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Eine Insel, eine Tragödie und viel Musik

Ein Urlaubsparadies war sie, irgendwo auf halbem Wege zwischen den Bahamas und Venezuela gelegen. Leider ist vom Paradies nicht mehr viel geblieben, und das ganz ohne den Eingriff des Menschen. Ob sich die Insel noch lang durchbeißen wird, ist ungewiss.

Die Rede ist von der Insel Montserrat, einer Insel der Kleinen Antillen und Überseegebiet des Vereinigten Königreiches. Um die 6,5 tausend Leute leben dort auf etwa 100 km². Und die machen das Beste aus ihrer Situation. Und dabei ging es ihnen mal so gut.

Gute 20000 Jahre war Ruhe auf der kleinen Insel in der Karibik. Es erblühte eine Kultur, die Insel wurde von Europäern erobert und „zivilisiert“, Europäer (vor allem Briten) nutzten die Insel als Rückzugsgebiet und Urlaubsort. Bis zum 18. Juli 1995.

Wo Jahre zuvor noch sehr erfolgreich Musik produziert wurde (Dire Straits, Sting, OMD, Paul McCartney oder Phil Collins), brach der über der Insel thronende Vulkan „Soufrière Hills“ aus. Das hatte sich aber schon in den drei Jahren zuvor durch immer wiederkehrende Erdbeben angekündigt.

Der Vulkan befindet sich im südlichen Drittel der Insel. Bei dem Ausbruch, eine wahre Explosion, wurden Tonnen an Material in die Luft geschleudert. Die Hauptstadt Plymouth wurde von Asche bedeckt. Im August wurde der Süden von Montserrat evakuiert. Ab November hatte sich dann ein Lavadom gebildet, der immer wieder aufbrach und so genannte pyroklastische Ströme in die Tiefe jagte.

Im September 1996 wurde die Insel wieder evakuiert. Der Lavadom kollabierte, und es kam am 17. September 1996 zu einem explosiven Ausbruch. Danach bildete sich gleich wieder ein neuer Dom. Bis Juni erreichten die Ströme bisher nicht betroffene Gebiete. Alle Siedlungen im Süden, auch die Hauptstadt und der Flughafen wurden zerstört. Es bestand große Sorge, die ganze Insel könnte explodieren, weshalb die Bevölkerung evakuiert wurde.

Aber der Vulkan hatte noch nicht genug. Zu Weihnachten 1997 kam es zur bislang schwersten Explosion des Ungetüms. Allein bei dieser wurden ca. 42 Millionen m³ glühendes Gestein auf die südwestliche Insel geschleudert.

Im folgenden März beruhigte sich der Vulkan wieder. Allerdings ist er weiterhin aktiv. Es kam 2000, 2001, 2003, 2006 und 2007 zu nennenswerten Ausbrüchen. Und der Lavadom wächst wieder. Die pyroklastischen Ströme gibt es immermal, wie 2010, als sie bis 400 m ins Meer jagten.

Ob die Insel jemals wieder zur Ruhe kommt, ist völlig ungewiss. Ein Urlaubsparadies wird sie nicht mehr werden. Wie es mal war, zeigt ein Lied von OMD, was auf Montserrat geschrieben und produziert wurde und so gar nicht zum Stil der Briten passt. Die Rede ist von „All wrapped up“ aus dem Album „Junk Culture“ aus dem Jahr 1984. Das Video kann nicht eingebunden werden, gleichwohl kann ich auf dieses Lied verweisen.

Viele Musiker, die einen Teil ihres Schaffuens auf Montserrat taten, gaben am 15. November 1997 in der ehrwürdigen Royal Albert Hall das Benefizkonzert „Music for Montserrat“. Außerdem musizierte Ian Anderson, Frontmann von Jethro Tull, den Vulkanismus auf Montserrat auf seinem 2000er Album „Secret language of birds“.

Ja, bei Unheil flüchten die Vögel, das ist deren Geheimsprache. Sind derzeit Vögel auf Montserrat zu sehen? Ich hoffe, die Antwort ist: Ja. Andernfalls können die Hauptstadt Brades und der neue John A. Osborne Flughafen wieder abgebaut werden.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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