Selbstoptimierung für die Tonne, bitte - Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Selbstoptimierung für die Tonne, bitte - Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Selbstoptimierung für die Tonne, bitte

Wenn man so im Urlaub ist und endlich mal Zeit für sich hat, kommt man freilich ins Grübeln. Und so denkt man auch über solche Dinge wie Selbstoptimierung nach. Was habe ich da in den letzten Wochen, Monaten, vielleicht sogar Jahren immer mitbekommen. Und dann glaubst du am Ende vielleicht selbst noch dran. Soll ich euch was sagen? Das halte ich alles für ausgemachten Blödsinn, nachdem ich ein bisschen in mich gegangen bin. Und ich versuche mal, euch zu erzählen, wieso ich das so sehe.

Was bedeutet Selbstoptimierung?

Wow! Einfach wow! Es gibt Definitionen zum Begriff Selbstoptimierung. Du legst irgendeinen Zielzustand fest. Und um den zu erreichen, machst du einen Prozess durch, um dahingehend bereit zu sein. Um das möglichst optimal zu erreichen, erfasst du in regelmäßigen Abständen, wie weit du bist. Du machst also – ernsthaft – eine Soll-Ist-Analyse. Von dir selbst. Es gibt unzählige Lebenskünstler-Blogs, die genau so etwas propagieren. Echt jetzt? Aber warum?

Welchem Ideal wollen wir denn hinterher hecheln? Was soll das bringen? Und: Wer legt denn die Ideale fest, die wir versuchen zu erreichen? Wenn wir alle irgendwie die gleichen Ideale erreichen wollen, wo bleiben wir dann als Individuen? Wofür ist das Alles denn gut? Solche Fragen stellst du dir, wenn du ein paar Tage frei hast und woanders unterwegs bist. Ab und zu musst du halt mal innehalten, um wieder klar zu denken, bevor du komplett durchdrehst.

Das mit der Selbstoptimierung ist nämlich so eine Sache. Man denkt sich oftmals, dass man da nur irgendwelche Tipps von irgendwelchen Möchtegern-Selbstoptimierern befolgen muss, schon wird alles gut. Rubbeldiekatz, sozusagen. Aber das ist ja gar nicht der Fall. Man macht sich nur selbst verrückt. Was erreicht man denn dadurch? Am Ende verliert man sich selbst. Aber Hauptsache ist, dass man seinem Ideal näher gekommen ist, egal wie viele Späne gefallen sind.

Ich will das Alles nicht mehr

Wie ihr in dem Beitrag mitbekommen habt, sehe ich das Ganze äußerst skeptisch. Aber eben auch erst in letzter Zeit, seitdem ich Zeit für mich hatte. Schaut mal nach dem Stichwort „Selbstmanagement“. Da habe ich ein paar Geistesblüten hinterlassen. Ja, ich habe mich auch mal von dem Quatsch namens Selbstoptimierung leiten lassen. Aber ich habe das irgendwie auch kritisiert. Ganz ehrlich: Wenn mir jemand mit „Mindset Shift“ kommt, kann ich einfach nur weglaufen.

Und das ist doch, was ich meine: Da kommen irgendwelche Leute daher, die wahrscheinlich in irgendeinem Workshop gelernt haben, wie sie anderen in einem Workshop erzählen, wie sie einen Mindset Shift erreichen, um optimal zu funktionieren. Vieles davon ist echt weltfremd. Ich will das Alles nicht mehr. Wozu eine Selbstoptimierung, wenn man eigentlich mit seinem Leben ganz zufrieden ist? Das ist doch eigentlich kompletter Unfug, oder übersehe ich irgendwas?

Zufriedenheit ist meiner Meinung nach das Stichwort. Wenn ich immer höre, dass Menschen immer nach höherem streben, wird mir schlecht. Wie viele davon halten das Ganze durch und sind dabei glücklich? Ich sage jetzt nicht, dass wir nicht immer besser werden sollen. Stillstand ist der Tod. Aber: Muss man denn irgendwelchen Optimierern folgen? Muss ich irgendwelche Ratgeber wälzen, um die Selbstoptimierung voran zu bringen? Ich bin unschlüssig, aber eben auch skeptisch.

Lifehack-Bullshit

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Kennt ihr Khaby Lame? Das ist der junge Mann im Video oben. Es gibt da ja allerlei Menschen, die euch irgendwas von „Lifehacks“ erzählen. Wie ihr am besten das Klopapier abzupft, eine Banane schält oder was auch immer. Alles mit viel Wow-Effekt. Und dann kommt Khaby um die Ecke und „zerstört“ diese ominösen „Lifehacks“. Dieser Quatsch kommt ja auch von dieser Selbstoptimierung. In dem Video seht ihr, wie sehr Bullshit das ist.

