ich muss sagen, ich habe diesen Hype um YouTuber nie verstanden. Entweder war ich auf den falschen Kanälen unterwegs, oder die sind wirklich alle so. Da gibt es tatsächlich Stars auf YouTube, die mit Gelaber und Vorzeigen von gekauftem Zeug (das nennt sich „Haul“) Unmengen an Geld verdienen. Und es gibt YouTuber wie der oben gezeigte. Ich gebe zu, dass ich mich mit dem Kanal nicht weiter beschäftigt habe. Aber ernsthaft! Kann dem Mann mal jemand einen Teller Suppe spendieren? Dem geht es finanziell ganz furchtbar schlecht.

Diese YouTuber haben mit ihrem Gesülze – mehr ist es oft nicht, ich habe es überprüft – ein Vermögen eingenommen. Der oben gezeigte YouTuber hatte bisher Einnahmen von 8000 oder 9000 Euro im Monat. Er ist selbständig. Und soweit ich es verstanden habe, hat er noch ein Zubrot zu seinem YouTube-Hungerlohn, indem er sich hier sponsern lässt und dort unterstützen lässt. Und er warnt allen Ernstes davor, dass er bald eine Ausbildung machen muss, wenn das mit den Einnahmen so weitergeht, denn er würde ja jetzt „nur noch“ 2000, 3000 Euro einnehmen.

Ernsthaft? Junge, haben sie dich irgendwie in der Kindheit zu heiß gebadet? Das ist schon extrem frech, was du da ablässt. YouTuber ist kein Beruf. Dummes Zeug palavern kann ich auch. Wer weiß, vielleicht mache ich auch mal einen YouTube-Kanal auf und werde stinkreich. Ich meine, wenn das so einfach geht. Da beschwert sich ein Hänfling darüber, bald am Hungertuch zu nagen, weil er „nur noch“ das Gehalt eines gut ausgebildeten Informatikers hat. Wo war die Mauer, gegen die du da gelaufen bist? Frag mal die Bäckerei-Verkäuferin mit ihrem knappen 1000er pro Monat, für den sie mitunter um 2 in der Nacht aufstehen muss.

Ich kann die Großfressigkeit solcher Lackaffen einfach nicht verstehen. Wie gesagt, neben den Einnahmen über YouTube / Google soll man ihn über PayPal unterstützen, irgendwas bei Steam kaufen oder per Amazon-Partnerlink irgendwas kaufen. Und das nur wegen Plappern? „Entmonetarisieren“ heißt das Zauberwort. Weil andere seinem Reden nach Blödsinn erzählen, gehören sie entmonetarisiert. Und er da oben? Wie viel hochwertiger ist sein Geplapper? Und mit welchem Recht kommt er mit einem Moratorium um die Ecke? Entweder YouTube bezahlt richtig, oder er geht endlich richtig arbeiten.

Leute, solche wie er haben nicht mal eine Ausbildung. Das hat er ja verkündet in dem Video. Wie kann man so fahrlässig sein? Aber er macht sich ja gern mal lächerlich auf Kosten anderer. Hauptsache, seine Einnahmen stimmen. Wie gesagt, wir reden hier von 8000 bis 9000 Euro jeden verdammten Monat. Und wir reden davon, dass er die für so eine gequirlte Grütze bekommt:

Aber ich will mich nicht weiter über diesen YouTuber aufregen. Ich verstehe eins grundsätzlich nicht. Wie kommen YouTuber auf die Idee zu denken, dass sie ein Anrecht auf diese kolossalen Einnahmen haben? Google stellt ihnen mit YouTube eine Plattform zur Verfügung. Kostenlos. Für YouTube gilt in meinen Augen genau das, was auch für Facebook und Twitter und all die sozialen Netzwerke gilt: Diese Plattformen gehören alle nicht den Nutzern, sondern gewinnorientierten Kapitalgesellschaften. Die Nutzer haben sich nach den Regeln der Betreiber zu richten. Und nicht anders.

Und wenn YouTube nun auf die Idee kommen würde und gar kein Geld mehr ausschütten würde, wäre es auch in Ordnung. Wenn sie es in ihre Geschäftsbedingungen reinschreiben, ist das doch völlig okay. Was wollen diese YouTuber dann machen? Gegen YouTube klagen? Marodieren? Was? Ich verstehe es nicht. Ich meine, wenn YouTube weniger Werbepartner hat als in letzten Jahr, werden sie natürlich weniger ausschütten. Was ist so schwer daran zu verstehen? Die Aufregung daran ist für mich deshalb nicht ganz nachvollziehbar.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass es YouTuber gibt, die es als Selbstverständlichkeit ansehen, mit ihrem Kanal einen Haufen Geld zu machen. Die kommen nicht einmal auf die Idee, dass ihr Stückchen YouTube-Kanal nur ein weiteres Stück geborgtes Internet ist. Und das ist es, was es so dreist macht. Am Ende muss ich für den jungen Mann oben nochmal das allererste Video hier einbauen, was jemals auf YouTube gezeigt wurde. Das nämlich ist es, was die Plattform ausmacht.

Nur mal zur Klarstellung: Ich will hier niemanden beleidigen. Es gibt tatsächlich richtig gute Videos auf YouTube. Da werden Sachen als Anekdote erzählt. Da werden Dinge vorgeführt. Es gibt Anleitungen und all das. Das stelle ich nicht in Frage. Neben all den Katzenvideos und Palaver wie von dem oben verlinkten Herrn gibt es kolossal gute Inhalte. Aber man darf doch niemals denken, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass man damit Geld verdient. Wie das Bloggen sollte auch YouTube nur als Hobby gelten. Und das wäre aller Ehren wert.

Glücklicherweise sehen das auch diverse YouTuber so. Es sind nicht alle raffgierig. Keine Frage. Es gibt richtig gute Videos, für die die Urheber keinen Cent einnehmen und auch gar nicht einnehmen wollen. Und das gibt mir das gute Gefühl, dass bei der Plattform vielleicht doch noch nicht Hopfen und Malz verloren ist.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „Völlig verarmte YouTuber

  1. Moin,

    toller Beitrag. Da werden Erinnerungen wach, an die Zeit als FB mal etwas drastischer an seinem Look geschraubt hat. Wie viele haben darüber gejammert? Ich dachte immer, ja dann, verlangt doch euer Geld zurück.

    LG, Dieter

    1. Hallo Dieter,

      Danke dir. Ja, das stimmt. Wenn Nutzer anfangen, sich darüber zu beschweren, dass das von ihnen kostenlos benutzte Produkt nicht mehr nach ihren Wünschen funktioniert, ist das Geschrei immer groß.

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