Geheimdienste schaden der Wirtschaft

Ja, ich weiß, das Thema ist nicht neu. Aber man kann eigentlich nicht oft genug darüber erzählen. Zu ernst ist das alles. Und es wird ernst bleiben, so lang alle Welt dazu mit den Schultern zuckt. Ich werde nicht müde werden zu betonen, dass die Geheimdienste mit ihren Aktionen, das komplette Internet abzusaugen, auch der Wirtschaft Schaden zufügen. Wer das in der Politik gut und richtig findet, der gehört sofort (wieder) abgesetzt.

Ich gehe ja nach wie vor davon aus, dass die ganze Sache mit der NSA eine riesige Nebelkerze ist, um von wirklichen Dingen abzulenken, die da im Hintergrund passieren. Trotzdem läuft immer wieder ein Gedankenfaden in Richtung Wirtschaftsspionage. So muss sich der australische Geheimdienst ASIS derzeit vor dem Ständigen Schiedshof in Den Haag verantworten, den Nachbarstaat Osttimor wegen eines riesigen Ölfeldes ausspioniert zu haben. Das kann man alles nachlesen.

Mittlerweile ist wohl auch der inzwischen nicht mehr Amt befindliche Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich auf die Idee gekommen, dass man sich gegen Wirtschaftsspionage schützen muss. Hans-Peter Friedrich soll ja Gerüchten zufolge seinen Posten an die so genannte „Zensursula“ abgeben. Also werden wir wohl in Sachen Internetpolitik, Überwachung und dergleichen vom Regen in die Traufe kommen.

Jedenfalls hatte Friedrich noch vor ein paar Tagen die deutschen Unternehmen gewarnt, dass die Wirtschaftsspionage „rasant zunehmen“ würde. Das tut sie ja auch. Nur ist meine Meinung eben, dass nicht nur die „bösen, bösen Chinesen und Russen“ spionieren, sondern eben auch Amerikaner, Briten, Franzosen etc. etc. Ja, und Deutschland genauso. Man will technologische Vorteile erhaschen. Man will den Markt dominieren. Die unbedeutenden Privatnutzer im Internet werden da gleich mit ausgekundschaftet.

Aus diesem Grund ist es gar nicht verwunderlich, dass nun mittlerweile Unternehmen auf die Idee kommen, selbst tätig zu werden und Detekteien in die Spur schicken, um Spionage- und Abhör-Gefahren festzustellen. Und dann braucht man sich auch nicht zu wundern, dass bei solchen Dingen auch ganz andere Sachen festgestellt werden. Da gibt es ja Detekteien, die da sehr erfolgreich arbeiten.

Detektiv spielen an der Haltestelle - (C) Jusben via morguefile.com
Detektiv spielen an der Haltestelle – (C) Jusben via morguefile.com

Aber was ist das nur für eine Welt geworden? Jeder schnüffelt jeden aus? Da steht ja auch Whatsapp als erfolgreichste App der Smartphone-Geschichte weiterhin im Verdacht, ganz groß im Geschäft der Datenfilterung mitzuspielen. Es ist ja dann völlig klar, dass man dann so allmählich nur noch mit den Schultern zuckt.

Ich denke, wir laufen über kurz oder lang in einen direkten Kollaps der Systeme hinein. Das Internet wird keine Nutzer haben, weil man die Nutzer zu sehr drangsaliert und abhört und abmahnt und was sonst noch. Die globale Wirtschaft wird kollabieren, wenn es windige Auftraggeber gibt, die bei noch viel windigeren Konkurrenten schnüffeln lassen. Informationen werden nicht mehr geteilt, weil man ständig mit Abmahnungen rechnen muss.

Nicht falsch verstehen: Was Recht ist, muss auch Recht bleiben. Keine Frage. Und wenn eine Detektei wie die weiter oben verlinkte auf Mauscheleien stößt, müssen diese natürlich verfolgt werden. Aber mir kommt es auch so vor, als ob viele Organisationen und Dienste unter der schützenden Hand ihrer jeweiligen Regierungen einfach mal Wildsau spielen und denken, sie können machen, was sie wollen. Maß halten ist eine Tugend, die zum Beispiel Geheimdiensten völlig abhanden gekommen ist.

Empfangsantenne - (C) Alviman via morguefile.com
Empfangsantenne – (C) Alviman via morguefile.com

Die Kosten für die Wirtschaftsspionage belaufen sich wohl jährlich auf rund 50 Milliarden Euro allein in Deutschland. Ich glaube, das ist der Grund, warum in Deutschland das Thema Cloud Computing bei noch so wenigen Firmen positiv gesehen wird. Das bekomme ich durch meine täglich Arbeit ja auch mit. Und bei Dingen wie „Office 365“ besteht in den Augen diverser Firmen immernoch die Sorge, dass Dritte mitlesen können. Und man findet als Dienstleister schlecht Argumente gegen solche Meinungen.

Dass Firmen recherchieren, wo ihr Geld geblieben ist oder ob sich Mitarbeiter und Konkurrenz fair und vertragskonform verhalten, das ist völlig richtig und nachvollziehbar. Dass aber mit Staubsaugern Daten abgeschnorchelt werden, um der eigenen Wirtschaft einen Vorteil zu bringen und anderen Wirtschaftsräumen zu schaden, dass ist nicht vertretbar. Hier muss es schnellstens eine Aufklärung und eine Lösung geben. Hier sehe ich aber schwarz bei den Leuten, die in Spekulationen die Ministerposten der bevorstehenden Großen Koalition besetzen sollen. Ganz ehrlich.

Die Wirtschaftsspionage wird weltweit weiter von den Geheimdiensten durchgezogen. Weil keine Regierung den Schmackes hat, dagegen ernsthaft etwas zu unternehmen. Und deshalb wird – wer auch immer als Kanzleramtsminister für die deutschen Geheimdienste zuständig sein wird – vom künftigen Geheimdienstkoordinator die NSA-Affäre im Stile von Ronald Pofalla für „beendet“ erklärt.

Titelbild: Spy Kid – (C) wintersixfour via morguefile.com

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