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Zeitungssterben – Jetzt wird’s ernst

Heute hat der Hamburger Medienkonzern Gruner & Jahr mitgeteilt, dass die Financial Times Deutschland (FTD) eingestellt wird. Vor ein paar Tagen hat die altehrwürdige Frankfurter Rundschau den Gang in die Insolvenz angetreten. Die erste der großen Nachrichtenagenturen ist ebenfalls insolvent. Und der Axel Springer Verlag will seine komische Zeitung mit den großen Schlagzeilen weiter hinter einer Bezahlwand verstecken.

Irgendwas läuft falsch im deutschen Journalismus. Und ich habe so ein flaues Gefühl, woher das kommt. Ich kann im Folgenden falsch liegen. Die Möglichkeit hierzu ist sogar sehr hoch. Aber denkbar ist es, dass es so abgelaufen ist.

Wenn man so die großen – nun ja – Newsblättchen online durchwühlt, stellt man fest: Man muss keine Zeitung kaufen, es steht eh überall das Gleiche. Da kann ich auch den Newsticker einer x-beliebigen Nachrichtenagentur abonnieren. Oder noch besser: Ich abonniere mir bei Twitter oder sonstwo die Ausdünstungen von Stadträten und dergleichen.

Warum? Die Zeitungen und Online-Nachrichtenverbreiter werden von Nachrichtenagenturen beliefert. Oft genug habe ich schon erfahren, dass die Nachrichtenanbieter die Meldungen völlig unreflektiert und ungeprüft abgeschrieben haben. Vielleicht noch ein paar Worte der Einleitung, aber das war’s dann auch.

Klasse, das muss ja ein Riesengeschäft für die Agenturen sein. Nun ja, mag sein, aber auch von denen sind schwarze Schafe bekannt, die einfach mal so das abschreiben, was sie aus irgendwelchen amtlichen Veröffentlichungen entnommen haben. Und das wird dann als große investigative Arbeit verkauft.

So oder so ähnlich wettert derzeit meine Twitter Timeline über das „Zeitungssterben“. Das sind alles nicht so wirklich meine Ergüsse. Aber es gibt auch nicht wirklich Urheber, denn es wird ja weiterverteilt, was das Zeug hält. Die Kommentare sind jedenfalls nicht neu. Und sie stammen wohl aus Journalismus-Kreisen.

Wenn da jetzt irgendwas dran ist, dann wäre doch der Gedanke nicht ganz abwegig, dass es genügend Leser gegeben hat, die einfach mitbekommen, dass das kein Qualitätsjournalismus ist. Und so etwas bedeutet für ein journalistisches Erzeugnis eben einen gigantischen Vertrauensverlust. Und falls der genannte Gedanke stimmt, dann wäre es doch genauso gut möglich, dass Zeitungen mitbekommen haben, dass Agentur XYZ lediglich unreflektiert irgendwelche Bekanntmachungen abpinselt. Und so etwas könnte dann vielleicht auch – nun ja – anders angesehen werden.

Wie dem auch sei, ich kann das alles nicht nachweisen. Das sind alles solche Geschichten, die Twitter erzählt, ohne dass man jedes Mal den Urheber aufschreibt. Jedenfalls ist Twitter voll von Diskussionsstoff rund um das Zeitungssterben. Klicken Sie einfach mal diesen Link an, wenn Sie bei Twitter registriert sind.

Und trotzdem machen diverse Medien weiter, unreflektiert Agenturmeldungen zu veröffentlichen, nur eben mit dem Unterschied, dass künftig eine Paywall dabei ist. Sonst würde sich ja nichts ändern, wie die Konzerne selbst angekündigt haben. Nicht einmal die Werbung, die den störenden Text wohltuend auflockert, würde unterbleiben.

Und ihr Konzerne fragt euch, warum es zu dem Zeitungssterben gekommen ist?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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