Verstummt: Gab es nichts zu erzählen?

Verstummt: Gab es nichts zu erzählen?

Verstummt: Gab es nichts zu erzählen?

Es ist nun schon ein paar Tage her, seitdem es den letzten Blogartikel hier gab. Plötzlich war der Uhle verstummt. Wollte ich nicht mehr? Gibt es keine Themen? Ich war ja sonst immer so produktiv. Und plötzlich ging es ohne irgendeinen Ton einfach mal nicht weiter. Was war denn los? Habe ich keine Meinung mehr? Oder gar keine Lust? Nein, es war nicht ganz so spektakulär. Aber mal so grundlegend: Ich denke schon darüber nach, was ich hier so mache und so. Lasst uns mal gemeinsam ein paar Gedanken wälzen.

Weshalb bin ich denn verstummt?

Ich habe mir irgendwann mal gesagt, dass ich nicht mehr zu allem und jedem Stellung beziehen muss. Es gibt genügend andere Leute, die das tun. Das habe ich oft genug angemerkt. Und darüber hinaus bin ich nicht sicher, inwieweit so persönliche Gedanken zu allem, was so gesellschaftlich und politisch abläuft, hier eine Rolle spielen sollten. Wer hier schon länger mitliest, weiß ja, dass ich mich schwer tue, das entweder komplett bleiben zu lassen oder wieder als festen Bestandteil des Blogs zu betrachten.

Grundsätzlich ist es aber schon so, dass ich meine Meinung äußern will. Ich habe immer wieder versucht, mich in den sozialen Netzwerken einzubringen. Und in den letzten Tagen bin ich hier im Blog verstummt, weil ich ein bisschen mehr auf den Plattformen herumgeturnt habe. Aber ganz ehrlich: Das ist nicht meins. Aber ich möchte wieder mehr dazu beitragen, dass die verbrecherischen Extremisten nicht die Überhand gewinnen. Die Vernunft ist immer eine gute Idee gewesen.

Ich bin verstummt, weil ich keine Ahnung habe, wie ich das bewerkstelligen soll. Schließlich werfe ich mit Expertise um mich. Ich habe doch vor noch nicht ganz so langer Zeit erst erzählt, dass es so nicht weitergehen kann, was ich hier im Blog verzapft hatte. Und dann schaust du dich auf der Welt um und wirst ungehalten. Du willst dich irgendwie einbringen, aber du weißt nicht, wie. Denn du hast ja mal gesagt, dass du kein politischer Blogger bist. Also wie macht man das? Und deshalb bin ich verstummt.

Ich bin da aber nicht allein

Ich bin damit nicht allein. Hier im Blog von Claudia lese ich vergleichbares. Das kann doch dann aber irgendwie kein Zufall sein. Mich regt es auf, wie man mit unserem Land umgeht. Es sind dabei nicht nur die Dinge, dass wir unseren Planeten nicht als Müllhalde hernehmen sollten. Schauen wir doch in unsere Gesellschaft. So eine tiefe Spaltung! So viele Grabenkämpfe! Es ist einfach nicht zum Aushalten. Oder ist das derzeit so nach eurem Geschmack?

Nun könnte man hergehen und wie ein kaputter „dagegen anbloggen“. Nö, ich mache mich doch nicht zum Kasper. Aber ich will auch nicht dabei zusehen, wie wir unsere Demokratie einfach so herschenken. Dann hätten nämlich die gewonnen, die ohnehin die Gesellschaft unterwandern und die Spaltung vorantreiben. Ich bin auch deshalb verstummt, weil ich mich nicht zum Hanswurst machen lasse, der irgendwem nach dem Maul schreibt. Dazu sucht euch gern jemand anderen.

Auch im Blog vom Horst ist mal wieder zu lesen, dass er vielleicht verstummt. Oder seinen Fokus ändert. Es ist nun mal so, dass sich das Bloggen an sich verändert hat. Es gibt viel schauderhaftes, Banalitäten, was weiß ich. Und nicht umsonst stellen viele immer wieder die Frage, ob denn die sozialen Netzwerke gewonnen haben. Ganz ehrlich: Der Himmel steh uns bei, wenn das jemals passieren sollte! Und das will ich euch auch darlegen.