Was ich am Ende sagen will: Lasst euch nichts erzählen. Wer auch immer daher kommt und euch einen von Selbstoptimierung erzählt, lasst sie oder ihn reden. Findet euren eigenen Weg. Und fragt euch ab und zu mal, ob ihr immer zum Extremen streben müsst. Ihr sollt nicht stur und verbissen mit euch zufrieden sein. Aber hört auf, irgendwelche Ideale und „Lifehacks“ zu glauben, nur weil diese gerade in irgendeinem sozialen Netzwerk abgefeiert werden. Die sind meistens nicht viel wert.

Selbstoptimierung für die Tonne, bitte - Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
Selbstoptimierung für die Tonne, bitte – Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

8 Kommentare zu „Selbstoptimierung für die Tonne, bitte“

  1. Haha,
    Ja Henning.. isso..
    Ich kenne die Videos von Ihm und was das Thema Life Hacks angeht: jaaaaaa, da gibt es ein paar (wenige) ganz interessante – aber das meiste ist Bullshit. Doch das ist ja das übliche Problem – wie wir ja von den tollen Coaches aus dem Bereich „Bloggen um reich zu werden“ (wobei natürlich nur der Coach gemeint ist, der wieder einen Doofen gefunden hat, dem er seine mehrere hundert € teuren Kurse verhökern kann) wissen, soll man sich ja mit dem Blog auf ein einziges Thema konzentrieren. Doof, wenn man sich als Thema die Rubrik „Life Hacks“ ausgesucht hat. Ist doppelt doof, wenn es nicht so viele gute Life Hacks gibt – die Leserschaft muss ja befeuert werden. Also werden die dämlichsten Dinge angestellt und Tätigkeiten, die man mit 2 Handgriffen erledigt hätte so verdröselt, dass man dafür 10 braucht – möglichst noch mit einem Video dazu.
    Mein „Lieblings Life Hack“ – der alles dazu sagt und wirklich ernst gemeint war – ist, dass man in der Spülmaschine den obersten Gläsereinsatz in der Höhe verstellen kann. Denn dann passen unten auch große Pizza-Teller rein! Echt jetzt? Dafür reicht ein Blick in die Bedienungsanleitung – und dass die Entriegelungsbügel am Korb für etwas gut sind, sollte einem der gesunde Menschenverstand sagen. Aber ich vergesse ja, dass wir im Jahr 1 nach Covid sind und die Schwurbler immer noch nicht aufgegeben haben – deshalb ist meine Meinung vom vorhandenen gesunden Menschenverstand wohl etwas zu optimistisch..
    Na, und das Thema Selbstoptimierung: VERGISS DEN SCHEISS! Ich glaube wir sind mittlerweile in einem Alter wo uns niemand mehr die Welt erklären muss – es ist wohl eher umgekehrt..
    In diesem Sinne – bleib gesund und bleib wie Du bist!
    CU
    Peter

    1. Puh, „Bloggen, um reich zu werden“. Ein entzückendes Thema. Ich sehe, wir verstehen uns mal wieder. Aber das mit der Spülmaschine ist schon eine großartige Nummer. Ich habe herzlich gelacht.

      Nein, ich mache diesen ganzen Blödsinn nicht mit. So weit kommt’s noch! Bleib auch du gesund!

  2. Lieber Henning,

    wenn mir die Selbstoptimierer über den Weg laufen und mich bekehren wollen, wird das Argument „Stillstand ist der Tod“ sehr schnell und in mehreren Variationen genutzt um die Selbstoptimierung – und zwar genau diesen einen Weg – zu begründen.
    Ich nutze dann Herbert’s Liedertexte und entgegne mit „Bleibt alles Anders“.

    Für mich selber habe ich aktuell meinen Frieden mit dem Thema gemacht. Nicht Selbstoptimierung sonder schlichtweg stetige Anpassung an Gegebenheiten macht das Leben ertragbar oder gar leicht.
    Selbstoptimierung hat immer so einen faden Beigeschmack von „Hole das Maximum aus deiner Zeit auf Mutter Erde heraus“ – und das führt bei mir dann zu Stress. Ob dies von den Selbstoptimierern initiiert und befeuert wird, oder ob diese Sichtweise von mir kommt, kann ich nicht sagen. Wie ist es bei euch?

    Sich an das Leben an zupassen, nicht im Sinne eines Ja-Sagers, sondern im Sinne von „Kann ich etwas dagegen machen? Nein? Ok, dann kann ich es nur aktzeptieren“, geht recht leicht wenn man ein grobes Ziel vor Augen hat. Und genau an dieser Stelle gibt es Gemeinsamkeiten zu den Selbstoptimierern.
    Ein Leben ohne Ziel ist nicht lebenswert. Morgens aufzustehen ohne einen Grund zu haben, macht einen kaputt. Was der Grund des Aufstehens ist (Schönen Tag haben, Eis essen, 16 Stunden für den Ferrari arbeiten, …), ist für jede Person ein anderer. Nur einen Grund sollte man haben und wenn dieser Grund nicht selbstzerstörerisch ist, ist es gut für das Gemeinwohl.

