WhatsApp-Nutzungsbedingungen: Lasst es sein - Bild von Oliver Graumnitz auf Pixabay

WhatsApp-Nutzungsbedingungen: Lasst es sein - Bild von Oliver Graumnitz auf Pixabay

WhatsApp-Nutzungsbedingungen: Lasst es sein

Nee, Leute, lasst es einfach bleiben. Ich schreibe mal etwas zu den WhatsApp-Nutzungsbedingungen. Und dann schauen wir mal ob man den Kram denn behalten muss. Ich meine, es muss ja einen Grund dafür geben, dass es eine wahre Völkerwanderung von WhatsApp hin zu Alternativen gab. Grund ist wirklich das Kleingedruckte. Und ich werde euch mal erzählen, was ich von der ganzen Nummer eigentlich halte. Jaja, so, wie der Artikel anfängt, ist es euch klar. Aber warum ich da nicht erfreut bin, muss ich euch ja erklären, denke ich.

Hiermit widerspreche ich den WhatsApp-Nutzungsbedingungen…

Widerspruch zu den WhatsApp-Nutzungsbedingungen (frei erfunden)
Widerspruch zu den WhatsApp-Nutzungsbedingungen (frei erfunden)

Hiermit widerspreche ich den WhatsApp-Nutzungsbedingungen. Meine Daten gehören mir und nicht Facebook. Einem Austausch mit Facebook stimme ich ausdrücklich nicht zu.

(frei erfunden)

Ich kann mir schon vorstellen, was da auf Facebook los ist, was die WhatsApp-Nutzungsbedingungen betrifft. Da werden bestimmt wie verrückt irgendwelche Sprüchebilder umher geworfen mit der Empfehlung, sich das in den WhatsApp Status zu pappen. Na, dann widersprecht mal den WhatsApp-Nutzungsbedingungen. Wisst ihr, wie sehr das den Laden interessieren wird? Null. Niente. Nada. Aber Hauptsache, ihr habt da was gemacht.

In den neuen AGB räumt sich die grüne Facebook-Tochter ausdrücklich das Recht ein, die Daten mit Facebook auszutauschen. Dabei wurde ja genau das bei der Übernahme von WhatsApp ausgeschlossen. Ich hatte nie daran gezweifelt, dass genau das irgendwann kommen würde. Nun ist es soweit. Eigentlich sollten die neuen WhatsApp-Nutzungsbedingungen ab 08.02. gelten. Das hat man bis zum 15.05. verschoben. Aber kommen werden sie. Das ist gewiss.

Schaut euch mal Alternativen an

Es ist ja nicht so, dass es keine Alternativen gibt. Ich habe da das Eine oder Andere mal ausprobiert. Klar, es ist eine Umgewöhnung. Aber kommt mir bitte nicht mit: “Aber da kenne ich doch niemanden”. Das ist Quatsch. Ich habe einen sehr guten Kumpel, dem ich nun nicht nachsagen würde, er wäre nun sonderlich IT-affin. Und der probiert zumindest mal den Messenger Signal aus. Wenn das auch andere machen würden, würden wir weiterkommen. Sinnvolle Alternativen sind:

  • Signal – ein freier Messenger mit vollständiger Verschlüsselung von einer gemeinnützigen Stiftung
  • Threema – ein freier Messenger mit vollständiger Verschlüsselung aus der Schweiz
  • Wire – ein freier Messenger mit vollständiger Verschlüsselung der Wire Swiss GmbH, München

Es gibt noch mehr Beispiele. Aber dabei wollen wir es bewenden lassen. Die Alternativen sind auch gut, mindestens so gut wie WhatsApp. Schon 2012 habe ich vor der Nutzung von WhatsApp gewarnt und Alternativen gezeigt. Interessiert hatte es niemanden. Aber ich bin davon überzeugt, dass ihr euch mit Signal, Threema und Co. auch wohlfühlen würdet. Ihr müsstet euch halt dazu entschließen, den Zinnober des Facebook-Konzerns nicht mehr mitzumachen. Und das kann euch niemand abnehmen.

Warum ist denn WhatsApp überhaupt so schlimm?

Jetzt werde ich immer mal wieder mit der Frage konfrontiert, was denn so schlimm an den neuen WhatsApp-Nutzungsbedingungen sei. Und nicht selten kommen dann Sachen wie “Ich habe nichts zu verbergen” auf. Das mag ja sein, ist aber zu kurz gesprungen. WhatsApp leitet alle Daten zur Mutterplattform Facebook weiter. Ausnahmslos alle. Also nicht nur eure, denn die hat Facebook mit Sicherheit schon, wenn ihr jemals dort registriert wart.