Anlauf nehmen

Die Plattformen – egal, welche – sind nur dazu da, dass die Betreiber möglichst viel Geld verdienen. Ende, aus, Micky Maus. Wir Nutzer sind denen doch vollkommen egal. Deshalb sind die Plattformen so nett und bereiten die Anzeige unserer Einträge auf. INTERESSIERT ES SIE NICHT, DASS WIR DAS VIELLEICHT GAR NICHT WOLLEN? Deshalb gibt es ja doch immer wieder gute Blogs. Und ich nehme an, deren Betreiber sind nur deshalb verstummt, um wieder Anlauf zu nehmen.

Nein, ich glaube, dass dieses ganze Gelaber von so vielen Experten, dass Blogs sich professionalisieren sollen und deshalb keine Meinung enthalten sollen, Quatsch ist. Mein Blog ist mein Blog ist mein Blog. Und hier kippe ich das rein, was ich für wichtig erachte. Diese ganze Fokussierung ist vielleicht bei Firmenblogs oder so sinnvoll. Aber doch nicht auf so einem Blog wie meinem. Nehmt es mir deshalb nicht übel, wenn ich ein bisschen verstummt bin. Das hat seine Gründe.

Vielleicht lache ich diverse Teile der Gesellschaft aus, weil sie auf offensichtlichen Quatsch hereingefallen sind. Oder ich haue einfach mal meine Meinung raus. Oder ich verflechte Politik, Gesellschaft, Nachhaltigkeit mit High Tech. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Zumal das jetzt nicht die erste Idee für diesen Blog ist. Aber so ein Quatsch, der draußen passiert, der kann doch nicht von mir unkommentiert bleiben.

Verstummt: Gab es nichts zu erzählen?
Verstummt: Gab es nichts zu erzählen?

12 Kommentare zu „Verstummt: Gab es nichts zu erzählen?“

  1. Hi Henning,
    als Blogger ist man auch immer noch ein Mensch, der dort hinter steckt. Meine Rubrik zu den „weltlichen“ Themen, denen ich mich als Bürger nicht verschließe (und die Unmutsäußerungen dazu können durchaus gepfeffert sein) – habe ich in meiner Rubrik Sonntagsgedanken aufgenommen.
    Die technischen Dinge gehen mir zwar vor – immerhin heißt mein Blog ja Nerd-O-Mania und nicht Besserwisser-O-Mania – aber ich stehe eben dazu, dass ich auch eine eigene (naturgemäß nicht von jedem geteilte) Meinung habe.
    Es gibt aber durchaus Leser und Leserinnen, die mit der einen Rubrik nichts anfangen können, aber die andere lieben.
    Den Vorwurf des Bloggers auf den Du dich wahrscheinlich in Nennung von Claudia beziehst, fand ich auch völlig aus der Luft gegriffen. Bei vielen Bloggern gibt es auch durchaus politische Themen – erst letztens bei Martin von Loft 75 zum Thema AfD.
    Aber Du hattest es ja selbst schon mal geschrieben: um wirklich journalistisch darüber schreiben zu können müsste man viel mehr Hintergrundinformationen und Internas haben. Und da stelle ich mir die Frage: will ich so ein Fass Jauche aufmachen? Und will ich als Blogger solche Streitgespräche – denn die wird es dann sicherlich in den Kommentaren geben – auf meinem Blog?
    Naja.. Du machst das schon..
    CU
    P.

    1. Moin,

      auch hierzu mein Senf.

      Nein, wir Blogger sind natürlich alles Menschen und sollen uns ja auch persönlich zu allen möglichen Themen äußern. Ich denke ja, jeder Ausbruch aus der eigenen Bubble bringt Erkenntnis. Meinetwegen auch Erleuchtung. Wie du willst.

      Ja, antürlich gibt es politische Themenblogger. Aber weil du den Martin nennst: Ich finde seinen Blog unheimlich gut. Weil das eben so ein Blog ist, wie der früher mal normal war. Ich denke, da müssen wir wieder hin.

