Egal, was du schreibst: Niemand wartet auf deinen Inhalt

Wir Blogger sind keine Pfarrer, auf die die Gemeinde jeden Sonntag wartet. Wir Blogger sind ein Haufen Schreiberlinge. Und mehr nicht. Das ist alles. Es ist schlichtweg nicht notwendig, immer wieder aufs neue darauf zu bauen, dass der eigene Inhalt sowieso der beste auf Gottes weiter Erde ist. Wenn man als Blogger mehr zusammenarbeiten würde, könnte solcher Inhalt entstehen. Aber so? Lasst euch doch nicht auslachen.

Es gibt nichts daran zu rütteln: Ein Blog ist ein Tagebuch. Das war der Grundgedanke hinter Blogs. Dass sie sich weiter entwickelt haben, ist meiner Meinung nach ein Fehler in der Matrix, ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Nennen wir es, wie wir wollen. Und jetzt ist es irgendwie so, dass Unmassen von Bloggern der Meinung sind, dass die Welt nur auf ihre Inhalte gewartet hat. Kleine Überraschung: Nein, hat sie nicht. Es ist vielmehr immernoch so, dass es unfassbar viele Internetnutzer gibt, die schlicht und ergreifend die Meinung vertreten, dass Blogger Spinner sind.

Jaja, ich weiß schon: Dann sollten wir halt einzigartige Inhalte schreiben. „Unique Content“ nennen das die Suchmaschinen-Optimierer. Aber wenn jeder einzigartig ist, dass ist die Chance doch recht hoch, dann es dann doch wieder gleich zu anderen wirkt. Und dann wiederum ist die Chance recht hoch, dass es unzählige Blogger geben würde, die denken, dass nur sie die besten auf der Welt sind. Muss man das aber denken?

Ich kenne einige Blogs, deren Autoren bloggen einfach so vor sich hin. Denen scheint es egal zu sein, ob das jemand liest oder nicht. Da kommt aber auch keiner auf die Idee, dass sie oder er wichtiger oder besser oder all das als andere Blogger ist. Die machen einfach ihr Ding. Und das gefällt mir sehr. Weil diesen Autoren auch völlig klar ist, dass es niemanden auf der Welt gibt, der ausgerechnet auf ihre Inhalte gewartet hat.

Klar schreibt man außer für sich noch für die Leser. Aber das sind alles mündige Menschen. Die werden nicht auf die Niederkunft des Messias (vulgo: die Veröffentlichung eines neuen Artikels) warten. So, wie auch „das Internet“ [sic!] nicht unbedingt auf neuen „Content“ warten wird. Ich glaube, man muss sich von solchen unsinnigen Gedanken befreien. Dann fummelt man auch nicht mit Effekthascherei herum.

Nein, niemand hat auf irgendwelche Inhalte gewartet. Egal, was wir schreiben. Mündige Menschen haben uns vielleicht abonniert und lesen das eine oder andere in unseren Blogs ganz gern. Aber sie mischen uns ihrem Nachrichten-Mix bei. Wir bestimmen nicht ihren News Feed oder sonstwas. Deshalb sollten wir uns auch nicht so wichtig nehmen. Denn es wartet niemand auf unseren Inhalt.

Wenn es gut läuft, freut man sich über unseren Inhalt. Es gibt Artikel, die dann von Lesern verschlungen, kommentiert, weiter verteilt und / oder empfohlen werden. Daraus dann aber die Gesetzmäßigkeit abzuleiten, dass man nun „Fans“ hat, die auf „DEN Unique Content“ warten, ist ein Trugschluss. Nehmen wir uns also besser nicht so wichtig. Dann klappt das auch besser mit dem authentischen Bloggen.

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5 Kommentare

  1. Ja, leider ist es halt oft so, dass niemand auf eigene Inhalte wartet. Wenn ich blogge, so denke ich aber dennoch an meine Leser und daran, dass vielleicht meine Anleitung dem einen oder dem anderen geholfen hatte. Auch ist es mir bewusst, dass die meisten Blogger sich nur für WordPress interessieren. Dennoch verblogge ich verschiedenste OpenSource CMS. Ob es nun immer Feedback dazu gibt, ist erstmals dahin gestellt. Wenn doch, dann ist es sehr erfreulich.

    Zu sehr leser-abhängig bin ich nicht und ich weiss, welche Ausrichtung Internetblogger.de hat und danach richte ich mich mit meinen Inhalten. Kommunikation mit dem Leser findet immer statt und daher denke ich mir mal, dass alles in Ordnung sein wird. Es gibt auch passive Leser im Hauptblog, die sich niemals in den Kommentaren melden würden, aber schön, auch solche Stammleser zu haben.

    Da ich Spass an den CMS, der Materie und dem Bloggen habe, denke ich gar nicht daran, es zu beenden und werde weiterhin die Leser mit den Inhalten erfreuen. Alles muss man ja nicht lesen, aber wenn etwas ankommt, dann freut man sich.

    Heute ist übrigens meine Blog-Kommentare-Runde, sodass ich dir zwei Links aus Internetblogger.de geben kann, wozu es in den nächsten Stunden kommen wird.

    1. Hallo Alex, deine Kommentar-Runde ist ja mittlerweile legendär. Und ob da nun jemand darauf gewartet hat oder nicht, ist eigentlich egal. Du machst das einfach, und das ist schon ziemlich gut. Danke für’s Verlinken.

  2. Hi Henning,
    Danke und gerne wegen der beiden Links zu dir. Ja, ich feedbacke woanders, weil es Spass macht und bringt mich mal weg vom eigenen Blog. So schaue ich auch gleich, was Blogger-Freunde machen und womit sie sich so befassen.

  3. Was die Einschätzung von Bloggern als Spinner angeht, ist es sogar noch schlimmer. Bei vielen Gesprächspartnern im realen Leben sehe ich oft Unverständnis auf ihren Gesichtern, wenn ich von einem Blog rede oder davon, dass ich blogge oder etwas verblogge. Ein nicht zu verachtender Anteil der Internetnutzer weiß nicht genau, was bloggen ist, obwohl er davon schon mal etwas gehört hat.
    Dass Leser nicht auf uns warten, ist selbstverständlich. Dafür ist das Angebot da draußen viel zu groß. Ich freue mich, wenn Leser etwas von meinen Posts habe, was bei den wenigsten der Fall ist. Es gibt aber Dauerläufer mit vielen Kommentaren, an denen ich den echten, von mir gegebenen Mehrwert erkennen kann. Daneben sehe ich mein Blog als mein persönliches Archiv.

    1. Hallo Susanne,

      ja, ich wollte es nicht so direkt formulieren. Man bekommt aber schon manchmal den Eindruck, als ob mancher denkt, ein Blog ist etwas ekliges oder unanständiges. Das sind die gleichen Leute, die eine Email als „Brief“ bezeichnen. Es ist ja nicht so, dass wir sie auslachen sollen. Aber es ist schon schwierig, dann das Bloggen zu erklären.
      Naja, so selbstverständlich ist das nicht, dass Leser nicht auf uns warten. Wie oft gibt es denn Blogger, die die Meinung vertreten, nur sie wüssten die Antwort und nur ihnen müsse man folgen, um auf dem Laufenden zu bleiben? Ich halte es so wie du: Ich habe so ein paar Evergreens, die auch nach Jahren gern gelesen und kommentiert werden. Das macht dann das Bloggen aus.

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