Es geht aber auch um die Daten aller Kontakte. Also auch von den Leuten, die noch nie irgendwas mit Facebook oder Instagram zu tun hatten und die einfach irgendwann zu Weihnachten ein Smartphone bekamen und mal was von WhatsApp gehört hatten. Die landen dann eben auch im Datenbestand von Facebook. Was der Laden mit den Daten anstellt? Keine Ahnung. Aber wollt ihr das wirklich herausfinden?

Meine Frau war vor Jahren mal bei Facebook angemeldet. Sie hat laut Facebook ihr Profil gelöscht. Ich habe es nachvollzogen, indem ich nach ihr auf der Plattform gesucht hatte. Und dann – rubbeldiekatz – war sie wieder auffindbar. Das Profil hatte zwar keine Inhalte. Aber das muss ja nichts heißen. Es wäre doch blöd, wenn eure Teenager, die eh nicht bei Facebook herum lungern, ganz plötzlich auch dort gefunden werden, weil es die WhatsApp-Nutzungsbedingungen so vorsehen.

Und was passiert, wenn ich nicht zustimme?

Es gibt jede Menge Leute, die diese “Jetzt akzeptiere endlich mal unsere Nutzungsbedingungen, du Blödmann”-Meldungen in der WhatsApp App einfach wegklicken. Aber was wird eigentlich passieren, wenn ihr dem ganzen Kram inklusive dem Weiterleiten von Daten nicht zustimmt? Wird die App dann gelöscht, werdet ihr rausgeschmissen? Na, was denkt ihr?

Weder noch. Aber es wird eines mit Sicherheit passieren: Ihr bekommt zwar noch die Nachrichten, könnt sie aber nicht mehr lesen. Ihr könnt auch nicht antworten oder selbst Nachrichten versenden. Das Gleiche soll wohl mit Video und dergleichen passieren. Es sei denn, ihr bestätigt, dass Facebook alles über euch und alle eurer Kontakte weiß. Dass das schon ein bisschen erpresserisch ist, muss ich wohl niemandem sagen, oder?

Am Ende läuft es darauf hinaus, dass Facebook die Dienste zusammenlegt. Das ist seit über 2 Jahren geplant. Und ich glaube, wir können davon ausgehen, dass diese Vereinigung kurz bevor steht. Für meine Begriffe bedeutet das, dass ich mir sehr genau überlege, was man guten Gewissens noch nutzen kann. “Sollen sie doch an meinen Daten ersticken” ist jedenfalls nicht der richtige Ratgeber.

WhatsApp-Nutzungsbedingungen: Lasst es sein - Bild von Oliver Graumnitz auf Pixabay
WhatsApp-Nutzungsbedingungen: Lasst es sein – Bild von Oliver Graumnitz auf Pixabay

11 Kommentare zu „WhatsApp-Nutzungsbedingungen: Lasst es sein“

  1. Was bei mir Puls bei dem Thema erzeugt ist, dass nur weil ich in einem Adressbuch von $jemanden stehe, einfach einen Datensatz auf irgendeiner $Plattform kriege.
    Und genau das scheint keine Sau zu interessieren. Wo sind nur die guten alten Zeiten hin, als man noch gefragt wurde ob Person X deine Telefonnummer an Person Y weitergeben darf?
    “Ich hab recht” Google und “Glaubt uns doch einfach” Apple geben sich hier auch keine Mühe den Endanwender vor solchen Datendieben wie “Los, lass mich mal flux einen Blick in deine Kontakte werfen … Büüddöö”-WhatsApp zu schützen.

    1. Exakt das ist das Problem. Grundsätzlich müsste beim – nun ja – Datenabgleich mit $Plattform die automatische Abfrage der Personen im Adressbuch kommen, ob die denn einen Datensatz dort haben wollen. Oder so. Ja, ist ein bisschen viel Träumerei. Und das Gesichtsbuch muss nun mal Umsatz machen. Aber es wäre zumindest fair.

  2. Tja, alles richtig, was Du schreibst. Dumm nur, dass viele, also etwa ich, auf Whatsapp angewiesen sind. Ein Großteil der beruflichen Kommunikation läuft über den Messenger, und wer sich ausklinkt, ist raus, kann nicht mehr mitarbeiten. Das kommt gar nicht gut an, bzw. geht nicht. Andere Kommunikationsvarianten sind mittlerweile überholt, gerade weil es mit der Gruppenkommunikation in Whatsapp so gut funktioniert. Ebenfalls beruflich bin ich bei Facebook, allerdings komme ich da privat so gut wie nicht vor. Es geht eben leider nicht immer nach dem, was jemand persönlich will oder gut findet.

