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Havelland, ick hebb ’ne Birn

Wir waren ein paar Tage im Havelland. Obwohl das Wetter eher so mau war, war es trotzdem ein großartiger Kurztrip, den man gern weiterempfehlen kann. Im weitesten Sinne drehte sich unser Trip rund um die Stadt Brandenburg an der Havel. Aber eben nicht nur. Das habe ich mal aufgeschrieben. Und ich habe ein paar Galerien, in denen man sich beim Klicken auf die Fotos mal die Gegend anschauen kann, wenn man denn will.

Der Beetzsee

Der Beetzsee am nordöstlichen Rand von Brandenburg an der Havel (Ja, das muss man so nennen, damit man die Stadt nicht mit dem Bundesland verwechselt) ist ein Rinnensee, der in der letzten Eiszeit entstand. Er gehört weitgehend zur Stadt Brandenburg und ist über schmale Kanäle, die man Sträng nennt, in drei Teile unterteilt und mit der Havel verbunden.

Die Stadt breitet sich rund um den See aus und ist am Westufer mit der Gemeinde Amt Beetzsee verwachsen, in der im Dorf Brielow unser Hotel direkt am See liegt. Der See selbst liegt in der so genannten Beetzseerinne, die in einem Knick nach Nordosten bis in die Mittelmark verläuft. Viele kleine und malerische Dörfer liegen an ihr. Und sie verliert sich erst weit im Nordosten bei Nauen in der Havelländischen Luch. Ein gigantisches Seegebiet, das in etwa so aussieht:

Ja, das Männchen gehört dazu, wird es doch direkt in einem kleinen Haus am Beetzsee angefertigt. Und wie gesagt, an diesem See, der in die Havel entwässert, liegt unser Hotel. Ich mache hier keine Hotelbewertung, die gibt es schon. Das Hotel nennt sich „Seehotel Brandenburg an der Havel“ und liegt in Brielow. Das Gebäude schaut auf den See hinaus, und man stößt auf diese Ansicht, wenn man ankommt:

Brielow im Amt Beetzsee

Brielow ist ein kleines Dörfchen am Rande der Stadt Brandenburg an der Havel. Zu dem kleinen Dörfchen gehören noch zwei Wohnplätze. Einer davon heißt Brielow Ausbau. Man muss sich jetzt vorstellen, dass wir am Ortsausgang Brandenburg nach Brielow Ausbau kamen. Auf einer Nebenstraße. Und diese führte dann wieder nach Brielow in eine Sackgasse, an deren Ende das Hotel steht.

So wahnsinnig viel hat Brielow nicht zu bieten. Das ist ja auch klar, oder? Der See ist schon sagenhaft. Aber zwei Dinge gibt es dann doch noch zu erwähnen. Einmal die Dorfkirche, die keinen Namen hat. Und einmal die Schwedenlinde. Und die hat es in sich. Die ist 400, 500 Jahre alt. Angeblich soll unter ihr ein schwedischer Soldat aus dem Dreißigjährigen Krieg begraben sein.

Der Baum selbst wird mit Seilen und dergleichen zusammen gehalten, da er sonst auseinander brechen würde. Das tut er aber nicht. Die Linde ist auch keineswegs ein toter Baum. Jedes Jahr steht sie in voller Pracht auf dem Friedhof Brielow direkt vor der Kirche. Und das sieht dann so aus:

Brandenburg – Die Domkirche St. Peter und Paul

Brandenburg an der Havel gilt als „Wiege der Mark“. Und als solche ist sie natürlich auch eine besondere Kirche. Der Dom ist praktisch die „Mutter aller märkischen Kirchen“. 928 wurde die slawische Burg Brandenburg von den christlichen Sachsen erobert und in der Folge das Bistum Brandenburg errichtet. 1165 wurde dann die Domkirche errichtet und gilt bis heute als eins der Wahrzeichen der Stadt und des gesamten Havellandes. Der Dom liegt auf der Dominsel, um welche die Havel fließt. Aus der Altstadt führt der Domsträng dahin.

Ob es nun die „bunte Kapelle“ oder die Krypta oder der Dreigiebelschrein oder was auch immer in der ältesten märkischen Backsteinkirche ist, es ist auf jeden Fall mal wert, diesen Dom zu besuchen, auch wenn man nicht gläubig ist. Es ist einfach sehenswert, was da alles gebaut wurde und wie filigran gearbeitet wurde.

