Spionage für Lau – Googlemail für Exchange

Ja, der Titel klingt recht böse und erinnert etwas an Hollywood Motion Capture Budenzauber im Gangstermillieu. Allerdings ist der neueste Schachzug von Google als genau das zu werten, was der Titel dieses Beitrags hergibt: Google spielt sich mal wieder als Spionageteam auf.

Was war passiert?

Jeder hat schon mal von Googlemail gehört. Wenn nicht, helfe ich gern auf die Sprünge. Mit Googlemail hatte Google einen Dienst eingeführt, mit dem der Nutzer gegenüber Google bestätigt hatte, dass Google mit dem Dienst Googlemail die Emails der Nutzer auswerten darf.

Nein, das steht nicht auf der Startseite. Sonst würde der argwöhnische deutsche Internetnutzer einen weiten Bogen um Googlemail machen. Und das kann ja wohl nicht gewollt sein.

Näheres zu Google und seinem Spielzeug Googlemail habe ich in einem befreundeten Forum vor einiger Zeit geschrieben.

Nun ist also Googlemail erklärt. Aber was ist mit Exchange?

Der Exchange Server ist nicht mit drei Worten zu erklären. Ich versuch’s aber trotzdem in Kürze. Exchange Server ist das Hilfsmittel in Unternehmen, um organisationsweit Email-Dienste, Nachrichtendienste, Kalender, Besprechungsanfragen, Datentransfer, Kontakte und Ordner bereitzustellen. Es handelt sich also um das zentrale Arbeitsmittel in Unternehmen, um Zusammenarbeit bereitzustellen. Man spricht hier von der Plattform „Messaging und Collaboration“.

Eine Alternative zu Exchange Server sei hier fairerweise auch genannt. Ich meine hier den IBM Lotus Domino Server mit Lotus Notes. Der Server ist ähnlich mächtig wie der Exchange Server und funktioniert prinzipiell ähnlich.

Im Jahr 2008 schrieb der Suchmaschinengigant darüber, dass Exchange Server bis zu zehnmal höhere Stillstandszeiten als Googles Mail-Dienste aufweisen. Nun bietet Google den Dienst „Message Continuity“ an, der diese Ausfallzeiten reduzieren soll. Die eingehende Email läuft dabei durch Spam- und Virenfilter und wird dann sowohl an den Exchange-Server des Kunden als auch an das zugehörige Konto bei Googlemail weitergeleitet.

Mit dieser Lösung könnte sich das Unternehmen den eigenen Exchange Server abschaffen und sich komplett auf die Google Apps „in der Cloud“ verlassen.

Leider fürchte ich, dass hier ein großes Risiko besteht, dass unerwünscht auf sensible Unternehmensdaten zugegriffen wird. Hierzu verweise ich nochmals auf den Artikel in dem befreundeten Forum.

Die Reaktionen auf „Message Continuity“ reichen von „Warum nicht auch für Lotus?“ über „So ein Unsinn in Zeiten von Clustern und anderer Hochverfügbarkeit“ bis hin zu „Hier werden sensible Daten ausgespäht“.

Ist das denn so? Werden hier wirklich Daten ausgewertet und ggf. für irgendwelche Zwecke verwendet? Ich glaube ja.

Ein Dienst wie Googlemail finanziert sich wie Hotmail oder GMX über Werbung. Und diese wird maßgeschneidert bereitgestellt. Das wird über ein Raster erledigt, bestehend aus Alter, Wohnort, Beschäftigung etc. Bei „Message Continuity“ könnte das Raster ja auf Branche, angemeldete Email-Adressen, Standorte erweitert werden.

Und dieses Raster kann beliebig angewendet werden. Es können Besprechungsanfragen zwischen Managern zweier Konzerne synchronisiert werden, die sich zu einem Termin zur Unterzeichnung eines großen Vertrages verabreden. Und was einmal irgendwo zwischengespeichert ist, kann auch weitergegeben werden.

Das wie gesagt ist Budenzauber Hollywoods. Aber ich vermute, dass es eine denkbare Möglichkeit wäre, aus den endlosen Datenströmen Kasse zu machen.

Ach ja, bevor nun jemand fragt: Ja, die Microsoft-Lösung, die als gegenstück von Google Apps / Googlemail arbeitet, sehe ich nicht im Verdacht, Spionage zu betreiben. Die Lösung „Microsoft Azure“ arbeitet tatsächlich so, dass Daten privat behandelt werden. Das erste US-Ministerium arbeitet mit dieser Lösung.

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