    1. Da hast du vollkommen Recht. Ich habe es unten bei Martin kommentiert: Ziele kann man ja haben. Aber verbiegen lassen sollte man sich nicht. Und yes, es muss schon einen Grund zum Aufstehen geben. Wozu soll man denn sonst wach werden?

  3. Diese Influencer-Optimierer, die eine dermaßen aggressiv-entspannte Art haben, dass es einem körperliche Schmerzen bereitet, wenn man ihnen beim Optimieren und beim Yoga zuschaut, finde ich auch grässlich.

    Das Einzige, was ich in diesem Zusammenhang gut finde, ist, sich realistische Ziele für Dinge zu setzen, die einen selbst nerven und belasten, z.B. endlich die Steuererklärung machen (der Klassiker!), die Wohnung entrümpeln (noch ein Klassiker!) oder sich nicht mehr alles gefallen lassen (irgendwie auch ein Dauerbrenner) und diese auch wirklich umzusetzen. Diese Ziele kann man sich aufschreiben und dann abhaken und sich freuen, wenn es geschafft ist.

    Aber irgendwelcher Mindset-Shift-Bullshit ist und bleibt totaler Käse, füllt in der Regel nur die Kasse der von Dir angesprochenen Coaches und geht einem ansonsten auf den Sack.

    Ich denke, diese Optimiererei kommt aus den USA und ist betriebswirtschaftlichen Prinzipien entlehnt. Man soll also sein Leben führen wie einen optimalen Prozess, mit perfektem Kosten-/Nutzenverhältnis, möglichst wenig Verschleiß und einem möglichst hohen Return On Investment. Der Mensch als sein eigener Großkonzern, bei dem die Zahlen stimmen müssen. Der Optimierungs-Coach quasi als Unternehmensberater für mich als Person.

    Aber wie sind denn viele Unternehmen, in denen ein Unternehmensberater gewütet hat? Was bleibt denn von sympathischen, kulanten und kundenfreundlichen Firmen übrig, wenn Roland Berger fertig ist? Ganz einfach: ein verschlankter, gesichtsloser Laden, in dem die Mitarbeiter mit hängenden Schultern herumlaufen und allenfalls auf dem sterilen Flur, auf dem Weg in die Controlling-Abteilung, ein blasser, uniformer Manager mit eingefrorenem Lächeln deren Weg kreuzt.

    Und so stelle ich mir das auch vor, wenn man selbstoptimiert ist: blass, gesichts- und humorlos, hinter der perfekten Fassade zu Tode gelangweilt und gleichzeitig todlangweilig. Will man das? Manch einem ist es sicher egal, mir aber nicht und Dir auch nicht. Und das ist gut so. Denn das macht uns zu Menschen.

    Wie Peter schon schrieb, das mit dem oberen Korb der Spülmaschine ist sein persönlich geilster Life-Hack. Meiner ist die Methode, ein T-Shirt mit ein paar coolen Handgriffen innerhalb von 5 Sekunden perfekt zu falten.

    Aber dafür haben weder Peter noch ich einen Coach gebraucht… ;-)

    1. Kennst du das Lied „Mistadobalina“ von Del The Funky Homosapien? Das ist das Liedchen. Schau dir mal das Video an. Das sind diese uniformen Manager. Du hast schon Recht, in vielen Firmen regiert die Gleichförmigkeit und Gesichtslosigkeit, wenn einmal die Berater fertig sind. Hauptsache, die KPIs stimmen.

      Ja, ich will mich einfach nicht verbiegen lassen. Dazu habe ich mal irgendwo was von „Straightforwardness“ gehört. Das ist auch so ein Bullshit-Wort. Du merkst also, dass mir da einiger Blödsinn untergekommen ist, der zu diesem Artikel geführt hat.

      Aber ich habe auch einen Lifehack. Was machst du, wenn du einer Mücke gewahr wirst? Eine sichere Variante, das die Mücke aus dem Leben scheidet, haben die Komiker Herricht und Preil in der DDR in den Sechzigern dargestellt. Das kannst du dir hier anschauen.

      Nein, am Ende bleiben wir vermutlich, wie wir sind. Ziele kann man ja haben. Aber man soll imernoch sich selbst treu bleiben.

      1. Mistadobalina ist geil! Die Türen, an denen überall BOB steht 😂 In der Matrix entspricht das denn tausenden Inkarnationen von Agent Smith – die sahen auch alle gleich aus.

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