      Ob ich so ein Jauchefass aufmachen will, weiß ich nicht. Ich weiß, dass auf dem Schlachtfeld als erstes die Wahrheit stirbt. Und irgendwie ist das gesamte Internet ein einziges Schlachtfeld. Wir wurden sicherlich alle schon gelinkt mit falschen Aussagen. Dem dann allerdings nachgehen zu wollen, kann bedeuten, sich unfassbar viel Arbeit zu machen.

      Klar mache ich das schon. Aber ich glaube, es geht mehr in die Richtung vom Martin. Oder ich lache die halbe Welt aus wie du. Wer weiß das schon?

      1. Hey Henning und Peter,

        vielen Dank für die netten Worte :-)

        Ich habe langsam das Gefühl, dass wir die letzte Bastion der Geradeausdenker sind, wenn man sich so in der Medien- und Bloglandschaft umschaut. Also, mit vernünftigen Ansichten. Ja, das denke ich wirklich.

        Unsere Blogs sind vielfältig und interessant, und das ist gut so. Wir müssen in unserem Alter nicht nur über politische Themen schreiben, so wie der Herr, der sich anscheinend vom Wort „Bullshit“ getriggert gefühlt hat (Ihr erinnert Euch, letzte Woche bei Claudia) und sich damit als verdammt schlechter Verlierer geoutet hat. Nein, wir sind normale Menschen mit vernünftigen Ansichten, die ein buntes Portfolio an Themen haben. Und deswegen habe ich Euch auch abonniert und freue mich immer, wenn ich mal was Neues von Euch lese.

        Mir rutscht ab und zu auch mal ein Artikel über gewisse politische Themen durch; einfach, weil mich manches so richtig ankotzt und weil ich eben eine Meinung habe. Ich versuche stets, andere Meinungen mit Respekt zu behandeln, sofern sie meinen Ansichten nicht diametral entgegen stehen. Auch bei Instagram mische ich mich ein, wenn ich Kommentare lese, die mich wütend machen, z.B. bei https://www.instagram.com/nein.zur.afd/ oder https://www.instagram.com/sz/ (wo User oft Kommentare abgeben, bei denen ich Schaum vor den Mund bekomme).

        Ich denke, wir sollten das weiterhin so handhaben wie bisher: über alles schreiben, was für den Leser interessant sein könnte und über das, was uns beschäftigt. Das ist eine gute Mischung und manchmal kann man damit sogar alte Herren triggern, die sich dann bemüßigt fühlen, Schmäh-Artikel über einen zu schreiben und hochliterarische Schmäh-Kommentare :-D Und wenn das so ist, dann hat man alles richtig gemacht. Das war mein persönliches Jauchefass und es gab irgendwie nur einen, dem das so richtig gestunken hat. Aber hey, selbst schuld – wer austeilt, muss auch einstecken können.

        Von daher bin ich der Meinung: alles kann, nix muss – wie im Swingerclub :-D

        1. Hi Martin,

          naja, da gibt es sicherlich auch wieder Leute, die unsere Ansichten für alles, aber nicht für vernünftig halten. So ist das halt. Die Frage ist allerdings, inwieweit die Leute guten Gewissens in den Spiegel schauen können.

          Du hast Recht, man muss schon unterscheiden, was wirklich erwähnenswert ist und was nur zum Triggern dient. Und wenn man erkennt, dass man eben mal unrecht hat, muss man das auch so benennen. Das gehört zur Ehrlichkeit dazu.

          Ich freue mich, dass du wegen den unterschiedlichen Themen den Blog abonniert hast. Es gibt ja jede Menge Experten, die behaupten, dass man sich auf eine Nische konzentrieren muss. Nein, muss man nicht. Und ich stelle immer wieder fest, dass ich damit nicht falsch liege.

          So, wie dir das passiert mit den politischen Inhalten, so ist das auch bei mir. Irgendwie erreicht man so einen Punkt, an dem man sich nicht mehr auf die Zunge beißen kann. Einmischen ist gut. Ich mach das ja auch immer mal wieder.

