Corona Warn-App: Und nun wird alles gut?

Jetzt soll in allernächster Zukunft eine Corona Warn-App um die Ecke kommen. Haben wir dann COVID-19 besiegt? Oder ist es dann etwa doch nicht ganz so einfach? Ich bin mir nicht so richtig sicher, was davon zu halten ist. Aber ich bin optimistisch, dass es eine nicht ganz so schlechte Lösung ist. Und ich werde einen Teufel tun und mit Verschwörungstheorien um mich werfen. Das machen andere zu genüge, nicht wahr?

Was soll das mit der Corona Warn-App?

Da kommen ja momentan allerlei Künstler der gedrechselten Worte daher und behaupten sonstwas. Darum müssen wir mal eben schauen, was es mit der Corona Warn-App auf sich hat. Es handelt sich wohl um eine App für Smartphones mit Android oder iOS, die den Nutzer warnen soll, dass sich ein infizierter Nutzer der gleichen App in seiner unmittelbaren Nähe aufgehalten hat.

Wer diese Corona Warn-App nutzt, kann angeben, wenn man sich mit COVID-19 angesteckt hat. Und wenn dann andere Nutzer der App in der Nähe der infizierten Person sind, werden diese gewarnt. Das soll jetzt entscheidend dazu beitragen, dass sich diese üble Krankheit weniger verbreitet. Die Datenspeicherung und deren Verarbeitung erfolgt entgegen ersten Plänen dezentral und anonymisiert.

Solche Apps sind bereits in anderen Ländern im Umlauf. Man hat wohl recht gute Erfolge damit erzielt. Wobei: Einen sehr raschen, neuen Ausbruch konnte man damit in Singapur auch bloß nicht verhindern. Außerdem stellt der deutsche und europäische Datenschutz enorme Herausforderungen an die App. Und die App soll eben auch nicht den Akku des Geräts leer lutschen. Und letztlich muss die App akzeptiert werden.

Gesundheitsminister Jens Spahn will nun in den nächsten Tagen Überzeugungsarbeit leisten. Denn nur, wenn die Corona Warn-App von einem größeren Teil der Bevölkerung akzeptiert wird, kann deren Einsatz zum Erfolg werden. Andernfalls hätte man dann eben nur mit Zitronen gehandelt. Und so ist die Rede davon, dass „einige Millionen Bürger“ überzeugt werden sollen, diese App zu nutzen.

Wie sehe ich die ganze Angelegenheit?

Ich hocke ja nun seit Ende März zuhause. Dazwischen waren die Osterferien mit meiner Tochter und ein Kurzurlaub mit meiner Frau, zu dem ich mit ihr wegfahren wollte. Außerhalb dieser Tage gehe ich meiner Arbeit nach. Aber eben zuhause. Das ist nun rund ein Vierteljahr der Fall. Mir ist es schlichtweg ein zu großes Risiko, ins Büro zu fahren, da man eben nicht weiß, ob man das Virus hat / hatte.

Das ändert sich ja auch nicht durch diese Corona Warn-App. Was sich aber ändert, ist, dass man sich künftig nicht mehr fragen muss, ob das Gegenüber wissentlich an COVID-19 erkrankt war / ist. Also: Vorausgesetzt, man nutzt die App. Ich verstehe schon den ganzen Nutzen hinter solchen Dingen wie dieser App. Und eigentlich befürworte ich sie auch voll und ganz.

Aber: Ich halte viel mehr davon, nach wie vor Abstand zu halten und nicht jedem um den Hals zu fallen. Das ist seit Monaten meine Meinung. Da, wo der Abstand eben nicht gewährleistet werden kann, muss eben der Mund-Nasen-Schutz herhalten. Und ja, der heißt so, weil man sowohl den Mund als auch die Nase damit bedecken soll. Um andere zu schützen. Also über den Mund und die Nase ziehen. Nicht anders.

Was man so alles beobachten kann

Und wenn ich mir jetzt überlege, dass in einem Großraumbüro der Abstand eher nur schlecht gewährleistet werden kann, müsste wohl der Mund-Nasen-Schutz den ganzen Tag getragen werden. Wenn ich das vermeiden kann, indem ich zuhause bleibe, dann mache ich das. Und dabei kann mir auch keine Corona Warn-App helfen.

Fazit

Es bleibt für mich dabei: Das A und O in der ganzen Nummer ist für mich der Abstand. Das wird auch nicht anders mit der App. Denn die warnt ja den Nutzer, dass jemand in der unmittelbaren Nähe an COVID-19 erkrankt war / ist. Und hier soll man ja Abstand halten. Die App kann dabei helfen, die Zahlen noch ein Stückchen weiter nach unten zu drücken.

Sinnvoll ist aber bei dieser Corona Warn-App – oder auch „Tracing App“ – in jedem Fall, dass mit ihr die Infektionsketten besser nachvollzogen werden können. Die Deppen, die dann aber behaupten, dass da auch wieder Bill Gates dahintersteckt und wir alle mit Chips ausgestattet werden sollen, werden sie eh nicht nutzen und sich stattdessen todesmutig gegenseitig um den Hals fallen.