Havelrundfahrt

Wer schon mal dort in der Gegend ist, sollte mal mit einem der Dampfschiffe über die Havel kuttern. Es werden dabei verschiedene Routen angeboten. Klar, das Stadtgebiet von Brandenburg ist durchzogen mit Wasserstraßen, Kanälen und Co. Und wie das eben so bei solchen Fahrten ist, bekommt man auch einiges erklärt. So haben wir erfahren, das die Stadt durch den Handel groß geworden ist, weil man unter anderem das Salz am Salzhof umschlug.

Und man erfährt vom legendären Fritze Bollmann, einem Friseur. Der war Alkoholiker und wurde von Kindern verspottet. Eines Tages ging er im Domsträng angeln und fiel ins Wasser. Das erzählte er dann seinen Kunden, woraus dann ein Spottlied entstand. Und bis heute wird gesungen „Zu Brandenburg uffm Beetzsee, ja, da liegt een Äppelkahn…“. Bollmann wurde zu einer Art Symbol für Brandenburg, und so schmückt er oft das Stadtbild. Und die Hotelbar bei uns trug eben auch seinen Namen.

Man kommt bei so einer Fahrt an den Stadtmühlen vorbei, an Gärten, Kneipen und all dem. Man sieht die Binnenschiffe kreuzen, wenn sie in Richtung Schleuse unterwegs sind. An vielen Grundstücken liegen Boote, mit denen vielleicht die Besitzer auch mal auf der Havel unterwegs sind. Hausboote kommen vorbei, und draußen auf dem Beetzsee ist die Regattastrecke, die europaweit bekannt ist. Auch bei uns im Hotel waren Sportler untergebracht, die diese Strecke nutzen wollten.

Brandenburg – Das Slawendorf

Irgendwann im 9. oder 10. Jahrhundert kamen die Slawen ins Havelland. Sie machten sich an der Havel breit und bauten ihre Hütten und errichteten ihre Wirtschaft. Davon zeugt das Slawendorf, das vor einigen Jahren mitten in der Stadt Brandenburg zwischen dem Salzhof und der Innenstadt errichtet wurde. In mühevoller Kleinarbeit wurde eine slawische Siedlung nachgebaut. Und das ist wirklich sehenswert.

Ob es der Fischer, die Bäckerin, der Schmied, der Zimmermann oder sonstwer war, das typische Leben in so einem Dorf kann man sich dort anschauen. Und zwar in Originalgröße. Wer will, kann eingerichtete Telefonnummern anrufen, wo eine Bandansage erzählt, wie es zu der Zeit gewesen sein musste. Die Slawen wurden aufgrund von Krankheiten und fehlender Hygiene kaum älter als 30 Jahre. Ihre Toten begruben sie in so etwas wie Urnengräbern, sie hatten Ferienhäuser für Besuche und eine florierende Wirtschaft.

Bei Ausgrabungen wurden viele Funde gemacht, und irgendwann vor 10, 15 Jahren entschied man sich zum Bau dieses Slawendorfes. Wie gesagt, das ist in jedem Fall einen Besuch wert. Allerdings sollte man sich ggf. selbst versorgen, da die Schenke mitten im Dorf nur an drei Tagen in der Woche geöffnet hat. Abgesehen davon sind die 3 Euro pro Person für den Eintritt gut investiert.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Wo wir schon mal da sind, fahren wir mal zum alten Ribbeck. Das war so der Gedanke. Man hört ja immer mal von Schloss Ribbeck. Also fuhren wir in das Nest, das eigentlich vollständig vom alten Gutsherrn und vom Autor Theodor Fontane geprägt ist. Ribbeck selbst gehört zur Stadt Nauen. Und um dorthin zu kommen, wenn man aus Brandenburg kommt, fährt man einige Zeit durch das Nichts. Zumindest kommt es dem Großstädter aus Leipzig so vor.

Ich würde das Alles nicht als Schloss bezeichnen. Die Ribbecks sind wohl so etwas wie Landadel. Fontanes Gedicht handelt von Hans Georg von Ribbeck. Wer sich die Ahnentafel anschaut, muss schon fragen: Ja, welcher denn? Es handelt sich um den Hans Georg von 1689 bis 1759. Die Geschichte von ihm erschien als Sage aus der Grafschaft Ruppin, und aus der Gruft der von Ribbecks wuchs tatsächlich mal ein Birnbaum, der durch einen Sturm 1911 umgeworfen wurde.

