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28 Jahre „The Circus“ von Erasure

Wer von Andy Bell und Vince Clarke gedacht hatte, dass es bei ihnen immer nur um Liebe, Lust und gute Laune geht, sieht sich hier getäuscht. Auf „The Circus“ werden auch sozialkritische Themen behandelt. Das Alles war verpackt in tanzbare Musik mit eingängigen Melodien. Die Scheibe stellte damals den endgültigen Durchbruch der beiden Briten dar und gilt bis heute als einer der Meilensteine des Duos. Es ist das zweite Album und brachte 4 Singles zu Tage.

Das Album beginnt mit „It doesn’t have to be„, eine der Singles. Einerseits könnte man meinen, dass hier die Geschichte der beiden Königskinder erzählt wird. Aber es ist die Anklage, dass keine Apartheid herrschen darf. Es wird in Swaheli darüber erzählt, dass man miteinander zusammen sein will. Aber das ist eben nicht möglich, wie wir aus der Geschichte wissen. Die Single war überaus erfolgreich, vor allem die verlinkte Maxi-Version.

Hideaway“ ist ein schwer beeindruckendes Lied. Das Lied steigert sich kolossal, wie man es von Erasure eigentlich nicht gewohnt ist. Andy Bell outet sich mit diesem Lied zu seiner Homosexualität. Und er bespricht die Ausgrenzung und hofft, dass seine Eltern auch nach dem Outing weiter stolz auf ihn sind. Niemand muss sich vor ihm verstecken, er ist ja nun kein Monster.

Es folgt das etwas ruhigere „Don’t dance„. Hier haben wir es fast mit Reggae zu tun, was die beiden da machen. Man soll nicht zum Rhythmus tanzen, sondern das Gegenteil tun. Also grob: Schwimm nicht mit dem Strom, sei besonders. Nimm nicht alles, was im Angebot ist. Wer sich immer hinten anstellt, betrügt sich vielleicht irgendwann selbst.

If I could“ ist dann fast etwas wie eine Ballade. In ruhiger Vertonung klagt Andy Bell an, dass er die Welt ein kleines bisschen besser machen würde, wenn er es denn könnte. Niemand schert sich darum, was die Konsequenzen aus dem, was man tut, sind. Man schließt Türen zu und hört niemandem zu. Und von dem, was uns Mutter Erde bietet, ist nicht genug da. Solche Themen erwartet man nicht von Erasure, nicht wahr?

Wieder eine Single haben wir dann mit „Victim of Love„. Nein, er wird nicht wie ein Idiot schauen und sich nicht das Herz brechen lassen. Jeden Tag wird seine Mauer höher werden. Und er wird jegliche Konversation vermeiden. Man möge sich einfach anziehen und gehen. Natürlich kommen auch mal zwischenmenschliche Dinge mit zu Gehör, sonst wäre das kein Erasure-Album.

Leave me to bleed“ ist so eine eiskalte Nummer, die immer mal wieder zu hören ist, wenn Liebe ungehört bleibt. Fast Funk, bietet diese Elektro-Nummer alles, was man in den Achtzigern über Bands wie Erasure wusste. Ich denke aber trotzdem, es ist das schwächste Stück auf dem ganzen Album.

Der große Hit war natürlich „Sometimes„, die tanzende Schmachtnummer. Es ist nicht die Art und Weise, wie dieses und jenes gemacht wird, das Verlangen ist einfach so groß genug. Dieses Lied wurde zur Signatur von Erasure, und in etlichen Liedern des Duos ist immer wieder eine Spur des Knallers zu hören. Aber ich finde es auch nicht so stark wie andere Lieder, die zu Hits wurden.

Das Titelstück „The Circus“ erzählt von dem Zustand der britischen Wirtschaft, der es von Margaret Thatcher höchstselbst erlaubt war, weiter zu ziehen, wenn ihr danach war. Zurück blieben alle die, die nicht mitzogen, und zerbrochene Träume und Ruinen. Das spröde Stück ist in meinen Ohren eins der besten Lieder, die jemals von Erasure auf einem Tonträger veröffentlicht wurden.

Spiralling“ schließt das Album. Es ist ein Abschiedslied. Die Beziehung ist kaputt und zu Ende. Aber die Zeit der Tränen ist auch vorbei. Und irgendwann wird er wieder tanzen. Ein sehr stimmungsvolles Lied am Ende eines wunderbaren Albums, das lange Zeit fester Bestandteil von Konzerten war. Das Lied hatte aber traurigerweise auch den Weg zu Begräbnissen und dergleichen gefunden. Man hört dem Lied an, wie sehr mit etwas abgeschlossen wird.

„The Circus“ hatte sich sehr oft verkauft. In Deutschland schafften es die beiden damit bis auf Platz 16. Wahrscheinlich wegen „It doesn’t have to be“ und „Sometimes“. Aber das Album bietet so viel mehr als nur leicht eingängigen Pop. Ich würde sogar behaupten, dass es kein Pop ist, sondern mehr New Wave. Jedenfalls ist es eins meiner Lieblingsalben. Aber vor allem wegen den starken Stücken „Hideaway“, „If I could“, „The Circus“ und „Spiralling“. Und wie finden Sie das Album?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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