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2 Träger von Aluhüten - von Jodie McGrath (Photo by Jodie McGrath) [Für die Lizenz, siehe], via Wikimedia Commons 2 Träger von Aluhüten - von Jodie McGrath (Photo by Jodie McGrath) [Für die Lizenz, siehe], via Wikimedia Commons

Aluhut und Montagsdemo

Ich glaube, ich muss mir mal ernsthaft einen Aluhut bauen. Denn sonst verfalle ich auch noch in das Lament, dass alles kaputt geht. „Wir werden alle sterben“, wird man jetzt immer öfter hören. Und alles wird mit dem geschichtsträchtigen Begriff „Montagsdemo“ in Einklang gebracht. Dafür mein Applaus.

Irgendwie treibt ziemlich viel zurzeit Stilblüten, die jeder Beschreibung spotten. Da gibt es Montagsdemos gegen alle mögliche. Und irgendwie treiben sich da immer so Leute herum, die der aufmerksame Beobachter gern – nun ja – rechts der Mitte einordnet. Diese Demos spalten derzeit die deutschen Nutzer des Internet. Sind etwa die Initiatoren der Demos alles Spalter?

Da gibt es Demos gegen das Geldsystem, Solidaritätsdemos für die Ukraine, Demos mit Antiamerikanismus als Kern und Kundgebungen für viel, viel Freiheit. Gerade letzteres ist schon etwas seltsam, denn wirkliche Freiheit gibt es nicht. Man ist immer von irgendetwas abhängig, und sei es das Geld.

Was man bei solchen Demos immer wieder feststellt, ist das Klientel. Und bemerkenswert ist auch, was dort alles zu sehen ist. Es ist dabei egal, wo diese Demos stattfinden. Da gibt es auf der einen Seite die so genannte „Kopp-Fraktion“ und auf der anderen Seite die so genannte „attac-Fraktion“. Und wie das immer so ist, die ersten werden rechts, die anderen links verortet. Und es wird von Hetze und von solchen Dingen erzählt.

Irgendwo habe ich neulich über die Montagsdemos gelesen, dass die Initiatoren den Rechtsstaat unterminieren würden. Das klingt mir doch dann sehr nach „Wir müssen eine nationale Front der politischen Solidarität gegen diese Subjekte bilden“. Also irgendwie nach SED-Parteitag der Achtziger-Jahre.

Wenn man doch nur realistisch sein könnte. Denn das, was ich über die Montagsdemos alles so gelesen habe (und das war viel), das birgt tatsächlich eine gewisse Gefahr. Es wird tatsächlich gewisser rechter Zinnober zelebriert. Da wird tatsächlich Kleinstaaterei wie im 19. Jahrhundert gefordert. Da wird tatsächlich auch über eine gewisse Reinheit von Völkern erzählt. Ich verlinke das aus gutem Grund nicht, da ich solchen Leuten hier keine Bühne gebe.

Was auf jeden Fall unsinnig ist in einer solchen Situation, ist dieses Kein-Fußbreit-Gerede. Wem nützt das denn? Die einen werden nicht von einem „Römischen Reich Deutscher Nation“ ablassen, die anderen werden immer darüber schimpfen. Warum redet niemand mit seinem Gegenüber und versucht, einen Kompromiss zu finden?

Klar, weil „die“ eh nicht wollen. Stattdessen dann lieber das alltagstaugliche „Wir werden alle sterben“. Das Verworrene an dem Oberbegriff „Montagsdemo“ ist dann ja auch noch, dass es keine klare Positionierung gibt. So kann man nicht einfach von einer „klar linken“ oder „klar rechten“ Veranstaltung reden. Das Weltnest hat hierzu recherchiert, dass in Leipzig zwar der NPD der Mund verboten wurde, aber rechtes Geschwurbel über die Ahmadiyya-Moschee kundgetan werden durfte. Verstehen Sie das?

Im Moment sind diese Montagsdemos allesamt im Auge des Beobachters nur störend. Da wird sich irgendwo zentral zusammengefunden, da werden ein paar Sprüche geklopft und auf alles mögliche geschimpft. Und nach verhältnismäßig kurzer Zeit löst sich der Pulk immer wieder auf. Aber wie gesagt: Im Moment. Wer weiß, wie das mal wird.

Wie mir scheint, sind aber die meisten dieser Kundgebungen irgendwie am rechten Rand zu verorten. Die häufigsten Themen drehen sich ja wohl um Euro-Kritik, Separatismus oder Esoterik. Aus diesem Grund ist es immer gut, wenn man einen Aluhut mit hat, wenn man eine solche Demo besucht. Denn dann ist man einer von ihnen.

Aber wer will denn schon auf Zeug Wert legen, das von Leuten wie Beatrix von Storch oder Ken Jebsen oder sonstwem aus dieser Ecke stammt? Es ist zwar völlig klar, dass Europa in dieser Form nicht mehr lang auf so hohem Niveau jammern kann, vor allem Deutschland nicht. Aber nun Drohkulissen aufzubauen und eindeutig rechtes Gedankengut dabei zu verbreiten, ist ebenso wenig gut. Aber das wissen die Initiatoren sicher schon, es ist ihnen halt nur egal.

Schauen Sie mal, was die Leipziger Internetzeitung zum Thema Montagsdemo alles aufgeschrieben hat. Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 – Ich weiß noch nicht zur Gänze, wie man das letztendlich einordnen soll. Aber ich glaube, der Gedanke an einen Aluhut ist schon nicht ganz falsch. Oder was meinen Sie?

Bildquelle: 2 Träger von Aluhüten – von Jodie McGrath (Photo by Jodie McGrath) [Für die Lizenz, siehe], via Wikimedia Commons

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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