Fontane stilisiert Hans Georg als freigiebig, seinen Sohn als geizig. Diese Geschichte wurde auch durch die Ribbecks selbst gepflegt. Das Stammhaus in Ribbeck gehört dem märkischen Uradel und ist mittlerweile ein Museum. Außerdem befindet sich darin ein Standesamt, und es gibt immer wieder musikalische Darbietungen. Die Ribbecks gehen wohl auf einen Henricus de Ritbeke zurück, der im 13. Jahrhundert Domherr an St. Gotthard in der Stadt Brandenburg war. St. Gotthard war Ausweichkirche zum Dom, während dieser gebaut wurde.

Durch das weltbekannte Gedicht von Fontane ist in dem Dorf Ribbeck die Birne omnipräsent. Im alten Waschhaus, was so etwas wie ein Devotionalien-Laden und Souvenirgeschäft ist, kann man Birnenschnaps, Birnensenf und was auch immer mit Birnen kaufen. Dort soll auch richtig guter Birnenkuchen zum Kaffee verkauft werden. Allerdings war es für uns noch zu früh am Tag, weshalb wir diesen ausschlugen. Aber Schloss Ribbeck mit seiner Ausstellung ist einen Ausflug wert.

Kloster Lehnin

Im ekligen Nieselregen fuhren wir von Ribbeck – nordöstlich von Brandenburg – nach Lehnin – südöstlich von Brandenburg. Das Kloster ist die Zentrale der gleichnamigen Gemeinde, zu der einige Orte, unter anderem auch Lehnin selbst, gehören. Das Kloster selbst wurde 1180 gegründet. Es handelt sich um eine ehemalige Zisterzienserabtei, die 1542 durch die Reformation säkularisiert wurde. In dem Komplex finden wir die riesige, spartanische Marienkirche, den Luise-Herietten-Stift und ein Hospiz.

Das Kloster Lehnin war eminent wichtig bei der Ausweitung der damals noch jungen Mark Brandenburg. Dies wird überall auch verdeutlicht. Die Mönche der Zisterzienserabtei lebten damals sehr zurückgezogen und bescheiden, waren aber politisch von entscheidender Bedeutung. Theodor Fontane hatte sich ausgiebig mit dem Kloster in „Der Sturm“ beschäftigt. Der letzte Zisterzienserabt starb dann 1543. Der Ort Lehnin wurde evangelisch und somit wohl auch das Kloster.

Der riesige Sakralbau, die Marienkirche, wurde vor etwa 150 Jahren komplett saniert, was bis heute als Meisterleistung gilt. Nach den Mönchen nämlich verfiel der Bau, und er wurde im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt. Vor über hundert Jahren zog dann der Luise-Herietten-Stift ein, bei dem es sich um ein Diakonissen-Mutterhaus handelt. Neben dem Kloster befindet sich ein größeres Krankenhaus, und im Kloster ein Hospiz für schwer oder unheilbar Kranke.

Im ganzen Gelände findet man irgendwie seine Ruhe, wird geerdet. Man findet dann, dass doch alltägliche Dinge irgendwie nur noch Kleinigkeiten sind. Und dass ekliger Nieselregen völlig egal ist. Das Alles wird auch durch die Schlichtheit der gesamten Anlage gezeigt. Wer mal ausklinken will, sollte ruhig mal diese Klosteranlage aufsuchen.

Fazit der Reise

Alles richtig gemacht. Wir hatten trotz des eher durchwachsenen Wetters ein paar unvergessliche Tage. Das Havelland wird unterm Strich durch Fritze Bollmann, Theodor Fontane und den Ribbecks bestimmt. Die Havel ist allgegenwärtiger Begleiter. Und ob nun unzählige ausrangierte Güterwagen in der Gegend herum stehen oder man am Beetzsee nicht genau weiß, zu welchem Ort die Straße gerade gehört, ist egal. Wir haben es genossen.

Man darf natürlich nicht erwarten, dass im Havelland nun wie verrückt der Bär steppt. Aber das haben wir auch nicht gedacht. Wir wollten raus aus dem Alltagsstress. Und dafür bietet sich das Havelland regelrecht an. Klar, mitten in der Stadt Brandenburg an der Havel haben wir fast Leipzig, so mit Stau, Bus und Straßenbahn. Abgesehen davon ist das dort die richtige Gegend, um einfach mal zu entschleunigen.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 thoughts to “Havelland, ick hebb ’ne Birn”

  1. Ja, die Ecke ist wirklich schön, ohne Frage. Und sie entschleunigt ganz wunderbar.
    Wir haben in Brandenburg, genauer gesagt in Plaue schon mehrfach ein Hausboot gemietet (das darf man dort sogar ohne Sportbootführerschein fahren), da wird die Entschleunigung noch doller. Meine Empfehlung für das nächste Mal!

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