    1. Ja, das glaube ich schon. Wobei ich etwas Bauchschmerzen dabei hätte, die berufliche Gruppen-Kommunikation über WhatsApp zu absolvieren. Aber wenn man sich darauf geeinigt hat, ist das eben so. Und du hast vollkommen Recht, Kommunikationsvarianten wie Email oder gar Fax geraten doch immer mehr in den Hintergrund.

    2. Liebe Susanne,

      von beruflicher Seite ist eine Enthaltung immer deutlich schwerer umzusetzen. Da wir uns als Gesellschaft für das kapitalistische System entschieden haben, gewinnt am Ende der Weg zum eigenen Brötchen.
      Nehm dir diese Hinweise dann nicht zu sehr zu Herzen. Der Rahmen zur Enthaltung passt hier nicht.
      Ich kenne das zur genüge, da wird $PlattformX genutzt weil ein Chef eine Werbeanzeige in der $ComputerbildY gesehen hat oder weil sein Freund es angeblich nutzt oder weil es aus den USA kommt und von dort ehh alles besser ist.

      Wenn du mehr Frieden findest, kannst du immer entscheiden was privat und was beruflich ist.
      In Zeiten von Xing, Linkedin, Monster etc. gibt es genügend Profile im Internet die ihre berufliche Seite bewusst offenzügig präsentieren, alles was privat ist aber privat lassen.

      Nimm dir diese Ideen nicht zu schwer zu Herzen. In deinem Text liest man heraus, dass du dich mit der Situation unwohl fühlst aber nicht viel dagegen machen kannst.

    3. Ihr solltet darüber nachdenken, was Euer Datenschutzbeauftragter zu diesem Thema sagen würde. Ihr begebt Euch mit ziemlicher Sicherheit auf juristisches Glatteis. Ich arbeite selbst in der IT einer großen Bundesbehörde und bei uns ist besagte App verboten. Immerhin können Firmengeheimnisse abgerufen werden. Als Systemadministrator muss ich auch bei vielen Entscheidungen zwischen bequem und verboten abwägen, was nicht einfach ist. Social Distancing ist das jedenfalls nicht aus Facebooks Sicht.

      1. Lieber Dirk,

        ich gebe dir Recht. Wie ist das bei euch? Hat der Datenschutzbeauftragter auch “nach oben hin” ein mächtiges Wort?
        Ich würde fast behaupte, dass ich bei 50 Prozent der Kunden sie “Wasser predigen, Wein saufen”-Philosophie im Bereich Datenschutz und Benutzung der diskutierten Apps sehe.

        1. Bei uns hat vor allem das BSI eine gewichtige Stellung, da deren Meinung – manchmal leider – für alle Bundesbehörden noch wichtiger ist, als für die private Wirtschaft. Wobei man hier differenzieren muss, da das BSI in vielen Bereichen leider technologisch noch immer in der Steinzeit hängt. So wurde z.B. letztes Jahr Windows Server 2012 R2 freigegeben…
          Bei uns gibt es jedenfalls einen sehr großen Arbeitsbereich zum Thema IT Sicherheit und die haben schon so einiges mitzureden.

          1. Danke für deine Antwort,

            dass das BSI in der privaten wirtschaft so wenig zu sagen hat liegt, meiner Meinung, noch immer daran, dass Sicherheit für den “Product Manager” nur Geld kostet. Wenn die Softwareentwickler schon um Zeiten für Tests schreiben kämpfen müssen, ist im Regelfall keine Zeit oder Geld für die “störende” Sicherheit mehr da.
            Ich habe auch keine genaue Ahnung wie man dem Worte des BSIs mehr Gewichtung geben kann. Klar, mit Strafzahlungen wenn der Fall des Datenklaus eingetreten ist, aber auch das interessiert nicht alle. Dann wird halt damit geplant, dass im Fall der Falle die Firma pleite geht und das Konto der Führung gut genug gefüllt sind.

            Ein “geprüft vom BSI”-Label gibt es für den normalen Nutzer auch nicht in breiter Wildbahn.

      2. Moin Dirk,
        nun ja, es ist immer die Frage, was für eine Firma das ist. Bei uns geht es nicht um Firmengeheimnisse, wir arbeiten nicht mit fremden Daten, es geht einfach um Absprachen innerhalb von Teams, die zurzeit alle weit verstreut voneinander arbeiten. Whattsapp ist das Mediun der Wahl, um alles zusammen zu halten, und wird es noch eine ganze Weile bleiben.

  3. Lieber Henning,

    ich bin da ganz bei dir. Allerdings habe ich bezüglich der Alternativen auch wenig Vertrauen.
    Bei den Stichworten Schweiz und Verschlüsselung fällt mir spontan nur die Crypto AG ein.
    Entweder man lässt es ganz sein, oder halt Pest oder Cholera.
    Btw zukünftige Generationen reden dann wahrscheinlich von Pest oder Corona,

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