          Das Bloggen ist ja eigentlich dazu da, dass man darüber schreibt, was einen persönlich beschäftigt. Was die ganzen SEO-Leute behaupten, hat dabei nichts mit Bloggen zu tun. Und so werde ich das wohl immer sehen. Ach, die Blogosphäre ist jetzt der „Club Charlene“ oder sowas? Amazing :D

  2. Mach dich einfach nicht selber fertig.

    Du musst und kannst nicht zu jedem Puh was sagen.
    Du solltest differenzieren wo es sich lohnt und wofür du brennst.
    Ansonsten kommst du von der Tastatur garnicht mehr weg.

    Mach dir nicht soviele Gedanken.

    1. Hallo Matthias,

      nein, ich werde auch in Zukunft nur zu Dingen irgendwas erzählen, wo es sich auch lohnt. Bei manchen politischen oder gesellschaftlichen Themen habe ich mir bisher auf die Zunge gebissen, weil ich mir gesagt habe, dass das nicht mehr mein Fokus sein soll. Ich glaube, das wird sich ändern.

  3. Es gibt da – für mich – keine durchzuhaltende Linie. Wenn ich zeitweise verstumme, hat das ganz verschiedene Gründe: mal ist es der Frust über das, was abgeht, mal einfach nur Arbeit, Garten, kein Bock…

    Ich werde immer wieder was Politisches schreiben, wobei der Unterschied zum „gut recherchierten Journalismus“ sich durch den persönlichen Blickwinkel (wie wirkt das auf mich, was hat das für mich zu bedeuten) ergeben muss.

    Wünsche dir ein schönes Wochenende!

    1. Hallo Claudia,

      das ist auch so mein Ansinnen. Wir können eh nicht die Panama Papers als einzelne Blogger auswerten. Aber wir können sagen: „Guck mal, die Großkopferten haben schon wieder beschissen“.

      Es gibt Dinge, die einfach mal wichtiger sind als der Blog. Und die halten eben auch vom Bloggen ab. Und wenn man dann dazu kommt, überlegt man sich halt vielleicht auch, welches Thema man hernimmt. So eine Art Triage. Es ist halt leider so hart.

      Dir auch schönes Wochenende.

      1. Bei mir ist das so: es gibt Tage und Wochen, da versumpfe ich auf dem Sofa vor Netflix und es gibt Zeiten, wo ich wieder richtig Bock habe, zu schreiben und kreativ zu sein.

        Mein nächstes Thema im Blog wird übrigens das wundersame Upcycling von medizinischen Mundschutzmasken sein. Klingt komisch, ist auch so ;-)

        1. Hi Martin,

          ja, solche Zeiten des Versumpfens kenne ich leider auch. Vor allem, weil man ja gewöhnlich ein Leben außerhalb des Blogs hat. Und das fordert derzeit eben auch einiges ab. Aber dann kommt wieder die Zeit, in der man häufiger schreibt.

          Da bin ich mal gespannt, wie das Upcycling von medizinischen Masken abläuft. Ich habe dich ja auch abonniert. Also sollte ich davon erfahren.

  4. Moin Henning,

    verstummen muss mal sein, denn man kann nicht überall und immer die Energie aufbringen die Welt verändern zu wollen – verdummen das darf dabei dann nicht sein – denn hier liegt die Macht der Demokratie – nicht zu allem und jedem eine Meinung zu haben und diese zu publizieren.

    Grüsse
    Andy

    1. Hallo Andy,

      danke für deinen Kommentar. Ich habe den jetzt mal freigeschaltet. Das ist so beim ersten Mal.

      Nein, mir ist klar, dass ich weder die Nerven und die Kraft, noch die Macht habe, die Welt zu verändern. Aber ich kann meinen Teil dazu beitragen, dass sie nicht noch irrer wird. Wie du schon schreibst: Hier liegt die Macht der Demokratie.

      Ich habe noch zu viel mehr eine Meinung. Aber du hast Recht, die muss ich nicht grundsätzlich veröffentlichen.

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