Bei der Einführung der App muss man viel überzeugen. Dann kann die ganze Nummer zum Erfolg werden. Sonst wird die Corona Warn-App ein teurer Rohrkrepierer. Und selbst wenn sie erfolgreich eingeführt wurde, darf niemand denken, dass das nun ein Freifahrtschein für Engtanz-Tollereien ist. Aber genau diese Gefahr sehe ich leider kommen. Es bleibt also spannend.

9 Replies to “Corona Warn-App: Und nun wird alles gut?”

  1. Hi Henning,

    schön zu sehen, dass wir nicht alleine sind und auch andere noch vorsichtig mit der Situation umgehen.

    Wir sitzen auch seit Monaten zu Hause, was das Thema Arbeit, Einkaufen und andere Dinge angeht, die sich in geschlossenen Räumen abspielen. Draußen unternehmen wir schon viel, immer unter der Wahrung der Abstände. Letzteres wird aber irgendwie immer schwieriger. Heute im Zoo wieder gemerkt, es war unter der Woche bei mäßigem Wetter nicht sehr voll. Trotzdem laufen da oft Vierer- oder Sechsergruppen nebeneinander und man weiß nicht, wohin man ausweichen soll im die 1,5 Meter Abstand einzuhalten. Sagt man dann was, ist man noch der Doofe. Das regt mich übrigens maßlos auf, dass man sich in letzter Zeit rechtfertigen muss, wenn man auf bestehende Regeln hinweist.

    Zur App: Ich/Wir werden die installieren und nutzen. Ich halte die von Anfang an für eine gute Idee. Zusammen mit Masken, Abstand ein weiterer kleiner Baustein. Datenschutztechnisch habe ich dabei wenig Bauchschmerzen. Witzig sind dann diejenigen, die sich auf Facebook über die Datenschutzbedenken äußern. Bei Facebook, öffentlich, und auf dem Profil findet man dann öfters Beiträge von diesen Datensammelmaschinen NameTest und anderen dubiosen Seiten. Da ist dann die Corona-App eigentlich das kleinste Problem dieser Mitmenschen.

    LG Thomas

    1. Hi Thomas,

      Die Sache mit dem Hinweisen habe ich mir gekniffen. Man erreicht eh nix. Stattdessen heißt es dann „Maulkorbpflicht“. Ich mache das so, wie ich es beschrieben habe. Ich hoffe halt, dass das Thema irgendwann durch ist, wenn es den Impfstoff gibt.

      Mit der App und den Bedenken dazu frage ich mich auch, welche Maßstäbe da angesetzt werden. Die „Heute Show“ brachte dazu den Vergleich, dass man diese Bedenken hat, aber die Top-Downloads ausgerechnet WhatsApp und TikTok sind.

  2. So wie die Geschichte in den (manchen) Medien dargestellt wird, bin ich nicht sehr optimistisch, dass die App ein Erfolg wird. Wenn man außerdem bedenkt, dass jeder an seinem Smartphone immer Bluetooths aktiviert haben muss (stimmt doch, oder?) sinkt die Bereitschaft vllt. noch mehr. Schließlich macht der Akku in diesem Fall erheblich schneller die Biege.

    Ich persönlich werde aber auf alle Fälle mitmachen. Übrigens waren meine Frau und ich letzte Woche in einem kleinen Städtchen in der Nachbarschaft. In der Fußgängerzone war überhaupt nichts los. Wir trugen keine Masken. Die Leute hielten sich an die Abstände und sobald jemand ein Geschäft betrat, haben sie/er brav die Maske angezogen. Mitten in der Fußgängerzone schrie ich offenbar ziemlich besoffene Frau aus ihrem Gaubenfenster, dass wir gefälligst alle Masken anlegen sollten. Ob wir denn nicht wüssten, was los wäre… Nun, diese Art von Einmischung ist mir persönlich allerdings auch zu viel. ¯\_(ツ)_/¯

    1. Hi Horst,

      das sind doch alles faule Ausreden. Natürlich verbraucht das Smartphone mit Bluetooth mehr Strom. Das stört die Leute beim Joggen mit Bluetooth Kopfhörern oder beim Musik hören im Auto per Bluetooth auch nicht. Da opfere ich gerne ein paar Watt, wenn das zum Schutz und zur Eindämmung beiträgt. Aber Recht hast Du, das Argument gegen die App habe ich schon irgendwo gelesen.

      LG Thomas

  3. Menschenkontrolle par excellence mit dieser App. Der Frosch der im warmen Wasser sitzt und nicht merkt das es wärmer wird. Mit der App wird die Menschenfreiheit wiedermal einen Schritt mehr eingegrenzt.

  4. Schlimm finde ich, dass all die Diskussionen um die Sicherheit der App offenbar viele entweder gar nicht mitbekommen haben oder die Ergebnisse schlicht ignorieren. Wenn Datensicherheit wie bei uns so großgeschrieben wird und dennoch solche Stimmen laut werden, ist Hopfen und Malz verloren.

    1. Ich denke ja, dass diese App wieder ewig ein Zankapfel bleiben wird. Den sinnvollen Hintergrund kann man nicht absprechen. Aber Datenschutz!1!!elf! Da äußert man schnell in sozialen Netzwerken seine Bedenken.

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